Retten oder Bergen?

Foto: Patrick Allinger

Heute möchte/muss ich mich einem Thema widmen, dass mich immer wieder mal aufregt. Da es nicht so richtig zum Thema meiner Seite passt, sondern vielmehr den kompletten Feuerwehrbereich betrifft, habe ich mich für einen Gastartikel bei Florian entschieden. Es geht dabei um die fachlichen Unterschiede zwischen den beiden „Fachbegriffen“ retten und bergen, die nach Ansicht vieler Kameraden ständig von der Presse falsch verwendet werden.

Aber ist da wirklich so?

Die Presse schreibt immer wieder, vor allem im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen (und da haben wir auch den kleinen Bezug zu meinem Hauptthema), dass „der Verletzte von der Feuerwehr aus dem Unfallfahrzeug geborgen wurde“. Darauf wird von Kameraden der Hilfsorganisationen häufig mit heftiger Kritik gekontert und den Journalisten schlampige und vor allem die Tatsachen verfälschende Arbeit vorgeworfen. Denn es herrscht die Meinung: Lebende werden gerettet und nur Tote geborgen! Dabei ist diese Kritik in den meisten Fällen überhaupt nicht berechtigt, wenn man sich die geltenden Definitionen zu beiden Begriffen einmal genauer anschaut.

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Definition von „retten“

Bei der Definition des Begriffes „retten“ sollte eigentlich eine einstimmige Meinung herrschen, daher erwähne ich diese nur kurz, gehe aber noch nicht näher darauf ein:

Retten bedeutet das Abwenden eines lebensbedrohlichen Zustandes durch lebensrettende Maßnahmen und/oder durch Befreien aus einer lebensbedrohlichen Zwangslage (DIN 13050:2002-09).

Wichtig ist hier also das Abwenden eines lebensbedrohlichen Zustandes durch medizinische Maßnahmen, aber auch durch das Befreien aus eine Zwangslage, die für sich alleine eine Bedrohung für das Leben darstellt (z.B. Befreiung aus einem brennenden Gebäude oder die Beseitigung einer Einklemmung an der Brust, die die Atmung unmöglich macht).

Definition von „bergen“

Da vor allem die Definition und Bedeutung von „bergen“ das Problem darstellt, werde ich dies nun folgend etwas genauer beleuchten und dafür gleich mehrere Quellen anführen:

Die Definition und Herkunft von „bergen“ nach dem Duden

Wenn es um die genaue Bedeutung von deutschen Wörtern geht ist der Duden eine der ersten Anlaufstellen für eine genauere Betrachtung. Allerdings findet sich bei der Suche nach dem Verb „bergen“ kein einziger Hinweis darauf, dass dieses Wort sich auf Tote bezieht.

Stattdessen ist die Rede von „retten, in Sicherheit bringen“ und „verbergen, verstecken, verhüllen“ bzw. „schützend verbergen“. Betrachtet man sich die Herkunft des Wortes etwas genauer, wird auch klar warum. Bergen stammt vom mittelhochdeutschen „bergen“ bzw. vom althochdeutsch „bergan“ was wahrscheinlich ursprünglich „auf einer Fluchtburg unterbringen“ bedeutet hat. Dies deutet also darauf hin, dass lebende! Personen in Sicherheit gebracht werden, aber es ist keineswegs die Rede von Tod und/oder Leichen.

Die Gesellschaft für deutscher Sprache über „retten“ und „bergen“

Auch die Gesellschaft für deutscher Sprache hat sich dieser Problematik angenommen und ergründet den Unterschied der beiden Begriffe genau. Für alle die es genau nachlesen wollen habe ich die entsprechende Seite oben verlinkt. Wichtig sind mir hier aber nur die Kernaussagen:

Die Wörter retten und bergen werden im Bezug auf Rettungs- bzw. Bergungsaktionen bei Verschütteten oft synonym verwendet und in manchen Kontexten ist diese Verwendung auch korrekt, dennoch sind die beiden Verben nicht gleichbedeutend.

„Bergen“ ist also keineswegs gleichbedeutend mit „retten“ allerdings können beide Begriffe, abhängig von der Situation auf die sie angewendet werden, für die gleichen Tätigkeiten verwendet werden.

So ist der Unterschied zwischen retten und bergen im Bezug auf die Befreiung von Verschütteten in erster Linie der, dass sowohl Tote als auch Lebendige geborgen werden können, allerdings kein bereits Verstorbener gerettet werden kann.

Ein Beispiel für eine synonyme Verwendung ist also die Befreiung von Verschütteten. Hier werden sowohl lebende als auch tote Menschen geborgen. Allerdings kann kein Toter gerettet werden, was damit schon impliziert, dass „retten“ mit der Abwendung des Totes zu tun hat (dazu aber später noch mehr).

Sprachgebrauch durch die Feuerwehrdienstvorschrift 2

Aus der Feuerwehrdienstvorschrift 2 geht die eigentliche Verwirrung in diesem Fall aus. Trotzdem ist es wichtig diese hier noch einmal zu erwähnen, um die Bedeutung der letzten und entscheidenden Quelle zu verdeutlichen. In dieser FwDV wird explizit zwischen der „Rettung“ von Lebewesen und „Bergung“ von Gegenständen bzw. Toten unterschieden. Dies beruht auf dem Abschnitt „Teil I Rahmenrichtlinien“ mit der Formulierung „Bergung von Sachen“ und der „Rettung als Tätigkeit zur Befreiung von Personen aus lebensbedrohlichen Zwangslagen und In-Sicherheit-Bringen von Personen“ aus Abschnitt „2.2.1 Truppmannausbildung Teil I“. Eine Begriffsdefinition findet jedoch nicht statt. Aus diesem Grund müssen wir noch eine Ebene höher gehen, um eine verbindliche und genaue Definition für den Feuerwehrbereich zu erhalten.

Wörterbuch für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

Zum Schluss kommen wir zur wichtigsten Quelle aus der wir die genaue Bedeutung der beiden Begriffe ableiten können. Das Wörterbuch für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe der Ständigen Konferenz für Katastrophenvorsorge und Katastrophenschutz (SKK), aus dem übrigens auch die obige Definition von „retten“ stammt. Diese Definitionen sind auch für die Feuerwehr entscheidend, da die Feuerwehr ein ständiges Mitglied der SKK ist und damit diese festgesetzten Vorgaben gelten, wenn nichts separat in den Feuerwehr-Dienstvorschriften vermerkt ist.

Bergung
umfasst Maßnahmen zur Befreiung von Menschen oder Tieren, die durch äußere Einwirkungen in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind.

Diese Definition schließt die Anwendung auf Tote nicht aus, begrenzt den Begriff aber auch nicht rein auf diesen Fall. „Bergen“ kann also auch für lebende Personen verwendet werden, die aus einer Zwangslage befreit werden, aus der sie nicht alleine heraus kommen. Also z.B. eine Einklemmung in einem Unfallfahrzeug, oder die Verschüttung in einem Gebäude/Schacht oder der Gleichen.

Fazit

Es ist also weder in der deutschen Sprache, noch in den geltenden Definitionen der Hilfsorganisationen die Rede davon, dass der Begriff „bergen“ oder „Bergung“ nur in Zusammenhang mit Toten verwendet werden darf, ganz im Gegenteil! Für viele Bereiche unserer Arbeit können sie sogar synonym verwendet werden.

Um hier noch einmal speziell auf die Unfallrettung ein zu gehen:

Die hauptsächliche Arbeit der Feuerwehr bei einem Verkehrsunfall ist das Befreien der Person aus dem Fahrzeug. Bei dieser Tätigkeit kann viel mehr von einer Bergung (Befreiung von Menschen, die durch äußere Einwirkungen in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind) als von einer Rettung (Abwenden eines lebensbedrohlichen Zustandes durch lebensrettende Maßnahmen und/oder durch Befreien aus einer lebensbedrohlichen Zwangslage) gesprochen werden. Denn durch die eigentliche Entklemmung wird in den meisten Fällen kein lebensbedrohlicher Zustand abgewendet. Das eigentlich lebensbedrohende sind die Verletzungen, die nur innerhalb des Fahrzeuges nicht hinreichend versorgt werden können. Die eigentliche Abwendung dieser Verletzungen (das Retten) geschieht erst nach der Befreiung aus dem Fahrzeug.

Das ist auch der Grund warum die hydraulischen Rettungsgeräte früher als „Bergesatz“ (übrigens heute z.B. in Österreich immer noch) bekannt waren. Nicht weil damit nur Tote aus den Fahrzeugen geschnitten wurden, sondern weil hiermit lediglich die Einschränkung der Bewegungsfreiheit abgewendet wird.

Es ist also durchaus legitim bei einem Verkehrsunfall von „bergen der Verletzten“ zu reden und zu schreiben. In den meisten Fällen läuft beides parallel ab, wobei die Formulierung „wurde von der Feuerwehr aus dem Fahrzeug geborgen“ tatsächlich fachlich völlig korrekt ist. Es kommt also immer darauf an von welcher genauen Handlung gesprochen wird.

Also bitte spart euch, mir und den Journalisten in diesen Fällen wertvolle Nerven und hört auf diese Verwendung der Begriffe zu verbessern. Viel wichtiger wäre es der Bevölkerung den Unterschied begründet zu erklären, damit auch der alltägliche Sprachgebrauch korrigiert wird. Dann können wir uns alle das Verbesserung und Kritisieren der Artikel sparen und uns wieder wichtigeren Dingen widmen, von denen es mehr als genug gibt. Danke!

Über den Autor

Patrick Allinger ist 23 Jahre alt und seit seinem zwölften Lebensjahr bei der Freiwilligen Feuerwehr Güglingen in Baden-Württemberg. Er betreibt den Blog www.technische-hilfeleistung.info und engagiert sich als Ausbilder für die technische Unfallrettung im Team von Weber Rescue. Während seines Studiums als Bachelor of Engineering war er zudem österreichischen Steyr. Hier gehts zu seiner Google+ und Facebook Seite.

24 Kommentare zu Retten oder Bergen?

  1. Danke!

    Ich dachte schon, ich wäre der einzige, den dieses „Das heißt aber ‚retten‘, nicht ‚bergen‘!“ aufregt.

  2. Danke für den gut recherchierten Artikel! Ich musste mich jetzt doch ein bisschen selbst an die Nase fassen, dachte ich doch bis jetzt auch, genau den Unterschied zu kennen :-))
    Gruß

  3. Danke!
    Du sprichst mir aus dem Herzen!

  4. Gut recherchiert!
    Endlich mal jemand der der Korintenkakerei so vieler Besserwisser und „Fachleuten“ mal Fakten gegenüberstellt.
    Danke dafür!!

  5. Andreas Meyer // 5. Mai 2012 um 20:18 // Antworten

    Na wenn wir keine anderen Sorgen haben…
    Geborgen werden Sachen und wenn ein Mensch nicht mehr lebt ist er tot. Also ein Gegenstand. Und der wird geborgen.

  6. @ Andreas Meyer: Du hast den Artikel nicht gelesen und verstanden, oder?

  7. Norbert L. // 6. Mai 2012 um 2:18 // Antworten

    Wenn man zu einem bestimmten Thema im Gegensatz zum Großteil der Bevölkerung sachkundig ist nerv es auf Dauer schon gewaltig, wenn die Medien fortwährend sachliche Begriffe falsch benutzen.
    Noch ärgerlicher ist das, wenn es auf Dauer auch noch Schaden anrichtet.

    Der Illusion, Journalisten korrigieren und im folgenden zur Verwendung der passenden Begriffe bringen zu können habe ich mir allerdings inzwischen komplett abgeschminkt.

    Wenn überhaupt funktioniert das in wenigen Fällen vielleicht noch auf der Regionalzeitungsebene, bei allen anderen Medien sind die Herrschaften komplett beratungsresistent und in keinster Weise lernfähig.

    Erst recht nicht, wenn sich der falsche Begriff sowieso schon im normalen Sprachgebrauch etabliert hat.

    So ist das auch beim retten und bergen, der Durchschnittsbürger macht zwischen diesen Begriffen selten einen Unterschied.

    Insofern ist es auch wenig erfolgversprechend, hier nun schulmeisterlich auf Otto Normalverbraucher einwirken zu wollen.

    Letztendlich ist es doch egal, wie es benannt wird.
    Hauptsache man weiß, was gemeint wird.

    • Das ist ja der Punkt. Du denkst, du seist sachkundig, weil Rettung und Bergung Aufgabe der Feuerwehr ist. Die Begriffe, so wie im Artikel beschrieben, sind aber viel älter als die Feuerwehr und ihre Bedeutung, so wie im Artikel beschrieben, ist richtig. Ein Unverletzter oder nur Leichtverletzter in einem verzogenen Auto, dem keine Gefahr droht, wird geborgen.

      Du störst Dich an dieser Aussage, weil die Feuerwehrdefinition eine andere ist. Die Feuerwehrdefinition ist aber von Feuerwehrleuten erdacht worden, um Einsätze klar zu kategorisieren und im Notfall jedem schnell klar zu machen, welche Art von Einsatz (Lebewesen oder nicht) es sich handelt. Das erleichtert der Feuerwehr die Kommunikation und verhindert unnötige Diskussion und ist daher absolut ok.

      Das heißt aber nicht, dass diese, von der Feuerwehr getroffene NEU-Definition stehender Begriffe deswegen zum sprachlichen Allgemeingut wird.

      Die Feuerwehr verwende Rettung und Bergung so wie sie es tut aus gutem Grund, die Allgemeinheit – und damit auch Journalisten – dürfen die Begriffe aber ohne Weiteres im etymologisch korrekten Sinn weiter verwenden, ohne dass der falsch würde. Es ist nicht in der Autorität der Feuerwehren Deutschlands, Worte des Allgemeinen Sprachschatzes für ihre Zwecke mit neuen Bedeutungen zu belegen und die Verwendung dieser neuen Bedeutung dann dem Rest der Bevölkerung als verpflichtend auf zu erlegen.

      Bestes Beispiel war der Höhlenforscher in der Riesendinghöhle. Da sind einige Kletterfachleute abgestiegen und ein paar Mediziner. Die Kletterspezialisten haben ihn in eine Trage gelegt und hochgezogen während die Mediziner seine Verletzung behandelt haben. In der ursprünglichen – und für jeden außer der Feuerwehr immer noch gültigen Bedeutung – Wurde der Mann von den Medizinern gerettet und von den Kletterern geborgen.

  8. Ein Fehler im Text: Die Definition von „Retten“ steht zwar im KatS-Wörterbuch, stammt aber aus der DIN 13050. Da ist der Text im Absatz „Wörterbuch für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe“ inkonsequent, da die Herkunft vorher ja korrekt genannt wird.

    Übrigens: Schön wenn man seine Formulierungen aus Wikipedia wo anders findet 🙂
    ( http://de.wikipedia.org/wiki/Bergung_%28Technische_Hilfe%29 )

  9. Ein Fehler im Text: Die Definition von “Retten” steht zwar im KatS-Wörterbuch, stammt aber aus der DIN 13050. Da ist der Text im Absatz “Wörterbuch für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe” inkonsequent, da die Herkunft vorher ja korrekt genannt wird.

    Übrigens: Schön wenn man seine Formulierungen aus Wikipedia wo anders findet 🙂
    ( http://de.wikipedia.org/wiki/Bergung_%28Technische_Hilfe%29 )

  10. Ausschlaggebend für die Feuerwehr ist die DIN 14011:2010-06
    Titel: Begriffe aus dem Feuerwehrwesen

    Retten

    Zitat aus der DIN 14011, Punkt 3.2.2.1, Retten:

    „Abwenden eines lebensbedrohlichen Zustandes von Menschen oder Tieren und/oder Befreien aus einer lebens- oder gesundheitsgefährdenden Zwangslage.“

    Die Bedeutung dieser Erklärung ist ganz einfach erklärt: Es werden Menschen und/oder Tiere aus gefährlichen Bereichen in einen sicheren Bereich gebracht.

    Bergen

    Zitat aus der DIN 14011, Punkt 3.2.2.9, Bergen:

    „Einbringen von Leichen, leblosen Tieren oder gefährdeten Sachen.“

    Unter Bergen versteht man also die Befreiung und Sicherstellung von toten Personen und/oder Tieren, aber ebenso dass in Sicherheit bringen von Kunstwerken oder auch Gasflaschen usw. aus dem Gefahrenbereich.

  11. Ich schließe mich der Meinung meines „Vorredners“ (Benjamin) an. Des Weiteren wäre nach dem obigen Text nun eine Diskussion interessant, ob das Befreien einer (lebensbedrohlich) verletzten Person das Befreien aus einer lebensbedrohlichen Zwangslage ist oder nicht. Ja schon irgendwie ein merkwürdiger Satz.

    Meiner Meinung nach stellen zum einen die Verletzungen eine lebensbedrohliche Situation dar, aber auch das eingeschlossen / eingeklemmt sein der Person. Selbst wenn die Person nicht verletzt wäre, würden wir sie ja nicht eingeschlossen oder eingeklemmt lassen, denn auch das würde nach ein paar Tagen oder Wochen vermutlich nicht besonders glücklich für denjenigen ausgehen. Ja es ist ein bisschen übertrieben geschrieben, aber ich hoffe dadurch wird es deutlicher was ich meine. Daher denke ich, dass der Begriff „Retten“ schon angebrachter ist als „Bergen“.

    Ich gebe allerdings jedem Recht dem diese ganze Geschichte auf die Nerven geht. Die Artikel werden ja für die breite Masse der Bevölkerung geschrieben und wenn die Zielgruppe weiß was gemeint ist sollte das doch genügen.

  12. Hallo Zusammen!

    Laut Genfer Konvention beeinhaltet der Begriff BERGEN sowohl das retten bzw das schützen von Menschen und Tieren sowie von Sachgegenständen. Die Begrifflichkeit beeinhaltet auch tote Menschen und Tiere.

    Gruß Georg

  13. Philipp (2) // 9. Mai 2012 um 22:24 // Antworten

    Im Haupttext wird die DIN 13050:2002-09 (Begriffe aus dem Rettungswesen) zitiert. Für uns ist wohl eher die DIN 14011:2010-06 (Begriffe aus dem Feuerwehrwesen) interessant, wie von Benjamin auch bereits gesagt.

    Die Begriffsdefinition ist also anscheinend doch nicht so einfach, wie im Text dargestellt.

  14. Also ich muss ganz ehrlich sagen, ich benutze auch nur Retten und nicht Bergen von Menschen, also lebenden. Doch über die Unkenntnis anderer, besonders von Zeitungen rege ich mich schon lange nicht mehr auf, denn ob der Unterschied immer so klar wird und selbst in Wörterbüchern bzw. Dienstvorschriften verschieden verwendet wird, ist nicht die Hauptsache. Ich meine, im Rettungsdienst arbeiten auch nicht nur Sanitäter, aber egal, viel wichtiger ist die Frage, wie die Feuerwehr allgemein in der Öffentichkeit vertreten und dargestellt wird und dort spielen solche Kleinigkeiten nicht die entscheidende Rolle.

  15. alles gut und schön. Wenn ich aber manchmal lese, was unsere regionale „Freie Presse“ so für Mist zusammenschreibt, würde es mich nicht wundern, wenn auch mal Tote Personen gerettet würden. 🙂

  16. @Joyrider:

    Es wurden mit Sicherheit zumindest schon diverse leblose Gegenstände „gerettet“. 😉

    Ich finds aber nicht verwunderlich dass in den Normen verschiedene Begriffe drin stehen. Wäre ja auch schön, wenn MAL etwas einheitlich geregelt wäre.

    Somit muss beim lesen eines Artikels immer beachtet werden, welche Organisation gerettet und/oder geborgen hat (Feuerwehr/Rettungsdienst) um beurteilen zu können, ob der Autor nun Recht hat, oder nicht. 😉 Oder man schließt einfach aus dem Kontext (‚Die geborgene Person wurde zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus gebracht‘) und spart sich den Rest..

  17. Albern. Wenn es eine FwDV und ein DIN gibt in der die Begriffe konsequent für ihre jeweilige Aufgabe verwendet werden, ist es auch sinnvoll diese FW – weit zu so verwenden.

    Damit erspart man sich viel überflüssige Kommunikation – dann ist nämlich klar daß „eine Person geborgen“ über Funk etwas anderes meint als „eine Person gerettet“, man muß nicht „eine Person geborgen – lebend“ als Lagemeldung absetzen was Potential für Mißverständnisse impliziert.

    Sicherlich kann man jede beliebige Aussage durch Heranziehung weiterer Quellen legitimieren, oder glaubhaft machen. Ob das Wörterbuch wirklich die „wichtigste“ Quelle (ich behaupte: die allermeisten wissen nicht einmal um dessen Existenz) ist sei einmal dahingestellt, für den praktischen Einsatz hat es zumindest keine überragende Bedeutung.

    Insofern ist es für die Feuerwehr kontraproduktiv bisweilen übliche Begrifflichkeiten zu verwässern – und daß sie allgemein verstanden werden zeigt ja eben wie weit sie so verstanden und „verteidigt“ werden. Einen Nutzen gibt es aus synonymer Verwendung jedenfalls nicht.

    Ich kenne auch keinen Journalisten der sich jemals durch eine derartige Diskussion angegriffen gefühlt hat – ob man wirklich nicht FW´ler auf die Begriffsunterschiede aufmerksam machen muß sei dahingestellt. Wie ein Vorredner sagte: Dort ist ausschließlich wichtig das verstanden wird was gemeint ist.

    Innerhalb der Feuerwehr jedoch hat die Begriffsabgrenzung (siehe Beispiel) durchaus serh sinnvolle Aspekte.

    Ich empfinde es eher als arrogant und anmaßend wenn sich jemand als der alleingültige Definitionsberechtigte für Begrifflichkeiten darstellt, und sich dann noch beschwert daß seine Nerven strapaziert werden.

    „Also bitte, erspart uns diese nutlzose Diskussion die keinen Mehrwert hat. Danke.“

  18. Die DIN 14011:2010-06 definiert den Begriff „Bergen“ unter 3.2.2.9, wie Benjamin ja schon erwähnte, wie folgt:

    „Bergen
    Einbringen von Leichen, leblosen Tieren oder gefährdeten Sachen“

    Die zur weitestgehenden Klärung dieser Diskussion beitragende Anmerkung in der DIN hat er uns jedoch vorenthalten, so heißt es:

    „ANMERKUNG
    In Rechtsnormen des Zivil- und Katastrophenschutzes und in dem Genfer Abkommen vom 12. August 1949 wird unter „Bergen“ auch das Befreien von Menschen und Tieren aus einer Gefahrenlage im Sinne von „Retten“ verstanden.“

    Beste Grüße
    Jörg

  19. ich glaube eher, dass die gesellschaft für deutsche sprache in ihrer entscheidung von den medien beeinflusst wurde, als umgekehrt. ich jedenfalls finde es schon gut dass zwischen retten (verletzte menschen) und bergen (tote und gegenstände) unterschieden wird. übrigens glaube ich zu wissen, dass es auch in der zdv der bw so geschrieben steht.

    außerdem, warum sollte man die begriffe gleichbedeutend verwenden, wenn man sie in der bedeutung differenzieren kann? darum hat man doch unterschiedliche worte, um unterschiedliche sachverhalte zu deffinieren.

  20. @Marco

    Natürlich hast du recht, in der Feuerwehrstruktur sind klar definierte Begrifflichkeiten durchaus sinnvoll. Für interne Kommunikation darf die Feuerwehr das gerne so definieren, wie es ihr hilft.

    ABER der sprachliche Hintergrund der Begriffe ist durchaus richtig dargestellt so wie es im Text beschrieben ist. Das Befreien aus einer die räumliche Freiheit einschränkenden Situation eines nicht zwangläufig akut gefährdeten Menschen ist hiernach eine Bergung.

    Du sagst: „Ich empfinde es eher als arrogant und anmaßend wenn sich jemand als der alleingültige Definitionsberechtigte für Begrifflichkeiten darstellt, und sich dann noch beschwert daß seine Nerven strapaziert werden.“

    Tatsächlich sind es die Rettungsdienste, die hier einen Begriff umdefiniert haben – was sie zur vereinfachung ihrer Arbeit intern tun dürfen – nun aber versuchen, diese Umdefinierung dem Rest der Deutschsprechenden als neue Sprachregel auf zu zwingen.

    Das heißt, wenn ein Journalist den nach allgemeinem Sprachgebrauch und Wortherkunft vollkommen korrekten Terminus Bergung für eine Person verwendet, die ohne hierbei in akuter Lebensgefahr zu sein z.B. auf einem Berg festsitzt und alleine nicht runter kommt und dann ein Feuerwehrmann kommt und sagt: „Wir haben das in der DIN spezifiziert, du dämlicher Journalist, verwende hier gefälligst das Wort retten!“ dann ist das die wahre Arroganz und Anmaßung, denn hier versucht ein Einzelner oder vielleicht auch eine Gruppe von Personen, dem Rest der Deutschen ein zu reden, wie die deutsche Sprache funktioniert. Und das funktioniert nicht!

  21. Hey, wenn nach dem Wörterbuch für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe das
    Bergung die:
    „umfasst Maßnahmen zur Befreiung von Menschen oder Tieren, die durch äußere Einwirkungen in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind“
    ist, kann als ein Sachgegenstand (Auto, Geldkoffer oder Ähnliches) nicht geborgen werden!?
    Es ist ja kein Mensch oder Tier.
    Wenn aber das o.a. Wörterbuch hier wieder keine hinreichende Erläuterung gibt, sollte diese auch nicht zur Erläuterung herangezogen werden.
    Mit unserer Deutschen Sprache lassen sich viele Dinge exakter ausdrücken als es beispielsweise in Englisch möglich ist. Und so macht es Sinn, „Retten“ und „Bergen“ sauber zu trennen – eben in lebend und tot. So lässt sich mit wenigen Worten ein Sachverhalt dezidiert und ohne Interpretationsspielraum darlegen. Da Pressemitarbeiter diese kaum noch lernen (wichtiger ist das Drama und die Tränendrüse), sollte hier allerdings für eine klare, scharfe und auch möglich Abgrenzung gesorgt werden.
    Wie meine eingehende Frage belegt, haben sich diejenigen, welche die Definition des Bergens ausgearbeitet haben, durch das nicht Aufführen von Dingen selber ad absurdum geführt. Oder Bergen gilt zukünftig nur noch für Mensch und Tier. Wären wir wieder bei der mangelnden Abgrenzung. Ab wird Deutschen lieben wischi-waschi. Über das, was wir labbern, nicht nachdenken zu müssen.
    Grüße

  22. wolfgang gasser // 13. Juli 2015 um 21:36 // Antworten

    Man könnte das jetzt alles so stehen lassen, man kann weiter die Welt des „Rettens“ und „Bergens“ verbessern (durchaus interessant, die Hintergrundinfos zu kennen!!) – man kann aber zusätzlich auch gaaanz stark an der deutschen Rechtschreibung feilen und diese anwenden, wenn man so fleißig postet.
    Oje, da kann einem teilweise schwindlig werden! Deutsche Sprache – offensichtlich sehr schwere Sprache 🙂
    Das beginnt beim eigentlichen Artikel zu dem Thema und geht nahtlos weiter in den – mehr oder weniger sinnvollen – Kommentaren. Hoffentlich läufts in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der einzelnen Wehren und Organisationen deutlich besser!!

  23. Henning Werr // 11. Mai 2016 um 11:49 // Antworten

    Danke, Patrick, für den Beitrag!
    Ich bin schon öfter über die Vergewaltigung der Sprache durch die Vorschrift gestolpert:
    wenn man beispielsweise einen schwer Verletzten aus seinem PKW-Wrack „gerettet“ hat, hat man ihn noch lange nicht gerettet, denn er befindet sich ja immer noch, verletzungsbedingt, in Lebensgefahr. Erst im Nachhinein wird man von einer „geretteten“ Person sprechen können, wobei Bergung (!), Erstmaßnahmen, Transport und Not-OP jeweils ihren Teil dazu beigetragen haben. Deswegen freue ich mich über die gut begründete Ermutigung, den Begriff „Bergung“ dann zu benutzen, wenn es sprachlich besser passt.
    Henning

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