Feuerwehrbedarfsplanung – handelt Ihr schon oder hofft Ihr noch?

Aus meiner Sicht gibt es kein Thema, dass die Feuerwehrlandschaft in Deutschland grundlegender verändern wird, wie die örtliche Feuerwehrbedarfsplanung. Dieses nicht gerade sexy klingende Wort ist in drastischen Worten formuliert, ein Stück Papier, welches über die Zukunft von Dir und Deiner Feuerwehr entscheidet.

Noch nie etwas von so einem Feuerwehrbedarfsplan gehört? Schlecht, denn das Thema sollte bei jedem Kommandanten ganz oben auf der Liste stehen, und jeder Feuerwehrler sollte wissen was da in seiner Stadt oder Gemeinde drin steht. Ich möchte vor allem die Jüngeren ermutigen sich mit dem Thema auseinander zu setzen. In 10 – 20 Jahren wird das dann nämlich mal „Eure“ Feuerwehr sein, deren Grundstein jetzt schon in einem solchen Plan gelegt wird.

Der Feuerwehrbedarfsplan ist Eure Existenzberechtigung

Ist schnell, schnell genug? Eine Analyse der zahlen zeigt es

Ist schnell, schnell genug? Eine Analyse der Zahlen zeigt es schonungslos auf

So, was hat es nun mit der Feuerwehrbedarfsplanung auf sich, wen sie doch so wichtig ist? In diesem Papier steht beispielsweise drin, wie das Risikopotential in Eurer Stadt ist, wie es mit dem Fahrzeugbestand aussieht, wann Ersatzbeschaffungen geplant sind und wie es um Mannschaftsstärke der Feuerwehr aktuelle steht und wie die Stärke sein sollte (Beispiel). Der wichtigste Abschnitt im Feuerwehrbedarfsplan ist aber das Schutzziel und die Zielerreichung. Hier wird nämlich festgelegt in welchem Zeitraum, wie viel Leute an der Einsatzstelle sein müssen und in wieviel Prozent der Fälle dies erreicht werden muss. Diese Zielsetzung wird eigentlich durch den Gemeinderat beschlossen, um aber ein Gefühl zu bekommen kann man sich an den Vorgaben aus anderen Feuerwehrbedarfsplänen orientieren. In der Regel steht da:

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  • 10 Einsatzkräfte, innerhalb von 8 Minuten nach Alarmierung…
  • 6 weitere Einsatzkräfte, innerhalb von weiteren 5 Minuten nach Alarmierung…
  • in 90% der Fälle am Einsatzort

So, und genau an der Stelle fällt wohl vielen Wehrleitern die Kinnlade richtig runter, denn bisher ist man von einer Zielerreichung ausgegangen, die in vielen Feurwehren wohl eher so aussieht.

„Wir rücken so schnell wie möglich aus, idealerweise mit einer Staffel und schauen dass wir möglichst zügig am Einsatzort sind“. Dann gibts noch warme Worte vom Bürgermeister zum Thema Ehrenamt, wie gut und prima es doch ist, dass sich Leute in Ihrer Freizeit engagieren. Die Gemeinde freut sich, dass man eine freiwillige und kostengünstige Feuerwehr hat, die scheinbar funktioniert. Irgendein rotes Auto kommt beim Alarm immer an der Einsatzstelle an und die Feuer gehen in der Regel auch aus. Die Feuerwehr selbst, weiß zwar dass es nicht immer einfach ist genügend Einsatzkräfte zusammen zu bekommen, aber bisher hats ja doch irgendwie geklappt. Alles sind glücklich und zufrieden und klopfen sich gegenseitig auf die Schultern.

Den Kopf in den Sand stecken

Mit dieser Taktik kommt man nicht weit (Foto: istockphoto / Richmatts)

Mit dieser Taktik kommt man nicht weit (Foto: istockphoto / Richmatts)

Für mich gibt’s nix schlimmeres wie starr zu sein und die Augen zu verschließen. Mich ärgert es, dass viele Feuerwehren sich die Butter vom Brot nehmen lassen, nur weil sie sich nicht damit beschäftigen wollen. Der Feuerwehrbedarfsplan wird kommen. In einigen Bundesländern ist das schon gang und gäbe, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen, in anderen Bundesländern wie Bayern wird (hier Seite 12, geht schon etwas länger ;-)) drüber nachgedacht. Abgesehen davon ist es aber für jede Feuerwehr wichtig zu prüfen, welche Ziele es gibt, wie gut die erreicht werden, und was unternommen werden muss um die Zielerreichung zu verbessern. Wenn man wirklich feststellt, dass man bei weitem die Ziele nicht hin bekommt, muss man jetzt anfangen etwas zu ändern. Das muss ja nicht gleich die ständig besetzte Wache sein, wovor unterschwellig viele Freiwillige Feuerwehren Angst haben, sondern kann ja erst mal dazu führen das beispielsweise Wohnraum in Gerätehausnähe gefördert wird.

Eins ist aber klar, Maßnahmen um die Schlagkraft der eigenen Feuerwehr zu erhöhen dauern Jahre! Umso früher man anfängt, umso besser. Wenn ich plötzlich als Verkaufsabteilung fünf Mal mehr Umsatz machen muss, ist das einfach unmöglich. Gehe ich aber davon aus, dass diese Anforderung die nächsten Jahre kommt, kann ich mich jetzt schau drauf einstellen und Maßnahmen treffen um das Ziel zu erreichen.

Strategische Planung ist bei der Berufsfeuerwehr weit verbreitet, im ehrenamtlichen Bereich aber häufig kein Thema

Strategische Planung ist bei der Berufsfeuerwehr weit verbreitet, im ehrenamtlichen Bereich aber häufig kein Thema

Ihr glaubt nicht, dass die Feuerwehrbedarfsplanung solche Auswirkungen hat? Dann schaut Euch mal Städte an die so um die 40.000 – 70.000 Einwohner haben. Guckt einfach mal was da die letzten 10 Jahre passiert ist und was dort die nächsten 10 Jahre geschehen wird. Da wurde oftmals den ehrenamtlichen Feuerwehrlern eine hauptamtliche Wache vor die Nase geknallt oder aufgestockt und dann ist das Gejammer groß. Die bösen Hauptamtlichen die einem die Einsätze wegnehmen sind da, weil der noch bösere externe Gutachter gesagt hat, dass das notwendig ist. Oder es wird beklagt, dass Gerätehäuser zusammen gelegt oder geschlossen werden, weil sie plötzlich nicht mehr notwendig sind.

Wenn man aber ehrlich ist, können weder die Hauptamtlichen noch der Gutachter etwas dafür, denn schließlich haben viele Feuerwehren einfach nur gepennt und das Problem verdrängt. Anstatt zu schauen wie die aktuelle Situation ist und wie man aktiv daran etwas zu ändern kann, hat man einfach die Augen verschlossen. So, lange bis einem das Zepter aus der Hand genommen und man zum Zuschauen verdammt ist. Es gibt einen Satz im Feuerwehrforum, der dies alles in einfachen Worten ausdrückt:

Ändere Dich selbst oder Du wirst geändert!

Aus diesem Grund kann ich nur jeder Feuerwehr empfehlen:

Nehmt Eure Feuerwehrzukunft selbst in die Hand

  1. Erstellt für Euch eine interne Feuerwehrbedarfsplanung
  2. Seid Euch den Zielen (SOLL-Zustand) und der aktuellen Realität (IST-Zustand) bewusst
  3. Überlegt Strategien und Maßnahmen wie man die Abweichungen bei den Zielen verbessern kann
  4. Geht mit dieser Planung und Lösungsvorschlägen auf die Gemeinde zu

So schafft man es aktiv die eigene Zukunft als Feuerwehr mitzugestalten und wird nicht plötzlich von anderer Stellen zu Änderungen gezwungen, die man selbst nie wollte. Seid Ihr selbst Kommandant? Wunderbar dann könnte Ihr gleich mit dem Plan anfangen und wenn Ihr so wie ich zum Fußvolk gehört, könnt Ihr Eure Führungskräfte ja mal auf das Thema aufmerksam machen, letztendlich bringt es uns allen etwas.

Um da noch etwas mehr Hilfestellung zu geben, werde ich in nächster Zeit noch einiges zu dem Thema schreiben um auch aufzuzeigen, dass solche Pläne gar nicht so schwer sind.

Wie schauts bei Euch aus? Wird die Feuerwehrbedarfsplanung in Deiner Feuerwehr durchgeführt oder wird das Thema verdrängt und auf bessere Zeiten gehofft?

19 Kommentare zu Feuerwehrbedarfsplanung – handelt Ihr schon oder hofft Ihr noch?

  1. Wie war… Du sprichst ein Thema welches in unseren bayerischen Breitengraden ungern angegangen wird.
    Ich denke, das sehr viele Kdt. die Not und die Probleme in ihrer eigenen Wehr kennen, es aber nicht Wahr haben wollen und ihre Augen davor verschließen.
    Vor allem auf dem Land sind diese Probleme enorm.

    Die ungerngesehene Wahrheit sollte weiter thematisiert werden.

  2. Hi, bei uns finde ich einen Feuerwehrbedarfsplan total
    überflüssig. Denn 1. klappt die Zusammenarbeit mit der Stadt
    hervorragend, wird sind gut aufgestellt, bekommen Zeitnah unsere
    Fahrzeuge auch tagsüber besetzt, so dass wir mittlerweile in
    mehrere Orte zur Überlandhilfe unter der Woche dazualarmiert
    werden. Jeder Kommandant, der auch nur ein bisschen Ahnung von der
    Materie hat, wird einen Teufel tun und selbst so einen Plan machen.
    1. Hat ein FF Kommandant meist keine Zeit dafür, 2. besitzt er
    wirklich die Kompetenz so einen Plan zu erstellen? Ein eher
    inoffizielles Papier und eine Planung, wie es mit unserer Feuerwehr
    weiter geht existiert und die Stadt spielt auch ohne Wenn und Aber
    mit. Wir haben ca 15.000 Einwohner, 80 Aktive, 2xLF, HLF, TLF, ELW,
    MTW neue Einsatzkleidung, genügen Kräften auch tagsüber, genügend
    MA, GF, TF, ZF, AGT, PA, eine Wärmebildkamera, mehrere
    Rauchschutzvorhänge und auch sonst sehe ich uns im Vergleich zum
    Rest vom Kreis sehr gut aufgestellt. Alles in Allem muss man sich
    BEVOR man einen Brandschutzbedarfsplan fordert im Klaren sein,
    welche Auswirkungen solch ein Plan haben kann! 1. Alles ist gut 2.
    FW zu groß/zu wenig einsatzkräfte/zu viele Autos ->
    Einsatzkräfte mies gelaunt 3. FW zu klein/zu wenig einsatzkräfte/zu
    wenig autos/zu viele einsätze -> HA kräfte, einsatzkräfte
    mies gelaunt, rathaus kotzt auch, weil kein geld, aber durch plan
    praktisch dazu gezwungen 4. Die Daten sind recht bindend – und was
    ist, wenn sich in nem Jahr die Stärke und Ausrückezeit dramatisch
    ändert? Wieder ein neuer Plan? Wenn eine Feuerwehr erkennt „Wir
    brauchen jetzt dringend solch einen Plan“, dann hat die Führung in
    meinen Augen versagt, und die Kommunikation mit dem Rathaus ist
    gescheitert. Bei uns gilt folgendes: 1. Die Feuerwehr ist nicht in
    der Lage einen professionellen Bedarfsplan mit allen Daten zu
    erstellen und will diese Verantwortung auch nicht übernehmen. 2.
    Ein externer Gutachter kostet einen Haufen Geld. Das Geld soll
    lieber in Ausrüstung und Ausbildugn der FW gehen 3. Die
    Zusammenarbeit mit der Stadt ist hervorragend und wenn eine neue
    Investition notwendig ist, wird auch von der Stadt alles getan um
    schnell das Geld aufzutreiben 4. Wir sind bescheiden, aber
    verzichten nicht auf notwendige Beschaffungen. Bitte beachten: Für
    große Städte mit vielen Einwohnern und Abteilungen kann solch ein
    Plan sehr wichtig und richtig sein. Aber für eine FF mit 1,2
    Abteilungen sicherlich meistens overkill. So: und nu noch zu einem
    aktuellen Beispiel: Bei uns dürfte die Drehleiter aus der
    Nachbarstadt fast jeden Punkt im Ort in der Hilfsfrist schaffen,
    aber mit Sicherheit nicht jeden. Ein Großteil der nächsten
    Nachbargemeinde schon erst garnicht. Bei einem offiziellen Plan
    müssten wir doch folgerichtig eine DL fordern oder öffentlich
    sagen, dass eine Leute in der Stadt einfach Pech haben. Jetzt muss
    man aber sehen, dass wir bisher keine DL haben und auch keine
    Wollen, denn neben den enormen Anschaffungskosten gibt es ja viele
    Weitere.. Ausbildungskosten, Ausbildungszeit, Wartungskosten….
    Wir als FW wollen garkeine DL. Eine weitere Nachbargemeinte hat nun
    eben den Supergau.. Der Bedarfsplan schreibt praktisch eine DL vor,
    und obwohl kein Geld da ist, muss man jetzt eben handeln, denn
    „sollte etwas passieren, sind WIR die Verantwortlichen und durch
    den FWB-Plan wurde uns ja zweifelsfrei aufgezeigt, dass wir Handeln
    müssen.“ Wollt ihr eurerm Gemeinderat so die Waffe auf die Brust
    setzen? Werdet ihr nach der Beschaffung auch noch so viel Geld für
    die übrige Ausbildung, Beschaffung zur verfügung haben, oder müsst
    ihr in Zukunft jeden cent umdrehen? Ich denke, ich hab genug
    geschrieben, und die letzte Frage dürfte jeder selbst beantworten
    können.

  3. Corporate Cloud // 14. Januar 2011 um 15:11 // Antworten

    So alte Kamellen *Kopfschütteln*. Jeder der etwas Erfahrung
    im Bereich produzierende Industrie oder Handwerk hat bzw. hier in
    dem Bereich eine Ausbildung, weiß dass eine Bedarfsplanung
    unabd…ingbar ist, wenn man NICHT auf unendlich verfügbare
    Ressourcen zugreifen kann. Das sollte eigentlich schon seit
    Jahrzehnten in den Köpfen der Feuerwehren angekommen sein, da auch
    die Kameraden seit Jahren NICHT mehr unendlich unabdingbar bzw.
    einer Feuerwehr zur Verfügung stehen. Ein Alarmierungssystem mit
    heuristischen Wahrscheinlichkeiten ist ohne eine permanente
    (monatliche) Bedarfsplanung genau so zuverlässig, wie dass ich zwei
    Samstage hintereinander einen 6er im Lotto habe. Da brauch man sich
    zu keinem Zeitpunkt wundern warum und weshalb, wenn Väterchen
    Zufall die Kameraden alarmiert, die gerade vereist oder im Beruf
    gebunden sind und die anderen Kameraden vor dem TV oder im Bett
    nicht.

  4. Hi, irgendwie sind meine Absätze im ersten Kommentar
    verschwunden Oo Jedenfalls scheint es tatsächlich nurnoch Probleme
    bei der Feuerwehr zu geben!? Bin ich der einzige, der in einer
    Feuerwehr ist, in der es keine großartigen Probleme gibt was
    Tagesverfügbarkeit, Ausbildung und Ausstattung abgelangt? Eine
    Bedarfsplanung und ein Feuerwehrbedarfsplan sind in meinen Augen
    zwei unterschiedliche Dinge. Letzteres setzt Ziele praktisch
    unverrückbar fest. Bei nichteinhaltung drohen im Falle der
    Nichteinhaltung eine Klage, zumindest aber Ärger. Bei ersterem kann
    ich mit einem guten und konstruktiven Verhältnis zu den
    Verantwortlichen auch Kompromisse eingehen. Ihr tut immer so, als
    würdet ihr von der Stadt grundsätzlich verarscht, ausgebeutet und
    übers Ohr gehauen. Da werde ich wohl in Zukunft noch dankbarer
    sein, dass das bei uns keinesfalls so ist.

  5. ein Münchner // 14. Januar 2011 um 18:42 // Antworten

    Der Feuerwehrbedarsplan darf nicht von der eigenen
    Feuerwehr erstellt werden, oder auch nur so getan werden. Hier gibt
    es externe Gutachter, die dies machen. Denn: Das Hauptziel darf
    nicht sein, die eigene Feuerwehr möglichst groß zu erhalten,
    sondern muss lauten: Wie kann ich mit so wenig Steuermitteln wie
    möglich, das gewünschte Schutzziel sicher erreichen. Das kann aber
    nur funktionieren, wenn: 1. Nicht an jeder Milchkanne eine
    Feuerwehr unterhalten wird 2. ich nicht 50 Aktive Wehrmänner für
    ein TSF(-W) ausgebildet, versichert und ausgerüstet werden müssen
    3. Das Feuerwehr-Wettrüsten ein sofortiges Ende hat (siehe z.B. LK
    München) 4. Endlich konsequent die „nächste_Fahrzeug-Strategie“
    umgesetzt wird. Vor allem über Gemeinde- und Kreisgrenzen hinweg.
    5. Die Allmacht der örtlichen Feuerwehrkommandanten zugunsten der
    KBIs/KBRs gebrochen wird 6. Ungeeignete Kameraden aus dem
    Alarmdienst entbunden werden 7. Eine massive Typenreduktion bei den
    Fahrzeugen umgesetzt wird 8. Lieber einen LZ mit 40 fähigen AGTs
    als 10 TSF ohne AS 9. Feuerwehren ohne Atemschutz geschlossen
    werden 10. Realisiert wird, dass die Feuerwehr keine
    Sozialeinrichtung ist, die jeden Hampelmann und Schwachmaat
    aufnehmen muss. Feuerwehren sind Dienstleister!!! 11. Wir alle
    kritikfähiger werden 12. Wenn wir bereit sind, über die Schlachtung
    jeder heiligen Kuh innerhalb der Feuerwehr bereit sind zu
    diskutieren. Dies sind nur ein paar Punkte, die die Feuerwehren
    umsetzen müssen, bevor wir uns über einen Bedarfsplan unterhalten.
    Denn eines muss klar sein: in wenigen Jahren ist es vorbei mit
    jedweder Aufrüstung der Feuerwehren. Denn das Geld wird immer
    weniger.

  6. Bei uns wurde der Brandschutzbedarfsplan gerade von einem
    externen Berater neu überarbeitet. Bisher hat uns ein neuer
    Brandschutzbedarfsplan immer nur Verbesserungen gebracht. So muss
    das Gerätehaus in den nächsten Jahren erweitert werden, weil hinter
    6 Toren mehr als ein Fahrzeug steht. Ausserdem muss ein Parkplatz
    für die Einsatzkräfte ausgewiesen werden, momentan ist zwar ein
    großer öffentlicher Parkplatz vorhanden, dieser ist aber oftmals
    bereits voll. Was mir persönlich bei unserem Brandschutzbedarfsplan
    fehlt ist die eine abstrakte Betrachtung welche Fahrzeugtypen mit
    welchen Aufgaben vorhanden sein sollten. Zum Beispiel: 1 HLF, 1 LF
    Wasserversorgung, 1 Logistikfahrzeug … Momentan hab ich bei den
    Neubeschaffungen immer das Gefühl, dass neue Fahrzeuge immer etwas
    mehr können sollen als die alten. Zum Beispiel TLF 16/25 wird
    ersetzt durch LF 20/24 anstatt sich darüber Gedanken zu machen,
    welche Aufgaben in Zukunft abgedeckt werden müssten und danach
    einen Fahrzeugtyp auszusuchen.

  7. @Alex

    danke für Dein ausführliches Feedback.

    Der Vorteil eines Feuerwehrbedarfsplanes ist, dass er nicht subjektiv sondern objektiv ist. Ihr habt ja schon mal gute Voraussetzungen, so dass der Plan gar nicht so große Veränderungen herbei führt, weil die Ausgangslage scheinbar ganz gut ist. So ein Plan sorgt einfach nur für transparenz und Nachvollziehbarkeit, für Euch als Feuerwehr und für die Gemeinde (als Chef). Die Aussagen „wir bekommen zeitnah unsere Fahrzeuge auch tagsüber besetzt“ ist halt sehr dehnbar. Ist es eine Staffel in fünf Minuten oder eine Gruppe in 8 Minuten? Die Stadt muss schon sagen was sie möchte, dann kann ich als Feuerwehr auch darauf reagieren.

    Zitat: „Bei einem offiziellen Plan müssten wir doch folgerichtig eine DL fordern oder öffentlich
    sagen, dass eine Leute in der Stadt einfach Pech haben.“

    Zuerst geht es mir beim Bedarfsplan um die Planung für die eigene Feuerwehr. Aber natürlich sollte auch die Gemeinde wissen was Sache ist, da sie dafür Verantwortlich ist. Wenn ich als Feuerwehr wissentlich verschweige, dass ich bestimmte Anforderungen nicht erfüllen kann, möchte ich nicht in der Haut des Wehrleiters stecken. Warum zieht er sich freiwilligen den Schuh an für den er gar nicht verantwortlich sein muss? Außerdem gehe ich davon aus, dass die Gemeinde dankbar ist wenn ich ihr nachvollziehbar Aufzeige wo es Probleme gibt und wie man sie lösen könnte. Genau dafür habe ich einen Feuerwehrkommandanten als Bürgermeister.

    Schöne Grüße

    Florian

  8. @einMünchner

    Die Frage ist für was und wen ist der Feuerwehrbedarfsplan. In erster Linie ist so ein Plan für die Feuerwehr selbst. Es ist das wichtigste Instrument um mir selbst vor Augen zu führen ob ich die vorgegebenen Ziele überhaupt erreiche, wie ich dagegen steuer wenn es nicht so ist und um grundsätzliche andere strategische Themen (Fahrzeugkonzept, etc.). Als Abfallprodukt kann die Gemeinde diesen Plan dann auch nutzen. Wenn sie dem aber misstraut, bzw. davon auszugehen ist, dass der Feuerwehrbedarfsplan gehübscht ist, muss man wie von Dir vorgeschlagen, einen externen Gutachter hinzuziehen. Ich gehe aber davon aus, dass viele Feuerwehren einen nachvollziehbaren und begründeten Plan aufstellen.

    Zu den anderen von Dir aufgezählten Punkte sehe ich es teil, teils. Sicherlich wird aber einiges in den nächsten Jahrzehten automatisch bereinigt.

    Beste Grüße

    Florian

  9. @Solgull

    Ein schönes Beispiel, wie ein Feuerwehrbedarfsplan nicht nur böse, sondern auch ein Vorteil für die Feuerwehr sein kann. Daher noch mal zur Verdeutlichung. Ein Feuerwehrbedarfsplan macht erst mal nicht mehr und nicht weniger wie die Realität aufzuzeigen und Lösungsansätze darzustellen. Natürlich kann man jetzt unterschiedlicher Meinung sein, wie die Lösungen aussehen, aber an den nachvollziehbaren Zahlen wie Ausrückezeit oder Ausrückestärke kann man halt ncht viel rütteln, außer man bescheisst.

    Schöne Grüße

    Florian

  10. Ein Feuerwehrbedarfsplan ist nicht rechtlich bindenden, wie
    es so viele hier schrieben. Rechtlich bindend sind alleine die
    Landesrechtlichen Vorgaben. Und natürlich kann ich den
    Feuerwehrbedarsplan auch selber erstellen. Denn er wird nicht
    einfach erstellt, wie man lustig ist, sondern nach festen Faktoren,
    an denen ich als Feuerwehr nichts ändern kann.( Anfahrtszeit,
    Risikofaktoren der Bebauung und Unternehmen, Einsatzzahlen und
    Arten) Bei uns hat der Landkreis vor 3 Jahren angeordnet, das jede
    Kommune einen erstellen soll. Letztes Jahr war dann Vorstellung in
    den Ausschüssen. Was ist rausgekommen, es bleibt alles beim alten,
    weil wir 1. gut aufgestellt sind und 2. den Tanker, den es noch
    hätte geben sollen nach Plan, von den anderen Ortswehren in
    ausreichendem Zeitraum entsendet werden kann.

  11. hi,
    @Jan: Schön, dass alles beim Alten geblieben ist. Das Geld für den Plan hättet ihr aber auch in bessere Ausrüstung/Ausbildung investieren können.

    Naja, wir sehen es eben so, dass es momentan keine Gründe gibt, an der Strategie bei uns zu zweifeln und sowohl die Einsatzdaten als auch der enge Kontakt zu Stadt und Nachbarwehren bestätigt uns darin.

    Was die Eintreffzeiten, Mannschaftsstärke und Hilfsfristen angeht, ist der BSBP sowieso nicht repräsentativ, da sich das nach Uhrzeit und Wochentag ändert. Behält man das im Blick, hat man wesentlich mehr gewonnen, wie mit so einem BSBP.

    @Florian: 2 Gruppen in 5-8 min.

    Ich möchte hier vielleicht nochmal festhalten: Wir verzichten bewusst solange wie möglich auf einen BSBP, da es bei uns nicht nur sehr gut läuft und wie glauben, dass das Geld anders besser aufgehoben ist. Außerdem werden gerade Zahlen wie Ausrückezeiten, Stärke, Eintreffzeiten und mehr von uns ständig im Auge behalten.

    Nunja, ich könnte mir vorstellen, es gibt schon Probleme, wenn ein paar dutzend Häuser nicht in der Frist mit einer DL erreicht werden können und es bei einem Einsatz dann nicht reicht und das ein jahr vorher im Plan festgestellt wurde. Jedenfalls haben wir in diesen Bereichen praktisch keine Bebauung, die nicht mit der Schiebleiter abgedeckt werden könnte.

    Ich denke, mit einem BSBP könnten wir nur verlieren (nicht nur die FW sondern auch die Bürger), dann ich denke, wir sind über das erforderliche Mindestmaß ausgestattet. Im direkten vergleich der Mannschaftsstruktur mit einer etwas größeren FW mit BSBP, haben wir viel zu viele Maschinisten und GF, ja, wir düften ja nichtmal Zuschüsse für LKW-Führerscheine zahlen, weil wir so viele haben.. Und das mein ich jetzt ernst. Wir haben schon 2 mal im Monat Sonderübungen, weil in meinem Zug fast jeder 2. Maschinist ist und so jeder 1mal im Jahr nach Plan bei einer Übung Maschinist ist.
    Die Stadt weiss das alles und ist bereit, für die Ausbildung und Ausrüstung über das Mindestmaß hinaus auch dafür zu zahlen.
    Solange es beim Alten bleibt, fahren wir sicher sehr gut damit.

  12. @einMünchner

    Zu Deiner Forderung, dass „die Allmacht der örtlichen Feuerwehrkommandanten zugunsten der KBIs/KBRs gebrochen“ werden soll:

    DAS würde in einigen Regionen Bayerns wohl gut funktionieren, in anderen aber zu einer mittleren Katastrophe führen… Nicht immer entsprechen Fach- und Führungskompetenz unbedingt der Anzahl goldener (aber auch silberner) Streifen auf der Uniform.

    Feuerwehr ist primär eine kommunale Aufgabe, und nicht die des Kreises. KBI/KBR haben aber auch heute schon die Möglichkeit, im Rahmen ihrer Rechte und Pflichten entsprechend einzugreifen – nur tuen es scheinbar nur sehr wenige.

    Insofern müsste deine Forderung, ungeeignete Kameraden aus dem Alarmdienst zu entbinden, in gleicher Weise auf allen Ebenen des Feuerwehrwesens gelten.

  13. @Alex:

    Hast du schon mal die Auswertung über die Einsätze eines Brandschutzbedarfsplans gesehen?

    Die Informationen die dort gegeben werden sind eine neutrale Beurteilung über die Qualität der Feuerwehr. Dort wird aufgelistet, welche Bereich zu wieviele Prozent mit welcher Stärke (und welcher Ausbildung der Mannschaft) erreicht wurden. Wenn ich als Feuerwehr gute Arbeit leiste steht das dort und falls nicht ist die Ursache ebenfalls in diesem Bericht enthalten.

    Eine bessere Grundlage für jede Diskussion mit der Stadt kann ich nicht bekommen. Solange das Verhältnis mit der Stadt gut ist, bekomme ich (zumindest hier) auch Zusatzleistung wie zum Beispiel LKW-Führerscheine weiterhin. Denn die Feuerwehr hat bisher gute Arbeit geleistet und die Motivation der Einsatzkräfte soll ja nicht sinken…

  14. ein Münchner // 17. Januar 2011 um 0:49 // Antworten

    @Tom: Selbstverständlich gilt das was ich meine, für ALLE

  15. EIn Bayer im Norden // 19. Januar 2011 um 23:40 // Antworten

    @Alex,

    was machst du denn, wenn ihr jetzt noch ein paar Jahre den Bedarfsplan ignoriert und dann igendwann der clevere Gutachter ermittelt das ihr personell um 20% überbesetz sowie 2 Fahrzeuge zuviel betreibt, diese aber in einer Nachbarwehr fehlen.
    Dann sind die beiden Fahrzeuge weg, so schnell kannst du garnicht gucken und eure Nachbarn freuen sich über zwei neue Fahrzeuge. Die Kameraden die zu viel sind werden wohl nicht entlassen, aber es wird vermutlich für einige Zeit einen Aufnahmestop geben!

    Dann wird sicherlich jemand sagen: Hätten wir uns mal vor 10 Jahren damit beschäftigt, dann hätten wir, anstatt der drei Ersatzbeschaffungen besser ein passendes Fahrzeug beschafft und unser Personal direkt angepasst so das am ende eine Überbesetzung von ca. 5% da wäre.

    Dann hätte der Gutachter vermutlich garnicht gehandelt!

    Nicht alle wollen euch was böses und Veränderungen sind auch nicht immer schlecht, nur weil es nicht mehr so wie früher ist!

  16. Was mir zu dem ganzen Thema aufgefallen ist:

    Kernstück ist ja immer auch die Schutzziel-Festlegung. Da folgen hinsichtlich der Hilfsfrist/Eintreffzeit ziemlich viele dem AGBF-Modell, wonach die Notrufaufnahme nach 3,5min beginnt und 1,5min dauert. Danach folgen 8 Minuten Eintreffzeit für 10 Funktionen und weitere 5 Minuten für die Ergänzungseinheit (Staffel). Erkundungs- und Entwicklungszeit sind 4 Minuten.

    Baden-Württemberg rechnet aber anders: Entdeckungs- und Meldezeit 2min, Gesprächs- und Alarmierungszeit 2min, 10 Minuten für 9 Kräfte und weitere 5 Minuten für die Ergänzungseinheit (Staffel). Erkundungs- und Entwicklungszeit sind 3 Minuten.

    Ich dachte immer, die AGBF-Schutzziel-Definiton wäre mittlerweile eine anerkannte Regel der Technik… Warum macht BaWü das anders? Gibts irgendwo eine Begründung für das Abweichen von der AGBF-Definition? Oder rechnet man sich da was schön?

    Danke ud Gruss
    Tom

  17. Die Brandschutzbedarfsplanung zieht auch die nachbarlichen „Verbündeten“ ein. Es geht also nicht nur um die eigene Feuerwehr, sondern in erster Linie geht es um den verantwortlichen Umgang mit Steuergeldern um einen wirtschaftlichen Brandschutz gewährleisten zu können.

    Ich als Steuerzahler erwarte ein Umdenken bei den Feuerwehren/Feuerwehrlern:
    Wirtschaftliche Effizienz und eine Ausstattung die wirklich für die Aufgaben nötig sind und nicht irgendwelche überzogenen Wünsche für die Millionen von Euros in den Wind geblasen werden, für Feuerwehren, die kaum mehr als fünf Einsätze im Jahr zusammenbringt.

    Immer schön das Verhältnis wahren: Ein Dorf mit 2000 Einwohner braucht kaum (ausnahmen bestätigen die Regel) ein größeres Fahrzeug als ein TSF-W oder LF10 …

    Ich finds tragisch, dass die Politiker noch immer nicht den „Schneid“ haben, die Steuerverschwendungen bei Feuerwehren zu stoppen.

  18. @lui

    sag das mal den Freiwilligen Feuerwehren die die A4 im Raum Dresden bedienen.

    Man wollte vor dem Hochwasser 2002 sämtliche Sirenen abschaffen im Erzgebirge, nur zu dumm das zum Hochwasser, diese das einzige Mittel war um sich zu verständigen. Danach war die Diskussion vom Tisch.

    Aber woran willst du die Größe der Fahrzeuge fest machen. Einwohnerzahl denke ich kontraproduktiv. Du musst sehen wie die regionalen Gegebenheiten sind. Was brauche ich um den Brand zu löschen oder was brauche ich um jemand aus dem Fahrzeug zu schneiden. Welche Zeit habe ich um die betreffende Person zu retten. Es bringt nichts, wenn die große Kreisstadt die entsprechenden Fahrzeuge hat aber 20 km weg ist.

    Steuerverschwendung ist für mich wenn Krankenkassen an der Börse spekulieren und sich sozial Einrichtungen mit Aktien brüsten.

  19. In Argenbühl haben wir einen Bedarfsplan. Der ist mittlerweile 5 Jahre alt. In der ersten Fassung konnten wir zwei Abteilungen vor dem Untergang retten. Jetzt geht es darum, eine weitere Abteilung technisch zu stärken.
    So ein Bedarfsplan ist keine schlechte Sache, denn es gibt auch Landstriche, in denen zu viel Feuerwehr vorhanden ist. Dann muss man drüber nachdenken, wer das noch bezahlen will. Meistens jedoch muss man mit einem Bedarfsplan die Gemeideräte auf den rechten Weg führen, denn Servise und Sicherheit will jeder, nur keiner will das bezahlen.
    Feuerwehr wird sich niemals wirtschaftlich rechnen, es sei denn, man könnte Menschenleben in Euro erfassen….

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