Kamineffekt auf der Hütte

Die letzten Tage war ich auf einer Hütte in Österreich. Keine Feuerwehr, kein Internet nur Natur. Nun, so ganz wollte mich die Feuerwehr nicht loslassen, denn der Holzofen hat mich dann doch fasziniert und ich habe in mir etwas genauer angeschaut. Die Technik war simpel aber verdammt effizient und hat doch sehr deutlich die Gewalt des Feuers gezeigt wenn bestimmte Einflussfaktoren zusammen kommen.

Bevor ihr meine Interpretation des beobachteten Effekts lest noch ein Hinweis. Ich habe versucht das was ich im Ofen beobachtet habe einfach mal nachzulesen und kurz zusammen zu fassen. Recht schnell habe ich allerdings gemerkt, dass dies eine extrem komplexe Materie ist. Ich bin mir daher nicht sicher ob alles was hier geschrieben ist auch von mir so richtig verstanden worden ist. Neben den Kamineffekt werden nämlich auch andere Phänomäne wie Flash-Over, Feuersturm, Graben Effekt und Coanda-Effekt genannt die Einfluss nehmen. Jeder der das hier liest und Fehler entdeckt oder Phänomene besser versteht, kann gerne einen Kommentar hinterlassen.

Kamineffekt was ist das?

Schauen wir uns erst Mal den Kamineffekt genauer an, denn eigentlich ist das ein oft gewünschtes Verhalten. Warme Luft steigt nach oben und saugt durch den Unterdruck kalte Luft nach. Dies führt dazu, dass ein Kamin auch so funktioniert wie er funktionieren soll. Er bringt die Rauchgase aus dem Ofen über den Kamin aus dem Gebäude. Wenn das nicht funkionieren würde, säßen alle Kaminbesitzer in einem Zimmer voller Rauch was die Freude (und wohl auch die Lebenserwartung) massiv reduzieren würde. Welche Faktoren begünstigen nun den Kamineffekt? Zum einen ist das die Temperatur zum anderen ist es die Höhe des Kamins. Je größer die Temperatur ist und je höher der Kamin, desto intensiver ist die Verbrennung was letztendlich den Kamineffekt weiter verstärkt.

Wie man früher diesen Effekt nutzte

Anfang des Jahrhunderts gabs noch keine schicken Induktionsherde oder programmierbare Backöfen, sondern man hatte lediglich einen Holzherd im Zimmer. Durch geschicktes Anordnen der Bauteile schafften es damals die Leute diesen Kamineffekt für die komplette Herdplatte und den Backofen zu nutzen. Wenn Ihr Euch mal den Herd der Hütte auf dem unten genannten Foto anschaut so sind da vier Teile für den Kamineffekt interessant.

 

Im Bereich 1 ist der Feuerraum, d.h. nur in diesem Bereich konnte man Holz einlegen. Bei 2 kann man die Ascheöffnung mit dem Aschebehälter sehen. Das Holz im Feuerraum lag auf einem Rost und die Asche konnte durch den Rost direkt in diesen Behälter fallen. Wenn man die Klappe von der Ascheöffnung offen lässt, kann zudem durch den Rost frische Luft von unten zum Feuerraum hinströmen. Im Bereich 3 wurde durch einen Schacht Feuer und Rauch Richtung 4, dem Kamin, geleitet. Was nun für mich beeindruckend war. Obwohl nur im Feuerraum das eigentliche Brandgut lag, war nach einiger Zeit sowohl der Bereich 1 als auch 3 komplett von Flammen eingehüllt und das mit einer enormen Itensität. Wie aus einem Gasbrenner sind die Flammen mit hoher Dynamik vom Feuerraum Richtung Kamin geschossen. Dies hat ausgereicht um im Backofen Semmeln aufzubacken obwohl es ja nur eine Feuerstelle im Bereich 1 gab.

Hier könnt ihr auch noch ein paar Bewegtbilder sehen. Leider kommt der Effekt nicht so rüber wie wenn man direkt davor steht. Aber vielleicht lassen die Bilder zum Schluss ja erahnen mit welcher Geschwindigkeit und enormen Hitze die Flammen unter der kompletten Herdplatte durchgezogen sind. Die Brandlast bestand hier übrigens nur aus 2-3 Scheite Holz.

Was bedeutet der Kamineffekt für die Feuerwehr?

Der beschauliche Kamineffekt den ihr im Ofen bewundert gibt es auch in groß. Leider führen solche Ereignisse auch oft dazu, dass viele Menschen ums Leben kommen. Denn der Kamineffekt sorgt für eine rasend schnelle Brandausbreitung und zu einer enormen Hitze. 1987 trat dieser Effekt auf, als bei der U-Bahn Station King’s Cross in London eine hölzerne Rolltreppe in Brand geraten ist und 31 Menschen ums Leben kamen. Im Jahr 2000 kamen bei dem Gletscherbahnbrand in Kaprun (Österreich) 155 Menschen ums Leben als die Bahn in einem steilen Tunnel zu brennen begann. Aber auch außerhalb von Gebäuden kann der Kamineffekt in noch viel größeren Ausmaße auftreten und wird dann als Feuersturm bezeichnet. Dies kann passieren wenn ganze Stadtteile (z.B. im Krieg) brennen oder große Waldflächen in Flammen stehen. Hierbei saugt das große Feuer soviel Luft an, dass es sturmähnliche Ausmaße annimmt.

Aber auch schon bei kleineren Ereignissen kann der Kamineffekt auftreten. So zum Beispiel wenn hölzerne Treppenräume in Mehrfamilienhäuser brennen oder auch bei Hochhäusern wenn in weiter unten gelegenen Stockwerken ein Brand ausbricht. Darüber hinaus wird dieser Effekt auch bei der Schiffsbrandbekämpfung erwähnt. Hier noch der Link zu einem Videobeitrag über King’s Cross von National Geographic.

Die Frage nun an Euch, habt Ihr schon Mal einen Kamineffekt im realen Einsatz beobachten können?

 

1 Kommentar zu Kamineffekt auf der Hütte

  1. Das hast du soweit gut und verständlich beschrieben hätte ich nicht besser hinbekommen können, nur das backfach wird durch einen zuschaltbaren Zug noch von hinten unten herrum und dann links hoch in den direkten zug mit beheizt wenn ich es richtig erkenne.

    Störeinflüss auf den kaminzug können grade an hanglagen fallwinde und extreme sonneneinstrahlung sein!

    Fals du dazu noch nähere infos magst kannst du dich gerne melden kenne mich berufsbedingt recht gut mit dem thema kamizug aus als gelernter Schornsteinfeger =)

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