Zwei simple Dinge die ein Gruppenführer beim Einsatz machen sollte

gruppenfuehrer feuerwehr fwdv3

„Zum Einsatz feeeertig“ so schallt es bei vielen Feuerwehren über den Hof wenn es wieder gilt das Leistungsabzeichen „Die Gruppe im Löscheinsatz“ abzulegen. Auch an den Feuerwehrschulen wird schulbuchmäßig trainiert und die Löschgruppe tritt brav an und erhält ihre Befehle. Kaum ist die Zeit mit dem Leistungsabzeichen oder an der Schule vorbei, fällt man schnell wieder in alte Muster zurück. Das Antreten wird gerne mal weg gelassen und auch mit den Befehlen wird es nicht mehr so genau genommen. Argument das man dann hört: „Ist ja alles viel zu theoretisch und im Einsatz hat man dafür keine Zeit“. Gerade aber der Gruppenführer macht sich dadurch das Leben unnötig schwer, denn die FwDV 3 gibt prima Hilfestellungen an die Hand um eine Gruppe im Einsatz erfolgreich zu steuern.

Macht es also Sinn zugunsten der Zeit auf bestimmte standardisierte Abläufe beim Einsatz der Löschgruppe zu verzichten? Aus meiner Sicht nein, denn derade die ersten Minuten eines Einsatzes sind doch ausschlaggebend für den Erfolg. Genau für diesen stressigen Zeitraum ist es doch gut wenn man ein Gerüst an der Hand bekommt, das drillmäßig funktioniert und alle drauf haben. Ich habe zumindest schon etliche Einsätze erlebt die genau wegen solchen fehlenden Basics recht bescheiden angelaufen sind. Die Mannschaft hat nicht gewusst was los ist, einen richtigen Einsatzbefehl gabs auch nicht und schon war das Chaos perfekt.

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Was man vom Mannschaftssport für die Feuerwehr lernen kann

Kurze Teambesprechung bevor das Spiel anfängt

Kurze Teambesprechung bevor das Spiel anfängt

Je spektakulärer und dramatischer der Einsatz ist, desto mehr werden auf „formale“ Dinge wie Antreten oder Befehlsgebung verzichtet. Das blöde ist nur, genau bei solchen Einsätzen sind die am allerwichtigsten. Klar, wenn man Standardeinsatzregeln hat die alle drauf haben mag das noch ohne viele Worte funktionieren, existieren die aber nicht kann es für die Mannschaft verwirrend werden.

Kennt Ihr das aus dem Fußball, von American Football und anderen Mannschaftssportarten wenn kurz die Mannschaft zusammen kommt und der Kapitän ein paar Sätze sagt. Nichts anderes ist das doch auch bei uns. Als Gruppenführer gebe ich eine kurze Lageeinweisung um alle auf den gleichen Informationsstand zu bringen und meine Einsatzbefehle zu geben. An den Gesichtern der Mannschaft sehe ich dann sofort ob es alle verstanden haben. Falls nicht kann man dann gleich nachhaken.

Ein weiterer wichtiger Vorteil: Lasse ich als Gruppenführer die Mannschaft aufs Schadensobjekt blicken spare ich mir viele Worte und beuge Verwechslungen vor in dem ich direkt auf das zeige was ich meine. Dann ist das linke obere Fenster, der Fronteingang oder der Anbau auf der rechten Seite auch wirklich allen klar.

Neue Fahrzeugtechnologien lassen die angestaubte Antreteordnung wieder aufleben

Wenn die Mannschaft antritt kann der Gruppenführer eine Lageeinweisung geben und hat alle im Blick

Wenn die Mannschaft antritt kann der Gruppenführer eine Lageeinweisung geben und hat alle im Blick

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und bin der Meinung, dass das Antreten mit den neuen Fahrzeugtechnologien noch viel wichtiger geworden ist. Konnte man als Gruppenführer noch vor zehn Jahren im Feuerwehrfahrzeugen nach hinten zur Mannschaft schauen ist das heutzutage so gut wie ausgeschlossen. Integrierte Mannschaftskabinen und Stauschränke auf dem Platz des Melders sorgen dafür, dass es nach hinten so gut wie kein freies Blickfeld mehr gibt. Auch die Kommunikation ist extrem erschwert und eine Lageeinweisung während der Anfahrt meines Erachtens nicht mehr möglich.

Wer jetzt immer noch das Antreten wie der Teufel das Weihwasser scheut, kann das ja auch in lockerer Art machen. Man muss ja nicht in Reihe und Glied stehen sondern kann das ja auch in einem Halbkreis machen. So lange alle in die richtige Richtung schauen und den Gruppenführer verstehen ist das Ziel auch so erreicht.

Einsatz mit Bereitstellung, sollte eigentlich Standard sein

Läuft die Anfangsphase des Einsatzes von selbst hat der Gruppenführer mehr Zeit zum erkunden

Läuft die Anfangsphase des Einsatzes von selbst hat der Gruppenführer mehr Zeit zum erkunden

Kommen wir zum zweiten Punkt der in den ersten Minuten wichtig ist: Der Einsatz mit Bereitstellung. Habt Ihr eigentlich gewusst, dass der laut FwDV 3 eigentlich Standard ist? Das steht da auch nicht ohne Grund. Die meisten Einsätze sind so umfangreich, dass man als Gruppenführer erstmal erkunden muss und nicht gleich einen vollständigen Einsatzbefehl für alle Trupps raushauen kann. Somit legt man erstmal die Wasserentnahmestelle und den Verteiler fest und kann dann eine Lageerkundung durchführen. Das hat auch für den Gruppenführer einen großen Vorteil, denn er kann seine Befehle für die einzelnen Trupps anschließend Schritt für Schritt weitergeben und muss nicht gleich seine komplette Gruppe oder Staffel befehligen.

Ein Anfangsplan für die häufigsten Lagen

Die Feuerwehrdienstvorschrift beschreibt den Einsatz mit Bereitstellung für den Brandeinsatz, allerdings lässt sich das auch prima für andere Bereiche anwenden.

Bei einem Verkehrsunfall sieht ein Befehl beispielsweise so aus:

„Geräteablage fünf Meter vor das Löschfahrzeug,
Angriffstrupp und Schlauchtrupp bauen Geräteablage auf,
Wassertrupp übernimmt Verkehrsabsicherung“

Oder ein weiteres Beispiel für den Gefahrguteinsatz:

„Bereitstellungsraum für die vorgehenden Trupps fünf Meter vor dem Löschfahrzeug,
Angriffstrupp und Wassertrupp rüsten sich mit Form 1 und Atemschutz aus und gehen in den Bereitstellungsraum,
Schlauchtrupp baut Not-Dekon neben Bereitstellungsraum auf“

Mit diesen drei vorgefertigten Bereitstellungseinsätzen kann man schone eine große Anzahl von Szenarien routiniert in den ersten Minuten abzuarbeiten. Je nach persönlichen Wunsch kann man das natürlich auf weitere Einsatzarten erweitern.

 

Einsatz mit Bereitstellung

So das wars auch schon. Zugegen, das Antreten am Fahrzeug und der Einsatz mit Bereitstellung sind keine weltbewegenden Themen, oftmals werden solche einfachen Dinge aber nicht gemacht und dadurch der Einsatzerfolg gefährdet. Und da ich es immer wieder erlebe war es mir wichtig das Thema anzusprechen um dafür mehr Bewußtsein zu schaffen.

Überlegt Euch daher für Eure Feuerwehr und für die häufigsten Einsatzarten wie ein Einsatz mit Bereitstellung aussieht. Probierst das auch ruhig mal bei Übungen aus und Ihr werdet feststellen, dass es besser läuft.

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2 Kommentare zu Zwei simple Dinge die ein Gruppenführer beim Einsatz machen sollte

  1. Hallo Florian,

    vielen Dank für den „einfachen“ jedoch guten Artikel. Ich muss dir leider voll und ganz recht geben. In vielen Fällen wird versucht auf das Antreten zu verzichten. Gerade dann wenn es ein spektakülärer Einsatz ist. Wie zum Bespiel ein VU mit eingeklemmter Person oder ein Brand mit Menschenleben in Gefahr. Hier wird dann auch oft noch das Argument hervor gebracht, dass man vor der Öffentlichkeit nicht die Zeit hat den Einsatzbefehl nach einer ordentlichen Erkundung und mit der nötigen Ruhe zu geben.

    Mit kameradschaftlichen Grüßen

    Tobias

  2. Also bei uns muss man am Fahrzeug antreten. Bis auf einmal als ein Kind ins versuchte und noch verblenden gebeutelt rein wollte musste er ohne Anweisung gerettet werden von uns bevor er ins Gebäude kam.

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  1. Erkundung des richtigen Zugangs beim Brandeinsatz | feuerwehrleben.de

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