1 Menschenleben = 1,2 Mio. Euro

Was ist ein Menschenleben Wert

Wenn man sparen muss wird alles auf den Prüfstand gestellt, auch die Rettungsorganisationen. Bisher hatte die „Heilige Kuh“ Feuerwehr mit der Rettung von Menschenleben eine gute Argumentationsbasis. Ein Autor zeigt nun, wie in anderen Bereichen und Ländern schon sehr konkret mit Menschenleben gerechnet wird.

Kosten-Nutzen Rechnung Menschenleben

Wird zukünftig nur noch gerettet wenn es sich lohnt?

Vor einigen Monaten habe ich auch schon mal einen Beitrag über die Kosten/Nutzen Abwägung bei der Feuerwehr geschrieben. Mir geht es hier vor allem darum das Geld für innere Sicherheit, optimal zu Verteilen. Und zwar so, dass möglichst viele Menschen davon profitieren. Das wird nämlich oftmals übersehen. Wenn ich einen Bereich mit viel Geld ausstatte leidet in der Regel ein anderer Bereich. Gibt eine Stadt beispielsweise mehr Geld fürs Krankenhaus aus muss unter Umständen die Feuerwehr kürzer treten. Genau für diese Umverteilung finde ich Wirtschaftlichkeitsrechnungen sinnvoll da nicht der viel Geld bekommt der am lautesten schreit, sondern der Bereich der objektiv am meisten den Bürgern helfen kann.

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Auf Spiegel-Online ist vor ein paar Tagen ein Interview mit Jörn Klare erschienen. Für sein Buch „Was bin ich Wert?“ hat er in verschiedenen Unternehmen, Behörden und Ländern recherchiert wie Menschenleben berechnet werden. In den USA muss beispielsweise für Regierungsvorhaben eine Kosten-/Nutzen Rechnung erstellt werden. Am Beispiel einer Kreuzungsampel zeigt er auf, wieviel diese Kosten darf, damit es sich lohnt ein Menschenleben zu retten.

Aber auch in Deutschland wird auf Basis von Wirtschaftlichkeitsrechnungen Entscheidungen gefällt. So rechnet beispielsweise das Bundesumweltamt mit dem sogenannten WSL, dem „Wert eines statistischen Lebens„. Auch die Bundesanstalt für Straßenwesen gibt Empfehlungen für Sicherheitsprojekte auf Basis von diesen Menschenleben-Rechnungen ab. So wird im Straßenverkehr der Wert eines Menschenlebens auf 1,2 Millionen festgelegt.

Ausgaben Rettungsdienst Feuerwehr

Wo haben die Steuergelder den höchsten Nutzen? Bei Feuerwehr, Rettungsdienst oder in einem ganz anderen Bereich?

Was bedeutet dies nun für die Feuerwehr? Ich könnte mir vorstellen, dass in den nächsten Jahren solche Berechnungen durchgeführt werden um mal zu überprüfen ob die jetzige Feuerwehr so in allen Bereichen Sinn macht. Ja auch ich bekomme bei dem Gedanken Gänsehaut wenn man jedes Menschenleben nur noch mit nackten und anonymen Zahlen darstellt. Andererseits ist es unserer Pflicht mit dem Geld möglichst sinnvoll umzugehen und das muss nicht immer das fünfte super-duper HLF sein sondern ist vielleicht auch mal ein zusätzlicher RTW im Stadtgebiet.

Wie sieht es denn bei Euch aus? Hat man sich über solche Themen schon mal Gedanken gemacht oder wird noch alles beschafft was das Feuerwehrherz so begehrt?

7 Kommentare zu 1 Menschenleben = 1,2 Mio. Euro

  1. Robert Weissgerber // 19. Juli 2010 um 12:27 // Antworten

    Hab diesen Beitrag auf der FB-Seite der Feuerwehr Obertrum zur Diskussion gestellt.

    Um das Feuerwehr- und Rettungswesen leichter finanzieren zu können, müsste mal die Tarifordnung überdacht werden. Für welche Einsätze werden welche Tarife verrechnet, denn wenn ich denke das die Mannstunde 18,00 Euro kostet, egal ob Tag oder Nacht, dann ist meiner Meinung nach der Handlungsbedarf voll gegeben.

  2. Th. Middeke // 19. Juli 2010 um 13:34 // Antworten

    Würde sich die FW nur mit Menschenrettung beschäftigen hätte der Beitrag einen Sinn.
    So jedoch bleibt nur der Hinweis darauf das der Schreiber (leider ist kein Name bekannt!?) sich an der nächsten Feuerwache doch mal über das gesamte Aufgabenspektrum der FW informieren sollte.

  3. Hallo Th.

    meinst Du mit Schreiber mich (Florian Fastner)?

  4. Eigentlich ist allein der Gedanke ein Menschenleben zu berechnen ein Rückschritt zum 3. Reich wo die Menschen nach Leistung und Wissen selektiert wurden. Gegen dieses Denken müssen wir alle uns wehren. Das es diese Tabellen gibt ist mir bekannt und ein Groll.

    Zum Thema Tarife:
    Eine einheitliche Liste wird es nie geben. RD HiOrgs zahlen zwischen 6,00€ und 21,50€ bei Ehrenamtlichen. Hauptamtliche nach Vertrag.
    Die Menschen die täglich sich in Gefahren begeben FW, RD oder die Pflegerischen Mitarbeiter im Kliniken werden ausserdem mit so schlechten Löhnen bezahlt. Diese Gehälter haben trotz Nacht und Wochenendzuschlag noch den Namen Aufwandsentschädigung verdient.

    Wo wird das Geld verschwendet:
    Unterschiedliche Strukturen der Ortsansässigen Wachen. Ein erster Schritt war vor die komplette Zentralisierung des RTW/KTW Einkaufs und der Ausrüstung. So kann man Geld sparen. Das Problem mit den Strukturen besteht aber aus den ersten Tagen des Rettungsdienstes und verschwindet nicht mit der Einführung von Trust oder einer ILST.
    Diese Gutachten kostete 6,7 Millionen € und ob diese Zahl wird bezweifelt.

  5. Hallo zusammen,

    Ich bin selber bei der feuerwehr und war vorher im Rettungsdienst.

    also für mich stellt sich die Frage „Wieviel ist ein Menschenleben wert“ überhaupt nicht.
    Denn ein Menschenleben ist mit Geld nie abzuwägen, weil es unbezahlbar ist.

    Drum wer sich auch immer diese Frage stellt, sollte sich fragen was sein eigenes Leben kosten würde!

  6. Das mit dem „Menschenleben ist mit Geld nicht aufzuwiegen“ wurde doch, wenn ich mich nicht irre erst vor kurzem in diesem Blog Diskutiert.

    So viele Rtw und BF und FF und und und Kann es nicht geben.
    Solange für eine Personensuche im Rhein noch ein Heli der Pol mitkommt
    und niemand gripiert da er 20 min entfernt wohnt und der Sprit zu viel kostet
    ist die Frage nach den kosten legitim.
    (Mir ist klar das das Beispiel mit dem Sprit sehr überspitzt ist).
    Irgend einen Maßstab MUSS man haben.
    Welchen sonst?
    Peter

  7. bei uns wird schon lange nicht mehr beschafft was nötig ist bzw. begehrt ist… wir schlagen uns mit einem tankwagen tlf 16/25 rum, der baujahr 1985 ist. Zudem rücken wir auf Unfälle auf die B 51 und andere Verkehrswege mit einem 135 ps starken total überladenen LF 8/6 mit TUH aus.
    Die richtige Verteilung der Mittel ist bei uns in der Gegend ein großes Problem.. Unsere Nachbarwehr hat gerade einen neuen Anbau bekommen..Insgesamt 7 stellplätze..ihr einsatzgebiet ist ungefähr halb so groß wie unseres und sie haben keine technische unfallhilfe, da keine schnellstraßen/Ortsteile zu ihrem eigentlichen Standort dazu fallen..
    Zudem beherbergen wir eine FEZ, haben den Gerätedienst, die Funkwerkstatt, die Elektrowerkstatt und ein Großteil der Alarm und Einsatzpläne wird mit uns entwickelt.. Unsre FEZ könnte man als Abstellräumchen mit Alarmgeber, 2 Funkgeräten und einem PC bezeichen..und woanders wird das Geld rausgeworfen.. Politik ist nicht immer logisch und so ausgelegt, dass es den größten Nutzen hat sondern meiner Meinung nach wird viel zu oft nach persönlichen Anliegen gehandelt.

    und dazu, dass ein menschenleben berechnet werden soll äußere ich mich einfach mal nicht..grausam sowas.

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