Focus Reportage: Notfall Feuerwehr

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Bildquelle: Focus Nr. 8, 16.02.2009, S. 76 – 77

In der Februarausgabe thematisierte der Focus die Personalproblematik bei den Freiwilligen Feuerwehren. Einerseits ist es gut, dass dieses Thema auch Verbreitung in den Massenmedien findet, andererseits motiviert der Focus Artikel nicht gerade sich selbst bei der Feuerwehr zu engagieren.

Berichtet wird über die Feuerwehr Großseifen. Nun ja, da hat man sich eine Feuerwehr aus einem 600 Einwohner Dörfchen im Esterwald Kreis in Rheinland-Pfalz rausgepickt. Klar, gerade im tiefen ländlichen Bereich ist es noch schwieriger Nachwuchs für die Feuerwehr zu finden, aber es gibt auch viele Wehren die nicht in 600 Einwohner Dörfern tätig sind. Diese werden im Artikel gar nicht betrachtet. Der Grundtenor des Autors ist auch eher mitleidserweckend wie motivieren. Dabei wird Negatives hervorgehoben oder eben negativ gemacht.

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Die Lage von Großseifen

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Großseifen ist knapp drei Kilometer von der Stadt Bad Marienberg (Westerwald) mit 5.700 Einwohnern entfernt.

Zitate aus dem Artikel

Hier findet Ihr einige Zitate aus dem Heft die ich kommentiert habe. Einen gekürzten online Artikel findet man hier.

Wer will schon viel Zeit opfern, unentgeltlich? Etwa zwölf Übungen im Jahr, vorher die Grundausbildung, 70 Stunden. Truppführer, 35 Stunden. Maschinist und Atemschutzgeräteträger , jeweils mindestens 35 Stunden (S. 76)

Ausbildung muss sein, aber Ausbildung bringt einen doch auch persönlich voran. Man lernt dazu, fährt auf Feuerwehrschulen, tauscht sich auf Fachsymposien aus und besucht Partnerfeuerwehren im In- und Ausland. Das ist doch nicht nur ein Aufsummieren von Stunden sondern macht Spaß und erweitert den eigenen Horizont.

…darunter „Hupf 4“-Jacken (Anm. d. Verf.: richtige Schreibweise HuPF), viel schwerer als die aktuellen Modelle der Berufsfeuerwehr aber immerhin merhlagig und feuerfest. (S. 78)

HuPF Kleidung ist in ganz Deutschland tausendfach bei Berufs-, Freiwilligen und Werkfeuerwehren im Einsatz. Auf den abgebildeten Fotos tragen die Wehrleuten zudem Rosenbauer Handschuhe und Haix Stiefel. Die Schutzkleidung der Freiwilligen Feuerwehr Großseifen ist daher aus meiner Sicht gut und steht der Ausrüstung von Berufsfeuerwehren in nichts nach.

2007 immerhin sechs Einsätze. Ein umgestürzter Baum, eine Straßensperrung beim Sturm „Kyrill“, der Rest Ölspuren… (S. 78)

Da fragen sich sicherlich viele Leser, was soll ich mich mit vielen Stunden Arbeit engagieren wenn sich die Hauptaufgabe der Feuerwehr auf diese handvoll Einsätze beschränkt. Ich persönlich bin ein Unterstützer von kleinen Feuerwehr, in diesem Fall sollte man sich aber überlegen ob Großseifen genügend in die Alarm- und Ausrückeordnung des Landkreises eingebunden ist.

Die guten Geschichten sie spielen alle in der Vergangenheit … Wie Sie immer als erster am Brandort sein wollten. Wie sie soviel Wasser spritzten … dass ihnen die ersoffenen Hühner entgegen schwammen (S. 79)

Tolle Stammtischgeschichten die sehr schön in das Klischee einer kleinen Dorffeuerwehr passt. Aber ist das die Realität? Spiegelt dies die Professionalität wieder die viele Freiwillige Feuerwehren zig-tausend mal im Jahr zeigen?

Nein, genau das zeigt der Focusbeitrag nicht. Er zeigt nicht wie viel Spaß dieses Ehrenamt machen kann, dass es große Jugendfeuerwehr gibt in der sich viele Jugendlich sinnvoll beschäftigen. Das es Feuerwehren gibt die mit Hightech und Top-Ausbildung Einsätze abarbeiten. Schade, denn ich bin nicht bei der Feuerwehr aus Mitleid, sondern weil es einen rießen Spaß macht, einen tollen Freundeskreis gibt und ich selbst viel dazu lernen kann. Nur genau das kommt beim Focus überhaupt nicht rüber.

Bildquelle: Focus Nr. 8, 16.02.2009, S. 76 – 77

1 Kommentar zu Focus Reportage: Notfall Feuerwehr

  1. Deutschland hat rund 21.000 freiwillige Feuerwehren (32.000 Feuerwachen und Gerätehäuser), mit etwa einer Million Mitglieder. Das flächenmäßig doppelt so große Schweden hat 18.000 Feuerwehrleute (quasi so viele wie Feuerwehren in Deutschland), die Niederlande 35.000 (so viele wie hier Wachen). Das ist mehr als alle anderen EU-Länder zusammen haben.
    Unglücklich ist, dass rund 20 Prozent unserer Einheiten mehr als 80 Prozent der Einsätze tragen: Deutschland hat die meisten Feuerwehrleute dort, wo sie wenig gebraucht werden. Ändern könnten das nur die 21.000 Bürgermeister und Oppositionsführer – im Bundestag können sich ja nicht einmal nur 600 Politiker auf etwas Vernünftiges einigen.
    Unglücklich ist auch, dass die große Anzahl der „Feierwehren“ (Pflege von Brauchtum und Tradition) nach wie vor das Bild der freiwilligen Feuerwehr bestimmt. Die Fleißigen wie in Kempten tun ihre Arbeit und werden in der Öffentlichkeit mit der Selbstverständlichkeit einer Berufsfeuerwehr gesehen. Selbst Gemeinderats-Mitglieder glauben, dass sie Berufsfeuerwehrleute beschäftigen – nur weil auch nachts in der Wache Licht brennt („richtige“ Menschen schlafen da nämlich). Wir müssen mehr Aufklärung betreiben, und öfter darauf verzichten über Feuerwehrfeste zu berichten. Ich finde zwar gerade die Webseite nicht, aber bei einer Feuerwehr im Westerwald werden die Funktionsträger in dieser Reihenfolge benannt: Kommandant, stv. Kommandant, Getränkewart, Schriftführer….?????? Das sagt mir was, zumindest bilde ich mir ein, dass es mir was sagt…

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