Schaumseminar Teil 1 – Ist der Einsatz von Löschschaum umweltgefährdend?

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Diese Frage wurde auf dem „Schaumseminar für Anwender“ des Schaummittelherstellers Dr. Sthamer ausführlich beantwortet. Mit dieser Veranstaltung bot der Hersteller  erstmals eine offene Ausbildungsveranstaltung an, bei der speziell auf die Themen der Brandbekämpfung mit Schaum aus Sicht der Feuerwehr eingegangen wurde. Wir haben an der Veranstaltung teilgenommen und möchten nun unsere Eindrücke mit euch teilen.

Schaum und Umwelt

Was passiert mit dem Schaum nach dem Einsatz? Hierüber muss sich auch der Einsatzleiter Gedanken machen.

Was passiert mit dem Schaum nach dem Einsatz? Hierüber muss sich auch der Einsatzleiter Gedanken machen.

Die Umweltverträglichkeit von Schaummitteln ist hoch diskutiert und treibt vielen Feuerwehrleuten die Schweißperlen auf die Stirn, da sie dem Mythos erlegen sind, dass Schaummittel generell umweltgefährdend sind. Wer kennt nicht das Schreckensszenario, wo durch den Einsatz von Schaum ganze Gewässer gekippt sind und es zur Verendung von Lebewesen und Pflanzen kam. Ein anderer mag da vielleicht auch das großflächige Abtragen von Erdboden im Kopf haben, dass enorme Kosten verursacht. Doch nun stellt sich die Frage, ob der Einsatz von Löschschaum wirklich eine derartige Umweltgefährdung bedeutet?

Fluorfreie und fluorhaltige Schaummittel

Ein zentraler Punkt in der Frage zur Umweltgefährdung durch Löschschaum bildet Fluor. Dabei können Schaummittel in nicht fluorhaltige und fluorhaltige Schaummittel kategorisiert werden. In fluorhaltigen Schaummitteln sind oberflächenaktive poly- oder perfluorierte Chemikalien (PFC) enthalten. Diese bilden auf der Oberfläche einer brennbaren Flüssigkeit einen dünnen Wasser- oder Polymerfilm und verhindern somit die Emulsion von Brennstoff in den Löschschaum. Durch diesen Film wird die Löschwirkung des Schaums erhöht und gleichzeitig ein Rückzünden der brennbaren Flüssigkeit verhindert.

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Abrollbehälter Sonderlöschmittel: Schon in der Planungsphase vor dem Einsatz sollte man sich mit dem Thema beschäftigen

Abrollbehälter Sonderlöschmittel: Schon in der Planungsphase vor dem Einsatz sollte man sich mit dem Thema beschäftigen

Der Begriff poly- und perfluorierte Chemikalien ist ein Sammelbegriff für über 800 fluorierte Einzelverbindungen, die biologisch sehr schlecht oder gar nicht abbaubar sind. Zwei besondere Vertreter dieser Verbindungen sind die Perfluoroktansäure (engl. PFOA = Perfluorooctane Acid) und die Perfluoroktansulfonsäure (engl. PFOS = Perfluorooctanesulfonic Acid), die als PBT-Substanzen gehandelt werden. Bei PBT-Substanzen handelt es sich um persistente, bioakkumulierende und toxische Substanzen, die nicht biologisch abbaubar sind und vom Menschen über die Nahrungsaufnahme im Körper anreichert werden, wo sie dann giftig wirken.

Aus diesem Grund sollte sich die Feuerwehr nur dann für den Einsatz von fluorhaltigen Schaummittel entscheiden, wenn sich durch fluorfreie Schaummittel keine effiziente Löschwirkung erzielen lässt. Hat man sich für den Einsatz von fluorhaltigen Schaummitteln entschieden, dann sollte der Eintrag von kontaminiertem Löschmittel möglichst gering gehalten werden oder ganz verhindert werden.

An dieser Stelle noch der Hinweis auf den Ratgeber „Fluorhaltige Schaumlöschmittel“ des Bundesumweltamtes und des deutschen Feuerwehrverbandes.

Bis jetzt lässt sich festhalten, dass beim Einsatz von fluorhaltigen Schaummitteln darauf zu achten ist, dass deren Eintrag in die Umwelt möglichst vermieden werden sollte. Doch nun stellt sich noch die Frage, ob denn fluorfreie Schaummittel keine Gefährdung für die Umwelt darstellen?

Fluorfreie Schaummittel sind in der Regel vollständig biologisch abbaubar. Diese haben somit die Eigenschaft, dass sie mittel- und langfristig keinerlei Rückstände in der Natur hinterlassen. Zirka sechs Wochen nach Ausbringung des Schaummittels ist bei den meisten fluorfreien Schaummittel kein Nachweis mehr in der Natur durch den biologischen Abbau möglich. Dennoch gilt es, wie bei allen anderen Löschmittelzusätzen, zu beachten, dass die kurzfristigen Umweltbelastungen negative Auswirkungen haben können.

Ein Beispiel dafür wäre der Eintrag von Schaummittel in Gewässer. Fluorfreie Schaummittel werden vollständig abgebaut, allerdings erst nach ein paar Wochen. Somit ergeben sich keine Langzeitfolgen. Ein kurzfristiges Problem, bei allen Schaummitteln, ist allerdings, dass Fische über ihre Kiemen aus dem oberflächenentspannten Wasser kein Sauerstoff gewinnen können und daran Verenden.

Gesamtumweltbilanz im Blick behalten

Vor allem bei LKW-Bränden wird häufig Schaum eingesetzt

Vor allem bei LKW-Bränden wird häufig Schaum eingesetzt

Bei der Abwägung eines Schaumeinsatzes wird unter dem Gesichtspunkt der Umweltbelastung häufig nur die Kontamination der Umwelt durch das Schaummittel selbst betrachtet. Wichtig für die Abwägung wäre allerdings die gesamte Umweltbelastung zu betrachten. Ist man in der Situation, dass man einen Schaumeinsatz in Erwägung zieht, dann handelt es sich in der Regel um Brände, deren Schadstoffe extreme Ausmaße annehmen. Somit spielt die Schadstoffbelastung der Umwelt durch Verbrennungsprodukte in der Luft eine bedeutende Rolle. Dies gilt insbesondere für lang andauernde Einsätze. Kann man durch den Einsatz von Schaum einen schnelleren Löscherfolg erzielen, so wird auch die Schadstoffemission reduziert, da die Branddauer reduziert wird. Ein anderer Punkt den es zu beachten gilt ist das kontaminierte Löschwasser. Beim Einsatz von Schaum wird die Löschwassermenge reduziert im Vergleich zum Löschen nur mit Wasser. Dadurch ergibt sich auch eine Reduktion des kontaminierten Löschwassers beim Schaumeinsatz. Eine weitere Schadstoffreduktion ist bei der Betrachtung von feuerwehrtechnischem Gerät, das während des Einsatzes betrieben werden muss zu finden. Durch den schnelleren Löscherfolg mit Schaum reduziert sich die Einsatzdauer, womit sich auch die Dauer reduziert, in denen die Motoren der Löschfahrzeuge, Pumpen und Aggregate laufen und Schadstoffe produzieren.

Fazit zum Schaumeinsatz

Der Einsatz von Löschschaum ist nicht generell umweltgefährdend. Allerdings kann die Feuerwehr in ihren Möglichkeiten einiges für den Umweltschutz bei der Brandbekämpfung mit Schaum tun. Der Einsatz von fluorhaltigen Schaummittel sollte nur erfolgen, wenn andere Schaummittel keinen effizienten Löscherfolg bieten. Generell sollte beim Einsatz von Schaum der Eintrag von kontaminiertem Löschwasser in die Umwelt vermieden werden. Auch die offene und frühzeitige Zusammenarbeit mit der Wasserbehörde, dem Umweltamt und dem Wasserversorger sollte angestrebt werden. Dabei empfiehlt es sich, bei entsprechendem Schadensereignis, möglichst zeitnah Vertreter der genannten Behörden an die Einsatzstelle zu beordern um ein effektives und umweltfreundliches Vorgehen zu erzielen.

Im nächsten Artikel werden wir euch das Thema Schaummittel vorstellen. Dabei werden die unterschiedlichen Schaummittel vorgestellt, deren Einsatzmöglichkeiten aufgezeigt und ein paar Gedanken zu möglichen Schaumkonzepten vorstellen.

Über den Autor

martin-bicking-feuerwehrlebenMartin Bicking ist passionierter Feuerwehrmann. Mit zehn Jahren trat er in die Jugendfeuerwehr ein und ist seit 2006 in der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Siershahn aktiv. Seminare und Veranstaltungen rund um das Thema Feuerwehr haben für Martin einen hohen Stellenwert. Durch feuerwehrleben.de möchte er den Erfahrungsaustausch unter Feuerwehrleuten fördern und ihnen die Möglichkeit bieten, ihr Feuerwehrwissen zu erweitern

1 Kommentar zu Schaumseminar Teil 1 – Ist der Einsatz von Löschschaum umweltgefährdend?

  1. Hallo,
    gut gemachter Artikel.
    Allerdings darf man einen wichtigen Aspekt beim „biologischen Abbau“ von Schaummitteln nicht außer acht lassen.
    Damit die Mikrobiologie funktioniert muss Sauerstoff vorhanden sein.
    Sobald das Schaummittel aber in das Erdreich eindringt, wird der Abbau massiv verlangsamt, da der Anteil von Sauerstoff abnimmt.
    Dieses sollten Feuerwehren die ihr Einsatzgebiet im Bereich von Wasserschutzgebieten (Wassergewinnung) haben unbedingt beachten.
    Daher ist in diesen Bereichen neben den Behörden auch der Wasserversorger zu informieren.

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