Rescuedays Tag 1 – Es gibt viel zu tun

Heute ist es losgegangen, die Weber Rescuedays haben begonnen und ich habe ein paar Ausbilder vor die Linse bekommen die uns ein paar Tipps und Tricks zu verschiedenen Einsatzszenarien beschreiben.

Bunt gemischte Teilnehmer: Egal welche Feuerwehr, egal welches Land, jeder der Interesse hat macht mit

Bunt gemischte Teilnehmer: Egal welche Feuerwehr, egal welches Land, jeder der Interesse hat macht mit

Irgendwie hat mich der Tag ziemlich geschlaucht, ich verkomme wohl doch langsam zu einem Schreibtischtäter :-). Aber gelohnt hat es sich. Außer Fachliteratur lesen, habe ich bisher wenig im THL Bereich gemacht, daher gabs für mich viele neue Einblicke. Los gings um 8:00 mit Begrüßungsteil und Vorträgen. Ich habe mir mal ein paar Notizen gemacht, die ich einfach mal stichpunktartig hier aufliste:

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Standard Einsatz Regeln Verkehrsunfall

Frank Hüsch von der Feuerwehr Wiesbaden hat organisatorische Überlegungen im Rahmen der Standard Einsatz Regeln (SER) genannt.

  • Übungen sollten häufiger mit dem Rettungsdienst durchgeführt werden, da sie ein wichtiger Teil der SER sind
  • Geräuschlose und schmerzfreie Rettung ist nicht die Maxime sondern die Golden Hour of Shock, die besagt, dass ein polytraumatisierter Patient beim VU, innerhalb einer Stunde in der Klinik sein sollte
  • Direkte Befehle an die Mannschaft geben („Fritz mach Du mal“ statt „kann mal einer“)
  • Raum organisieren (schönes Zitat: „es bringt nix wenn wir in 20 Minuten den Patienten rausholen, aber 10 Minuten brauchen um die Fahrzeuge so umzuparken, dass der RTW raus kommt“)
  • Auch Feuerwehren ohne hydraulischen Rettungssatzkönnen können viele sinnvolle und wichtige Maßnahmen einleiten: Absicherung, Brandschutz, Glasmanagement, Batteriemanagement, Patientenbetreuung, etc.
  • Einsatzleiter muss neben seinem Masterplan, immer einen Plan B und C in der Hinterhand haben. Hierfür müssen die Gerätschaften einsatzbereit am Ablageplatz liegen und dürfen nicht erst geholt werden wenn sie benötigt werden.
  • Unterbau nicht glorifizieren, d.h. erstmal Patienten versorgen und dann mit dem Unterbau beginnen. Erst falls notwendig sichern (gegen wegrollen, -rutschen, etc.), Patient versorgen, dann stabilisieren (Unterbau)
  • Die Geräteablage dient auch als Ideengeber für den Gruppenführer

Nicht alltägliche Lagen müssen von den Teilnehmern abgearbeitet werden

Nicht alltägliche Lagen müssen von den Teilnehmern abgearbeitet werden

Moderne Fahrzeugtechnologien

Von Jörg Heck gabs einen Vortrag über moderne Fahrzeugtechnologien

  • Beim Schneiden soll das Material nahe an den Drehpunkt der Schere (= größte Kraft)
  • Eine geschlossene Schere hat mehr Power wie eine weit geöffnete, daher das Material quetschen (Querschnitt verkleinern) bzw. alles unnötige entfernen (Verkleidung)
  • Die Einsatzkräfte brauchen alternative und kreative Lösungsmöglichkeiten für Einsätze. Das eine Standardvorgehen geht nicht immer. Kotflügel eindrücken klapp beispielsweise bei Kunststoffkarosserien nicht
  • Ältere Spreizer können noch verwendet werden, Scheren müssen auf den aktuellen Stand sein, ansonsten hat man bei Neufahrzeugen keine Chance
  • Alte Fahrzeuge sollten für Übungen aufgepimpt werden (z.B. Airbags einzeichnen, Zusatzbatterie verstecken, Kabelstränge ziehen (Hybridfahrzeuge)

Bewußt wird an die Grenzen gegangen um zu zeigen was möglich ist

Bewusst wird an die Grenzen gegangen um zu zeigen was möglich ist

LKW Rettung

Frank Bohm aus Ludwigshafen erläuterte die Rettung von LKW Fahrern

  • Motor abwürgen nicht Zündschlüssel ziehen (Sitz kann sich dadurch verändern). Zum Abwürgen CO2 Löscher verwenden und in die Ansaugung des LKW blasen
  • LKW unbedingt gegen wegrollen sichern (40 Tonnen hält keiner)
  • Versuchen der Vorderbau der Fahrerkabine wegzuklappen durch Schnitt in Türschweller und oberhalb der A Säule, dann mit dem Hydraulikstemple noch vorne drücken
  • Fahrerhaus mit Spanngurt an Rahmen sichern, da Verbindung zwischen Rahmen und Führerhaus nicht sehr stabil ist

Nach dem Theorieteil ging es mit der Praxis los und man hat insgesamt neun Stationen die an beiden Tagen von den Rescuedays Teilnehmern abgearbeitet werden. Ich habe mir zwei Szenarien genauer angeschaut, das waren einmal die neuen Fahrzeugtechnologien und PKW in Seitenlage. Hier findet Ihr die Videointerviews mit den Ausbildern und hier gibts weitere Bilder der Rescuedays:

Moderne Fahrzeugtechnologien



PKW in Seitenlage




Morgen gehts weiter und ich hoffe, dass ich Euch wieder ein paar interessante Eindrücke von den Stationen geben kenn. Wenn ihr noch spezielle Fragen oder wünsche habt, könnt Ihr gerne ein Kommentar hinterlassen, dann versuche ich diese morgen zu beantworten.

6 Kommentare zu Rescuedays Tag 1 – Es gibt viel zu tun

  1. Danke für den ersten Bericht.
    Vor allem die Videos und Interviews darin sind sehr interessant. Die Ideen, die dabei erläutert werden sind sehr gut.
    Bin schon gespannt auf den nächsten Bericht!

  2. Super Bericht!
    Weiter so.

  3. Viele neue Gedanken und super gemacht.

    Weiter so.

  4. Danke, dass Du mir die Rescuedays ins „Wohnzimmer“ bringst… Hoffentlich kann ich mal wieder hin.. Und als Teilnehmer wäre natürlich absolut prima, aber das wird wohl ein Traum bleiben.

  5. Mein Kommentar hat sich in der Zeit vertan :-)) In Hermsdorf war ich ja persönlich… hihi..

  6. Hab zu dem Thema Hybrid bzw. Elektrofahrzeuge mal ein Video gefunden
    http://www.youtube.com/watch?v=XC9aB1eozVc

    Meine Frage:
    is das die Realität (so einfach und scheinbar gefahrlos) ???
    kann man den Test „einfach“ wiederholen ?

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