Vom Kellerbrand zum Wohnungsbrand

Foto: KFV Dachau

Wenn man in den Einsatzberichten von anderen Feuerwehren stöbert, sieht und liest man oft Dinge, die einem auf bestimmte Themen aufmerksam machen. So geschehen bei einem Einsatz in Berlin. Dort ist es am 01.01.2011 zu einem Kellerbrand in einem 5 stöckigen Wohn- und Geschäftshaus in Moabit gekommen.

Wenn man sich die Gefahrenmatrix bei einem klassischen Brand im Keller vor Augen führt wäre meine Einschätzung wie folgt:

Atemgifte: ja
Angstreaktion: ja, da Treppenhaus oftmals verraucht
Ausbreitung: ja, v.a. Rauch
Atomare Strahlung: nein
Chemische Stoffe: überwiegend nein (evtl. Spraydosen, Benzin, Terpentin, etc.)
Erkrankung: jein, evtl. Bewohner durch Rauch
Explosion: ja, durch gefährliche Stoffe im Keller bzw. Rauchgasdurchzündung
Elektrizität: ja, Überputz Verkabelung im Keller
Einsturz: nein

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Blick durch die Wärmebildkamera, nicht nur im Kellerraum sondern auch darüber (Foto: Feuerwehr München)

Blick durch die Wärmebildkamera, nicht nur im Kellerraum sondern auch darüber (Foto: Feuerwehr München)

Besonders auf die Ausbreitung möchte ich hier aber eingehen. Bisher war meine Sichtweise, dass bei einem Kellerbrand die Gefahr einer Brandausbreitung vor allem auf horizontale Ebene besteht. Also alles was links, rechts und hinter dem Brandraum ist. Die Einsatzbilder der Berliner Feuerwehr zeigen aber einmal von unten und von oben, wie sich bei dem Brand das Feuer in das darüber liegende Stockwerk ausgebreitet hat.  Grund dafür war eine Kellerdecke aus Holz.

Mir sind im städtischen Bereich noch nie Kellerdecken aus Holz aufgefallen. Auch bei alten Häusern bin ich bisher nur Beton- bzw. Steindecken über den Weg gelaufen. Scheinbar bin ich da aber auf dem Holzweg und das Berliner Einsatzbeispiel ist ein Grund mehr sich auch über das Stockwerk darüber Gedanken zu machen. Wichtig ist, dass diese Kontrolle auch zeitnah erfolgt. Wie man bei den Berlinern Kollegen sehen kann, ist bereits ein großes Loch im Boden wodurch Rauch, Hitze und Flammen in das Geschoss oberhalb gelangen können. Aber auch wenn noch kein kompletter Durchbrand erfolgt ist, empfiehlt es sich die darüber liegende Wohnung mit der Wärmebildkamera zu kontrollieren.

Hattet Ihr schon mal einen ähnlichen Einsatz bei dem sich ein Kellerbrand auf die darüber liegenden Stockwerke ausgebreitet hat?

8 Kommentare zu Vom Kellerbrand zum Wohnungsbrand

  1. Ja, Kellerbrand mit Brandausbreitung über den Holztreppenraum in das gesamte Gebäude. Altbau, jede Wohnungstür ebenfalls aus Holz. Bei unserem Eintreffen mehrere Personen am Fenster, teilweise bereits am Fensterbrett hängend. Fluchtweg durch den Treppenraum abgeschnitten, Personen über tragbare Leitern und 2 DLKs gerettet. Brandausbreitung bis zum Dachstuhl, dieser im Einsatzverlauf auf einer Länge von ca. 10m offen. Innenangriff nur durch Steckleiterteile die auf die abgebrannten Treppenabschnitte gelegt wurden möglich. Brandausbruch ca. 1.20 Uhr nachts -> lange Entwicklungszeit bis zur Entdeckung des Brandes. Kein einziger Notruf aus dem Haus, mehrere aus der Nachbarschaft. Erst wegen Brandgeruch, dann wegen sichtbarem Feuer.
    In jeder Wohnung war mindestens die Diele direkt vom Brand betroffen, Dachwohnung größtenteils ausgebrannt, eine Tote.

  2. Wobei deine Einschätzung zum Gefahrgut im Keller da nicht ganz richtig ist. Hatten in den letzten 2-3 Jahren 6-8 Kellerbrände, min. ein Kellerverschlag in Vollbrand oder mehrere. Da stand alles im Keller, vom Kraftstoff über Heizöl (im 200l Tank und sogar nicht nur eins) und was weiß ich nicht alles. Und nicht gerade wenig. Einen so ähnlichen Fall wie er oben in den Berliner Bildern gezeigt wird hatten wir auch schon mal.
    Bei Thema Gefahrgut gehe ich deshalb immer vom schlimmsten aus. Wenn nichts ist, umso besser.

  3. Man muss auch Brandbrücken beachten. Leitungen, Dämmungen
    in der Kellerdecke. Auch durch eine Rauchgasdurchzündung kann sich
    das Feuer in die oberen Stockwerke ausbreiten.

  4. Beim Kellerbrand würde ich „Explosion“ auch mit ja
    beantworten. Kleine Räume mit hoher Brandlast, keine automatische
    Ventilation durch zerbrochene Fenster (falls überhaupt nennenswerte
    Lüftungsmöglichkeiten vorhanden sind), lange Brandzeit bis zu
    Entdeckung: Das sind gute Bedingungen für eine
    Rauchgasexplosion.

  5. Explosion auch deutliches ja, einmal wie oben schon beschrieben, dazu sind häufig noch alle möglichen Gefahrstoffe im Keller gelagert. Über Spraydosen mit Lacken etc, bis zum 5l oder 10l Kanister Benzin für den Rasenmäher oder die Kettensäge. Häufig auch Gasflaschen oder Kartuschen. In der Großstadt vielleicht nicht unbedingt, aber umso mehr, wenn es in den ländlichen Bereich geht.

  6. Hallo Leute,

    vielen Dank für Euer Feedback. Den Punkt mit der Rauchgasdurchzündung habe ich aufgenommen.

    Beste Grüße

    Florian

  7. Hallo zusammen,

    ich weiß wir haben es schon Ende Mai und der oben bezeichnete Kellerbrand war schon am 01.01. diesen Jahres aber ich würde dass trotzdem noch gerne einige Passagen kommentieren.
    Beispielsweise: „…aber auch wenn noch kein kompletter Durchbrand erfolgt ist…“
    Das möchte ich so nicht ganz stehen lassen, da nicht nur die Gutachter von Versicherungen und vom LKA etwas anderes sagen, sondern auch der übrige Rest der Wohnung auch wenn dieses auf den Bilder nicht erkennbar war. Des Weiteren verstecken solche Bauweisen noch in einigen Berliner Kellern.

    LG

    MK

  8. Ja hatten wir, Brand in einem raum im untergeschoss ausgebrochen, beim eintreffen der Ersten Einsatzkräfte gab es eine durchzündung. Folge: das Gebäude Stand im Vollbrand. Zu Guter Letzt konnte man nurnoch sagen das haus ist Wirtschaftlicher Totalschaden

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