Einsatzstellenorganisation: Führt Ihr schon oder wurschtelt Ihr noch rum?

Bei anspruchsvollen Einsätzen ist es wichtig, möglichst frühzeitig eine Führungsstruktur an der Einsatzstelle aufzubauen. Gerade bei Freiwilligen Feuerwehren ist das aber schwierig, weil nicht immer sofort die notwendigen Kräfte und Führungsfahrzeuge zur Verfügung stehen. Hier ein paar Lösungsvorschläge wie es trotzdem klappen kann.

Berufsfeuerwehren haben bei der Einsatzstellenorganisation durch ihre festen Positionen einen großen Vorteil

Berufsfeuerwehren haben bei der Einsatzstellenorganisation durch ihre festen Positionen einen großen Vorteil

Papier ist geduldig und viele Konzepte werden oftmals als zu theoretisch abgetan. Beispiel gefällig? Unser FwDV 100 die fein säuberlich beschreibt wie Führung im Einsatz funktionieren sollte. Doch gerade bei Freiwilligen Feuerwehren siehts an der Einsatzstelle oftmals anders aus. Nehmen wir mal, an Horst Hansen ist Kommandant der örtlichen Feuerwehr mit vier Fahrzeugen. Wenn sein Melder geht und er am Feuerwehrhaus ist, gibt’s für Horst nur einen Platz. Der ist auf dem ersten LF rechts vorne. Flink streift er sich die gelbe Einsatzleiterweste über und ist an der Einsatzstelle ein Gru-Zu-Einsatzleiter. Also die Verschmelzung von Gruppenführer, Zugführer und gleichzeitig Einsatzleiter. „Respekt Horst“ kann man da nur sagen. Dort wo Berufsfeuerwehren 2x gehobenen Dienst und einmal mittleren Dienst rumspringen lassen, dort wo sich die Autoren der FwDV 100 den Luxus eine Führungsstaffel leisten, da schafft es Horst ganz alleine.

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Die Freiwilligen Feuerwehren haben es nicht einfach

Nun muss man ehrlicherweise sagen, dass es bei einer Freiwilligen Feuerwehr am Anfang des Einsatzes gar nicht so einfach ist, eine saubere Führungsstruktur aufzubauen. Zum einen weil die Einsatzkräfte nicht immer an der Einsatzstelle aufschlagen wie man sie gerade benötigt, zum anderen weil auch nicht immer ausreichend Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Große Berufsfeuerwehren haben hier einen Vorteil: Schon in der Nicht-Einsatz-Phase steht die komplette Einsatzstellenorganisation. Von der Mannschaft über die Gruppen- und Zugführern bis hin zu den Verbandsführern und Einsatzleitern. Im Einsatzfall muss die Organisation lediglich mit bereits festgelegten Fahrzeugen an die Einsatzstelle verfrachtet werden.

Bei kritischen Einsatzlagen ist es kaum möglich mehrere Führungsebenen in einer Person zu vereinen

Bei kritischen Einsatzlagen ist es kaum möglich mehrere Führungsebenen in einer Person zu vereinen

Warum brauch man das überhaupt?

Aber auch wenn es bei Freiwilligen Feuerwehren schwierig ist, mit genügend Disziplin schafft man es, zügig notwendige Führungsstrukturen aufzubauen. Bevor wir die uns aber anschauen noch ein paar Worte warum das so wichtig ist: Steht die Scheune in Flammen oder kommt Oma Müller nicht mehr vom Gassi gehen mit Ihrem Hund im Altenheim an, klappt das mit der Einsatzstellenorganisation meist ganz gut. Warum? Einerseits steht genügend Zeit zur Verfügung um die Führungsstruktur aufzubauen, andererseits kann man ohne Risiko im Bereitstellungsraum noch die Positionen tauschen wie man es braucht. Da werden halt schnell neue Suchtrupps gebildet und hin und her geschoben bis es passt. Bei kritischen Einsätzen hat man diese Zeit aber nicht und ehrlich gesagt auch keinen Kopf nebenbei noch an der Organisation rumzubasteln. Blöderweise sind es aber genau diese brenzligen Einsätze wo die Gefahren sehr hoch sind und ich früh die Aufgaben verteilten muss. Ansonsten fliegt einem der Einsatz um die Ohren. Wenn der Keller im Mehrfamilienhaus brennt, die Leute auf den Balkonen und an den Fenstern stehen, die ersten schon durchs Treppenhaus kommen, dann schafft man es halt als Gru-Zu-Einsatzleiter einfach nicht mehr, das alles sinnvoll abzuarbeiten. Atemschutzüberwachung, Erkundung, Bereitstellungsraum, nachrückende Kräfte, der Angriffstrupp brauch Brechwerkzeug, Nachforderung weiterer Kräfte, der Notarzt möchte wissen wo die Verletztensammelstelle ist, etc.

Um von Anfang an eine Führungsstruktur in der Freiwilligen Feuerwehr aufzubauen gibt es aus meiner Sicht drei Möglichkeiten.

Möglichkeit 1: Die Luxuslösung

Falls Ihr zu einer Freiwilligen Feuerwehr gehört die genügend KdoW oder MZF/MTW hat, Gratulation, dann können die Zugführer bzw. Abschnittsleiter brav selbst an die Einsatzstellen gondeln. Dies dürfte allerding bei vielen Feuerwehren die Ausnahme sein.

Möglichkeit 2: Die Sixpack-Lösung

Eine weitere Möglichkeit: Man packt alle Feuerwehrgurus die höher als ein Gruppenführer sind zu sechst in ein Mehrzweckfahrzeug und fährt damit an die Einsatzstelle. Problem hierbei: Die Führungskräfte kommen erst sehr spät an der Einsatzstelle an und gerade in der heißen Erstphase kann ich keine Führungsstrukturen aufbauen.

Möglichkeit 3: Die „Alle dabei“ Lösung

Dies ist mein favorisierter Weg und funktioniert recht einfach, wenn alle nur etwas Disziplin walten lassen. Das wichtigste ist hier: Jeder nimmt die Führungsebene war, für die er auch ausgebildet ist. Es macht also wenig Sinn wenn der Zugführer vorne rechts im HLF Platz nimmt und die Gruppenführer sich brav hinten reinsetzen. An der Einsatzstelle verbrate ich dann den Zugführer auf Gruppenführerebene und die ausgebildeten Gruppenführer springen als Truppführer irgendwo rum. Für die Ebenen ab Gruppenführer aufwärts fehlt mir dann auch noch das notwendige Führungspersonal. Spontane Lösung in vielen Feuerwehren: Die Gruppenführer mit Zugführerqualifikation nehmen eine gefährliche Zwitterrolle als Gruppen-/Zugführer ein. Die haben dann weiterhin ihre Gruppe an der Backe und müssen sich nebenbei noch um einen Abschnitt kümmern.

Aus dem Grund sollte der Herr Zugführer ruhig den jungen motivierten Gruppenführer rechts vorne sitzen lassen. Der Zugführer setzt sich in den Mannschaftsraum und schwupp, an der Einsatzstelle habe ich eine richtige Führungsstruktur ohne zusätzliche Fahrzeuge oder Organisationsaufwand. Vor Ort steigt der Gruppenführer mit dem Zugführer aus und schon habe ich eine saubere Struktur. Der Gruppenführer bleibt von Anfang bis Ende bei seiner Gruppe und der Zugführer kann in Ruhe seinen Job machen, ohne dass jemand fehlt oder die große Rumorganisiererei anfängt. Kommt das nächste HLF auch wieder mit Gruppenführer und Zugführer, „Bingo“, dann habe ich als Einsatzleiter sogar noch eine Führungsperson in der Hinterhand. Der macht entweder Abschnittsleiter oder leistet als Führungsassistent wertvolle Hilfe. Das kann ich dann solange durchspielen bis meine komplette Einsatzstellenorganisation steht.

Die Ausrüstung nicht vergessen

Um das System noch zu verbessern, macht es Sinn wenn auf dem Erstangriffsfahrzeug auch eine Box mit Führungsutensilien verstaut ist. Darin kann dann Schreibmaterial, Kennzeichnungswesten und 2-Meter Funkgeräte enthalten sein. Aus der bedient man sich dann wenn noch kein Führungsfahrzeug vor Ort ist.

Eigentlich alles ganz einfach, wenn sich jeder an die Führungsebenen hält und der Platz vorne rechts nicht als Profilierungsmittel sondern als stinknormaler Platz in einer Führungsorganisation angesehen wird. Ich bin mir sicher, dass mit der „Alle dabei“ Lösung brenzlige Einsätze viel strukturierter und besser ablaufen, als wenn man anfängt während des Einsatzes die Führungspositionen durchzutauschen oder versucht Aufgaben von verschiedenen Ebenen in einer Person zu vereinen.

Und nun zu Euch? Wie ist Deine Erfahrung mit der Führungsstruktur an der Einsatzstelle, klappt es da?

18 Kommentare zu Einsatzstellenorganisation: Führt Ihr schon oder wurschtelt Ihr noch rum?

  1. Des isch ja ganz lässig mit dem Zugführer in der Mannschaftskabine…Und wenn i a Gruppenkabine hab a durchführbar, aber bei einer Staffelbesatzung hat man hald den Platz einfach nit dafür…

    • Hallo Manduel,

      das kann auch funktionieren. Das Staffelfahrzeug kommt an und hat erst mal einen Staffelführer. Wenn dann das nächste Fahrzeug kommt sollte hier halt ein Zugführer drauf sein, der kann dann den Job an der Einsatzstelle übernehmen.

      Schöne Grüße

      Florian

  2. Bei kleineren Einsätzen hat bei uns normalerweis der Gruppenführer vom HLF (Meistens Kleinbrände und kleinere THL z.B. Ölspur) die Einsatzleitung. Bei größeren Schadenslagen haben wir eigentlich den vorteil das wir relativ viele Zugführer haben bzw recht erfahrene Gruppenführer denn man auch mal einen Abschnitsleitung machen lassen kann. Der Zugführer (Einsatzleiter da nur 1 Zug auf der Wache) Fährt eigentlich immer mit dem MTW (weil dort die Einsatztleitunterlagen verlastet sind) vorraus und hat gegebenenfals auch einen weiteren Mann mit dabei der ihn unterstützt (Lagemeldungen an ILS, Funküberwachung, Fahrer, meist Erfahrene Kameraden)

  3. Hallo zusammen,

    genau hierzu hat sich die Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg Gedanken gemacht und ein Hinweis mit dem Titel „Führungsorganisation im Einsatz bei einer Freiwilligen Feuerwehr“ veröffentlicht.

    Falls nicht schon bekannt, können die Hinweise auf der Homepage heruntergeladen werden. Unter Fachthemen/Einsatztaktik/-führung/Sonstiges.

    Die Regelung, die die Ausarbeitung vorschlägt passt meiner Ansicht genau zu dem von dir beschriebenen Problem.

    Hoffe ich konnte weiterhelfen,

    Gruß Florian Hohl

  4. Finde die Darstellung gut.
    Kann man eine Vorlage davon irgendwo beziehen?

  5. Theoretisch finde ich die „alle dabei“ sehr gut, aber in der Praxis habe ich (für die Freiwillige Feuerwehr auf dem Land) folgende Erfahrung gemacht:
    1. Man weiß nie wer kommt. Also kann man auch nie sagen, ob man genug Führungspersonal hat. Manchmal muss man ja schon froh sein eine Führungskraft bei Abfahrt im Auto sitzen zu haben.
    2. Alle Sitzplätze in einem Gruppen/Staffelfahrzeug sind bereits verteilt. Also müsste ich auf ein Mannschaftmitglied verzichten (Wen?)
    3. Viele Einsätze sind so kurz, dass sich gar keine (richtig, geplante, …) Führungsstruktur aufbaut. Wenn dann ein Einsatz doch länger dauert, dann ist ja die Sixpack-Lösung prima. Aber dann habe ich immer noch die Phase vor dem Eintreffen der Führung. Was tue ich in dieser Zeit? Rumstehen und warten bis alles so ist wie in der FwdV 100?
    4. Bei uns ist nicht das LF20 das erste Fahrzeug, sondern ein TSF-W und das zweite und dritte in der Regel auch. Selbst wenn dann ein LF kommt müssten dort (fast) alle Plätze mit Führungspersonal besetzt sein.

    grüße

    Jan

  6. Bei uns fährt ein Gruppenführer vorne rechts auf dem LF20/16 mit und der Zugführer sitzt auf dem Melderplatz.
    Wir arbeiten dann als Gruppe ohne Melder haben dafür aber einen Gruppenführer und Zugführer für Erkundung…. gleich vor Ort.

    Nachfolgende Kräfte kommen mit dem MZF nach.

  7. Ein Problem, dass ich in meiner Wehr sehe ist, dass die Führungsstruktur nicht ausreichend klar abgebildet wird. Sprich bis auf den Einsatzleiter hat jede Führungskraft auch nur genau eine übergeordnete Führungskraft. (Und sie weiß auch zu jedem Zeitpunkt welche das ist.)
    Dies liegt zum Teil an dem Luxusproblem, von sehr vielen Führungskräften zu einem sehr frühen Zeitpunkt. Dadurch erfolgt die Übergabe der entsprechenden Führungsgrade nicht schnell oder nicht klar genug.

    Echte Probleme entstehen daraus selten, es wird allerdings oft künstlich die Chaosphase verlängert, weil Informationen nicht schnell genug fließen können.
    Auch gestaltet sich in dem Umfeld eine Abschnittsbildung mit Kanaltrennung zumindest schwierig, weil die entsprechenden Führungsgrade zu spät die Notwendigkeit erkennen.

  8. Die „alle dabei“ Lösung finde ich persönlich auch sehr gut! Nicht einfach umsetztbar ist diese allerdings auf dem Land, wo oftmals als Hauptfahrzeuge noch das gute alte TSF existiert. Dort kann man nicht sofort eine Position (den Melder) relativ problemlos streichen. Klar, es geht auch ohne. Schwer auch, weil zumindest bei uns ausgebildete Führungskräfte führen, den ZF-Lehrgang kriegen hier fast nur die Ortsbrandmeister plus eventuell 4 weitere Kameraden für die ganze Samtgemeinde.
    Wir benutzen daher ein etwas anderes Konzept. Einsatzleiter ist bei den meisten Einsätzen, die länger als 1h dauern der Gemeindebrandmeister oder sein Stellvertreter, die auch die entsprechenden Qualifikationen besitzen. Diese sind meist gut verfügbar und haben einen mit SoSi und Funk aufgerüsteten Privat-Pkw, der quasi als Ersatz-KdoW genutzt wird.
    Damit die an der Einsatzstelle nicht alleine stehen hat unsere Samtgemeinde tatsächlich eine Führungsstaffel eingerichtet, fast ganz wie in der FwDV 100 vorgesehen 🙂 Diese besteht aus mittlerweile drei Gruppenführern und derzeit 8 weiteren Mitgliedern als Führungshilfspersonal, alle 11 aus verschiedenen Ortswehren, was das Ganze entlastet, weil es schon etwas doll was los sein muss, bis alle diese Ortswehren im Einsatz sind.
    Diese Führungsstaffel (nennt sich bei uns Örtliche Einsatzleitung ÖEL, aber nicht zu verwechseln mit der ÖEL in Bayern 😀 🙂 wird bei Allen Einsätzen, bei denen mindestens zwei Ortsfeuerwehren eingesetzt werden, bei uns also ab dem Stichwort F2 (Mittelbrand). Bei THL-Einsätzen ist der Einsatz der Führungsstaffel dann eher bei Stichworten in Richtung Gefahrgut oder MANV vorgesehen, bei einem „normalen“ VU mit eingeklemmter Person (bei der mindestens zwei, meist drei Ortswehren anfahren) werden wir nicht alarmiert.
    Dieses System hat sich in den letzten Jahren sehr gut bewährt, setzt aber eine Gruppe von leidlich motivierten Feuerwehrmitgliedern vorraus, die bereit ist Einiges an Energie in dieses System zu stecken.
    Liebe Grüße aus Niedersachsen!

  9. Hallo,
    die „alle mit“ Empfehlung klingt gut nur oft rückt man Tagsüber in nem Lf 20 mit ner Staffel aus um die Hilfsfrist einzuhalten man kann ja nich immer warten bis alle da sind. In meiner Wehr sieht es so aus : Das erste Auto fährt an der Gf hatt dann erst mal die Einsatzleitung was in dem Moment auch kein Problem ist er hat ja nur diese eine Gruppe.Das zweite Fahrzeug kommt da ist meistens einer vom Komando dabei so baut sich das auf war bisher keun Thema

  10. Die “Alle dabei” Lösung finde ich Persönlich gut.
    Bei uns wird das aber ein bisschen anders gehandhabt.
    Ich komme von einer Ortsteilfeuerwehr und dort ist es so.
    Unser Wehrführer/Gruppenführer/Zugführer ist beim Einsatz der Einsatzleiter, so lange bis der SBI da ist. Die nun noch dazukommenden Ortsteile und ihre Wehrführe/Gruppenführer/ Zugführer bilden dann die Abschnittsleiter und die Stellvertretenden Wehführer dann noch untergeordnete Abschnittsleiter.
    Das Funktioniert sehr gut, da wir fast nur Staffelfahrzeuge in den Ortsteilen haben und in der Kernstadt hat fast jedes Fahrzeug dann einen Gruppenführer.

  11. spannend… Es scheint mir sehr viel auf die Führungsstruktur gesetzt zu werden. Ich kann nur aus eigener Erfahrung aus 3 Feuerwehren der Grössenordnung 50-90 Angehörige erzählen:

    Bei der ersten wurde über das Lokal ausgeürckt. Es wurde darauf geschaut, dass im ersten Fahrzeug nach möglichkeit ein Offizier oder ein Unteroffizier (Gruppenführer) mitfährt. Und danach wurde auf gleichmässige Verteilung Kader/Mannschaft für das weitere Ausrücken geachtet. Je nach Lage wurde das vor Ort durch den Zentralist (erst erfahrenerer Feuerwehrmann, wurde sobald als möglich durch Off abgelöst.) Bei den anderen beiden Wehren wurde (ausser die Fahrer) direkt auf den Schadenplatz gefahren. Ab da wurde die Führung folgendermassen aufgebaut:

    Der erste anwesende Offizier ist der Einsatzleiter über das ganze Ereignis hin. Bis zum Eintreffen eines Off. wird diese Funktion von einem Gruppenführer wahrgenommen (Erkundung, Einleiten SoMa, Rettungen…) Gewisse Spezialisten (ab Stufe Soldat natürlich, Spezialist ist Spezialist) begannen selbständig ihre Aufgaben wahrzunehmen. Sanität (Einrichten Verwundetennest), Elektriker (Spannungsfreischalten), Verkehr (Absicherung, Einweisung einrückende Kräfte und Einsatzfahrzeuge und Einrichten Umleitung), Maschinisten (Inbetriebnahme TLF), Atemschutz (Ausrüsten, Melden bei EL)… Anrückendes Kader meldet sich beim EL und holt sich da entweder eine Funktion (Off Rettung, Off Front (Löschdienst) oder einen Auftrag (UOf, z.B. Leiterstellung, Rettung, Einsatz TLF, Erstellen von Leitungen, Löschdienst etc.) entgegen. Chargierte (die UOf, Off) bedienen sich beim Sammelplatz an Personal und kommandieren den Auftrag. Kann der Auftrag von den Soldaten selbständig erledigt werden, kehren da nicht mehr benötigte Soldaten an den Sammelplatz zurück und die Chargierten geben Rückmeldung beim Befehlausgebenden.

    Dieses Modell verlangt von allen Beteiligten eine breite Ausbildung und hohe Flexibilität. Eine Bereitschaft und der Wille, auch mal zu Entscheiden ohne Befehl ist unabdingbar. Es bietet aber einen wohl bestmöglichen Einsatz der Ressourcen.

  12. @Norbert in welchem Land machst Du Brandschutzdienst? Ich kenne so Begrifflichkeiten wie Unteroffizier oder überhaupt Offizier nicht aus einer öffentlichen und freiwilligen Feuerwehr…

  13. @Feuermax: vermutlich kommt Norbert aus der Schweiz.

  14. @ norbert deine Ausführungen sind richtig, aber nur in der Schweiz. Das System in DE ist vom Grund her anders aufgebaut. Bei uns funktioniert es auch ganz gut, dank SER und Pikett-Of. Du übersiehst aber das, im Gegenteil zu DE, hier das Ersteinsatzelement zum grösstenteil aus Of besteht, was in DE nicht der Fall ist. In der CH gibt es keine HLF, nur TLF mit Trupp oder Staffelbesatzung und keine festen Funktionseinteilungen.

  15. ah genau, hab vergessen das Land zu nennen. CH ist korrekt. Ich finde es äusserst interessant, obwohl Deutschland keine 20 minuten von mir zuhause weg ist und ich gar an der grenze arbeite, eine völlig andere Organisation herrscht. Mit grossem Interesse lese ich auch regelmässig das Feuerwehrmagazin, doch irgendwie fehlt mir so rein von der Lektüre (auch der Dienstvorschrift und so) der Durchblick im deutschen System. Aber das kommt bestimmt noch.

    Zu den Bezeichnungen UNteroffizier und Offizier hier in de Schweiz vielleicht ein kurzer Überblick über die Karrieremöglichkeiten und die Funktionsbezeichnungen: Nach einem 2-tägigen EInführungskurs für neueingeteilte Feuerwehrleute ist man Soldat. Noch ohne SPezialistenausbildung. Die Eeiterausbildung geschieht im Rahmen der Übungen (8-10, je nach Wehr). Es gibt Feuerwehren mit Pikettstrukturen (abhängig vom Ereignis wird nur das Kader, eine Spezialistengruppe, das Pikett oder die Gesamtwehr aufgeboten. Mittels Fachkursen kann sich ein Soldat zum Spezialisten ausbilden lassen. Atemschutz, Maschinist (+Fahrer), Sanität, Elektro, … Mehrfachausbildungen sind natürlich möglich. Für den Einsatz hat jeder eine bestimmte Prioritätenreihenfolge. Z.B. hat bei einem Brandfall die Spezialistenfunktion Atemschutz Priorität vor dem Sanitätsdienst.
    Soldaten mit besonders vorbildlichem Einsatz, Verhalten oder ausgewiesenere Erfahrung können zum Gefreiten befördert werden. Für die Atemschutzleute gibt es noch die Möglichkeit, den Truppführerkurs zu besuchen (glaub 2 Tage…)

    Wem das zu langweilig ist, macht einen einwöchigen Gruppenführerkurs. Danach ist man bei Erfolg Unteroffizier. Der Gruppenführer ist einerseits bei den Übungen der Ausbildner und im Einsatz leitet er die Aufträge, welche er von der Einsatzleitung erhält. Gewisse Aufträge können an Soldaten zur selbständigen Erledigung übergeben werden (AS-Trupp, Rohrführer, die normalen Spezialistenfunktionen…) und gewisse erfordern zwingend eine Leitung durch mindestens einen Gruppenführer. (Z. B. Leiter für Rettung stellen und Rettung ausführen.)

    nach zwei Jahren Erfahrung sammeln als Gruppenführer kann der einwöchige Offizierskurs besucht werden. Da stehen eher taktische Sachen auf dem Lernprogramm. Danach ist man in der Lage, die Stelle des Einsatzleiters zu übernehmen oder die zugeweisenen Bereiche (Chef Rettung (Befehlen aller Rettungen, San.D.), Off Front (Halten, Löschen)… innezuhaben.

    Ich hoffe, dass ich euch das unsrige System ein wenig näher gebracht hab mit den erklärungen.

  16. @Norbert: wir arbeiten i.d.R. mit Gruppen (bestehen aus drei Trupps mit je einem Truppmann und -führer, sowie Melder und Maschinist). Als Gruppenführer. (GF) gebe ich einem oder mehreren Trupps Aufgaben (z.B. Angriffstrupp mit erstem C-Rohr unter Atemschutz zur Brandbekämpfung über das Treppenhaus ins dritte Obergeschoss vor), die vom Trupp abgearbeitet werden. Danach melden sich die Trupps wieder frei. Im Trupp hat der Truppführer das Sagen und handelt/entscheidet im Rahmen seines Auftrags mehr oder weniger selbstständig.

    Grundausbildung ist die zweiteilige Truppmannausbildung, danach sollte der FM den Atemschutzgeräteträger- und Funklehrgang besuchen, damit er in allen Trupps bzw. als Melder eingesetzt werden kann. Melder ist der Joker des GF, der die anderen Trupps oder den Maschinisten unterstützt oder dem GF beim Erkunden hilft.

    Bei weitergehenden Interesse empfehle ich Dir die FwDV 2
    http://www.idf.nrw.de/projekte/pg_fwdv/pdf/fwdv_2_stand_01_2012.pdf

    Beachte: Durch den deutschen Förderalismus gibt teilweise in jedem Bundesland Unterschiede.

  17. Dennis Mangold // 18. März 2015 um 9:40 // Antworten

    Danke für den Artikel. Ich habe bei einer großen Feuerwehr gelernt, die Wert auf gute Strukturen legte. Nun bin ich in einem Kreis gelandet, der das (noch) nicht so wichtig findet. Was mich früher an Zuviel belastet hat, vermisse ich jetzt oft schmerzlich. Eine gute Struktur gibt Freiraum (zum Denken und Handeln).
    Nun haben ja schon einige auf gewisse Schwierigkeiten bei freiwilligen Feuerwehren hingewiesen, die wichtigste sicher, dass man nicht weiß, wer kommt. Die meisten freiwilligen Feuerwehren können außerdem i.d.R. einen Einsatz mit einem oder zwei Fahrzeugen abarbeiten und brauchen keine Führungsgruppe.
    Mich stört an der Grafik vor allem das zweite Bild auf der rechten Seite. Es macht keinen Sinn, dass ein Abschnittsleiter einen Gruppenführer führt und der andere Gruppenführer direkt dem Einsatzleiter untersteht. Das widerspricht übrigens auch der ausgezeichneten, von Florian Hohl schon weiter oben empfohlenen, Lernunterlage der LFS Baden-Württemberg (dort S.5).
    Außerdem möchte ich als Gruppenführer zunächst einmal nicht auf meinen Melder verzichten. „Der Melder ist nicht der Dümmste“, hat mein Ausbilder immer gesagt. Wozu man den alles brauchen kann…
    Auch die LFS Ba-Wü EMPFIEHLT (die FwDV 3 sieht das ja nicht vor), dass sich ein Zugführer auf den Melderplatz setzt, damit er BEI BEDARF leichter herausgelöst werden kann als an einer anderen Stelle.
    Das verlangt aber von den Führungskräften eine Wahnsinns-Disziplin, die meiner Beobachtung nach in den meisten freiwilligen Organisationen nicht aufgebracht werden kann: Führungskräfte werden ja oft jene, welche – z.B. weil sie in der Nähe des Feuerwehrhauses wohnen oder arbeiten – sehr oft zu Einsätzen kommen (können) und deshalb auch Erfahrungen sammeln (können). Aufgrund dieser Erfahrungen und der Verfügbarkeit werden sie dann konsequenterweise oft auf Lehrgänge geschickt. Und wer es gewohnt ist (und sein Leben vielleicht auch ein bisschen danach ausrichtet), immer an vorderster Front „zu kämpfen“, der wird nicht so leicht ins dritte Glied zurücktreten.
    Als Zugführer sagen zu können: „OK, ich setze mich auf den Melderplatz“, sich dann auch dem (vielleicht jüngeren) Gruppenführer unterordnen zu können, das braucht menschliche Größe und Disziplin. Die sehe ich nicht flächendeckend.
    Dennoch bin ich dankbar für den Artikel, der das Thema der Führungsstrukturen mal wieder ins Bewusstsein rückt!

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