Atemschutzunfaelle.eu live in Untergrombach

Das Team von atemschutzunfaelle.eu hat in Untergrombach zum dritten Mal einen Kongress rund ums Thema Atemschutz durchgeführ. Ob das Thema Notfalltraining, persönliche Erfahrungen aus Atemschutzunfällen oder rechtlichen Hintergrund, für jeden war etwas dabei.

Der Gründer von atemschutzunfaelle.eu: Björn Lüssenheide

Der Gründer von atemschutzunfaelle.eu: Björn Lüssenheide

Untergrombach, Untergrombach? Alle die jetzt ins Grübeln kommen und denken „Mensch der Ort sagt mir doch etwas“, genauso so ging es mir auch :-). Und diejenigen die sich für Atemschutzunfälle interessieren ist dieser Stadtteil von Bruchsal seit 2002 auch ein Begriff, denn in diesem Jahr gab es dort einen schweren Atemschutzunfall. Das war auch der Grund warum das Team von Atemschutzunfälle.eu sich entschieden hat, für die diesjährige Veranstaltung nach Baden-Württemberg zu gehen.

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Wie bei anderen Veranstaltungen möchte ich Euch jetzt wieder meine Highlights vorstellen. Wer sich über alle Vorträge informieren möchte, findet eine gute Zusammenfassung bei atemschutzunfaelle.eu.

Rauchgasexplosion in Untergrombach

Bericht über den Atemschutzunfall von Untergrombach im Jahre 2002

Bericht über den Atemschutzunfall von Untergrombach im Jahre 2002

Es war für mich zum ersten Mal, das direkt Beteiligte von einer Durchzündung erzählen bei der Feuerwehrleute zu Schaden kommen, insofern war es natürlich sehr interessant die Eindrücke zu hören. Jürgen Riehl und Thomas Zöller sind beide bei der Freiwilligen Feuerwehr Bruchsal-Untergrombach und waren beim damaligen Einsatz die Gruppenführer auf dem ersten und zweiten Fahrzeug. Beim Eintreffen an der Einsatzstelle gab es in einem Wohnhaus eine Rauchentwicklung mit gräulichem Rauch, auf der Rückseite befanden sich zwei Personen auf dem Dach. Daraufhin wurde einerseits ein Innenangriff begonnen und mit einer tragbaren Leiter die Person gerettet. Kurz darauf gab es eine Rauchgasexplosion bei der ein Feuerwehrmann ohne Überhose im Innenangriff, schwere Verbrennungen an den Beinen erlitt. Diese Explosion erfolgte ohne Vorwarnung und beschädigte auch das Wohnghaus massiv. Das Dach wurde teilweise abgedeckt, Wände umgedrückt und die Glasfront samt Rahmen vom Gebäude weggerissen. Wenn man die Bilder sieht wird einem wiedermal bewusst, wie schnell aus so einem Standardeinsatz eine lebensgefährliche Situation für die Trupps im Innenangriff werden kann.

Das Geschehene kann man nicht Rückgängig machen und so haben sich die Untergrombacher Kollegen Gedanken gemacht was man für die Zukunft ändern kann. Einerseits wurde der Einsatz intensiv aufgearbeitet und auch andere Atemschutzunfälle betrachtet. Bei der Analyse von fremden Unfällen viel auf, das oftmals organisatorisches und persönliches Fehlverhalten Grund für den kritischen Verlauf des Einsatzes war. Und so haben die Untergrombacher sich stark eingesetzt um etwas zu ändern. Über 70 Vorträge wurden bezüglich des eigenen Atemschutzunfalls  gehalten und diverse Veröffentlichungen geschrieben. Darüber hinaus wurde das interne Ausbildungskonzept für Atemschutzgeräteträger weiter ausgebaut und verbessert.

Atemschutz-Notfalltraining in Hamburg

Vorstellung des Atemschutznotfallkonzepts in Hamburg mit ca. 3.000 Geräteträgern

Vorstellung des Atemschutznotfallkonzepts in Hamburg mit ca. 3.000 Geräteträgern

Dann stellten Lars Lorenzen und Lars Seeger von der Berufsfeuerwehr Hamburg ihr Atemschutz-Notfallkonzept vor. Ein Thema das mir sehr am Herzen liegt, da es aus meiner Sicht leider immer noch zu einem Themenbereich gehört, der von Atemschutzgeräteträgern wie auch von Führungskräften massiv unterschätzt wird. Und so gab es von Lars & Lars gleich mal einen guten Einstieg, indem sie einen Film von einer Atemschutzübung zeigten in der ein Notfall simuliert wurde. Es kam wie es kommen musste, das Ganze ging mächtig in die Hose. Für die Rettung der Geräteträger benötigten die Sicherungstrupps unendlich viel Zeit (bis irgendwann abgebrochen wurde) und die Retter hätten aufgrund Luftmangels die ganze Aktion auch kaum überlebt. In diesem Zusammenhang kann ich jedem nur empfehlen so etwas auch mal in der eigenen Wehr unter Nullsicht durchzuführen. Ohne Notfallkonzept wird man da grandios scheitern, was ich selbst schon öfters erleben durfte. Die Notfalltests in Hamburg, bei denen auch die Aufnahmen entstanden, waren der Auslöser ein Atemschutznotfallkonzept für die  ca. 3.000 Hamburger Geräteträger einzuführen und so Schritt für Schritt die Sicherheit der vorgehenden Trupps zu verbessern. Über Multiplikatorenschulungen wurden die Atemschutzgeräteträger ausgebildet. Hier war interessant, dass auch die Eigenrettung eine wichtige Rolle spielt und bei einem AGT-Notfall massiv zusätzlich Einheiten nachalarmiert werden (A-Dienst, B-Dienst, 1 Löschzug, WLF mit AB-Atemschutz, 2 RTW, 1 NEF, Pressestelle, Seelsorge).

Atemschutzüberwachung

Ingo zeigt auf, was man bei der Atemschutzüberwachung beachten sollte

Ingo zeigt auf, was man bei der Atemschutzüberwachung beachten sollte

Ingo Horn präsentierte welche problematische Entwicklung die Atemschutzüberwachung bei der Feuerwehr nehmen kann. Hochtechnisierte Überwachungstafeln, Überwachungsformulare gegen die eine Steuererklärung einfach aussieht und komplexe Atemschutzüberwachungsstrukturen. Für eine gute funktionierende Atemschutzüberwachung braucht man aber gar nicht so viel. Zuerst mal einen Verantwortlichen, was in der Regel der Gruppenführer ist. Und auch wenn er sich hierfür ein Helferlein sucht, er ist grundsätzlich für die Atemschutzüberwachung verantwortlich. Nachdem diese Verantwortung nochmal ins Gedächtnis gerufen wurde, zeigte Ingo welche Auswüchse an Überwachungsformularen es gibt. Das von Ingo bemängelte Überwachungsformular (hier zu finden, Seite 17) fand ich im Nachhinein aber gar nicht so schlecht. Auf der ersten Blick ist es zwar wirklich unübersichtlich,  lässt man aber den rechten Bereich gedanklich weg bei  dem es ausschließlich um den Atemschutznachweis geht, ist es im Endeffekt das Standardformular wie man es von vielen Vorlagen kennt. Dann ging Ingo noch auf  Technik der Überwachungstafeln ein, denn auch hier sollte man auf etwas zurückgreifen was einfach funktioniert und auch einfach zu bedienen ist. Nachts um drei, wenn man vier Monate keine Überwachungstafel mehr in der Hand hatte, sollte das dann nämlich auch noch klappen.

Was war sonst noch?

Neben den drei ausführlich vorgestellten Präsentationen  gab es noch weitere Vorträge. So referierte Adrian Ridder über rechtliche Grundlagen in der Feuerwehr und Dietmar Kuhn berichtete über die Realbrandausbildung in Luxemburg. Daneben gab es noch eine Fachausstellung auf der Unternehmen und Vereinigungen wie Dräger, Ecomed oder @fire sich und ihre Produkte vorstellen. Alles in allem war das eine sehr gelungene Veranstaltung die mich wieder mit vielen neuen Wissen und Ideen nach Haus fahren lässt. An dieser Stelle auch vielen Dank an Björn Lüssenheide von atemschutzunfaelle.eu für die Einladung zu dieser Veranstaltung.

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