Warum sich kommerzielle Internetangebote im Feuerwehrbereich nicht lohnen

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Zugegeben, dieses Mal schneide ich ein ziemliches Randthema an. Da ich aber immer wieder auf neue Feuerwehrideen angesprochen werden oder Leute mir voller Motivation ihre neuen Feuerwehr Internetprojekte vorstellen, dachte ich, es ist  an der Zeit meine Einschätzung vom Erfolg solcher Geschäftsmodelle loszuwerden. Die schlechte Nachricht zuerst, ich sehe da nicht wirklich viel Potential Geld zu verdienen.

Alle paar Monate bekomme ich E-Mails, in denen ich gebeten werde, ein neues Projekt im Blog vorzustellen. Wenn sich das Innovativ und spannend anhört, mache ich das natürlich auch gerne. Wenns halt die 20ste Feuerwehrcommunity ist, die neu aufgebaut wird, bin ich ehrlich gesagt zurückhaltend. Häufig frage ich dann auch erst Mal nach, was derjenige denn mit seinem Internetprojekt so vorhat. Die häufige Antwort: Eine große Community aufbauen und im Idealfall damit Geld verdienen. Nun dieses Geld verdienen ist so eine Sache, denn gerade im Feuerwehrbereich wird das Potential hierfür weit, weit überschätzt und die meisten Betreiber von Feuerwehrangeboten im Internet können froh sein wenn Sie ihre Serverkosten reinholen. Das tröstliche daran, nicht nur junge motivierte Feuerwehrler tappen in die Falle, auch bei einigen kommerziellen Angebote (teilweise gibts die auch gar nicht mehr) bin ich mir nicht wirklich so sicher wie die überhaupt mal Geld verdienen wollen.

Wie viel Besucher kommen denn überhaupt auf ein Feuerwehrportal?

Warum verdient man im Feuerwehr Onlinebereich kein Geld? Kurz und knapp: die Zielgruppe ist zu klein und die daraus resultierenden Werbeeinnahmen werden überschätzt. Schauen wir uns also erst Mal den Markt an. Laut dem DFV gibt es in Deutschland 1,34 Mio. Angehörige in Freiwilligen, Berufs- und Werkfeuerwehren. Das ist also die Marktkapazität die man theoretisch erreichen kann. Als nächstes interessiert, wer von den Feuerwehrlern überhaupt online ist. Schaut man sich die aktuellen Zahlen für Deutschland an, sind das 73,3 % der Bevölkerung die mindestens gelegentlich das World Wide Web nutzen. Bezogen auf unsere Zielgruppe Feuerwehr, sprechen wir also von 982.200 Brandschützern die im Internet sind, was unserem Marktpotential entspricht. Um mal einzuschätzen was diese Zahl bedeutet: Laut den Mediadaten 2012 erreicht das Feuerwehrmagazin mit seinem Onlineauftritt knapp 180.000 monatliche Besuche (nicht Besucher!). Leider ist das eine sehr unübliche Kennzahl in der Onlinemarketingwelt, daher gehe ich mal davon aus, dass man mit einem Daumenwert von 70%, die ungefähre Zahl der tatsächlichen monatlichen Besucher bekommt, die mindestens einmal im Monat auf feuerwehrmagazin.de sind. Entspricht somit 126.000 Besuchern, also eine Marktabdeckung von 12,8 % (126.000 von 982.200 möglichen Besuchern pro Monat).

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Jetzt klingt die Zahl erst Mal gar nicht so wenig, aber im Vergleich zu Internetschwergewichten wie bild.de und spiegel.de mit zehn bis 12 Mio. monatlichen Besuchern ist die Zahl verschwindend gering (hier das Besucherranking von weiteren Internetseiten). Schauen wir uns andere Spezialportale an, so haben so haben die, trotzt ihrer Nische, weit mehr Besucher: goFeminin.de (Frauen) kommt auf 5 Mio., Kicker (Fußball) auf 3,15 Mio. und brigitte.de auf 2,86 Mio. monatliche Besucher. Solche Besucherzahlen, schaffen wir um Vielfaches nicht, ja selbst wenn wir den kompletten Markt mit unserem Feuerwehrportal abdecken würden.

Und wie viel Geld könnte man dann verdienen?

Ihr seht also schon, dass selbst große Portale wie feuerwehrmagazin.de Probleme haben. genügend Besucher zu bekommen um damit Geld zu verdienen. Und das obwohl der Onlineauftritt nicht ohne ist, täglich neue Informationen veröffentlich werden und die Marke Feuerwehr-Magazin im Feuerwehrkreisen sicherlich jedem ein Begriff ist. Aber was könnte man denn nun für Umsätze machen wenn man so viel Besucher wie das Feuerwehrmagazin schafft? Wenn jeder von diesen 126.000 Besuchern sich vier Seiten anschaut kommt die Website auf 504.000 Seitenaufrufe. Verwendet man dann das Werbeprogramm Google AdSense auf die Seite und erreicht Klickraten mit 0,5% und eine Vergütung pro Klick von 0,25 € kommt man auf € 630 pro Monat. Das aufs Jahr umgerechnet landen wir bei € 7.560,- pro Jahr. Ihr seht schon, das ist jetzt keine Summe von der man leben kann und wie gesagt, feuerwehrmagazin.de ist aus meiner Sicht noch einer der führenden Feuerwehr Websites im Internet.

Lohnt es sich dann überhaupt onlinemäßig was zu machen?

Ja klar, allerdings sollte bewusst sein, dass über Werbung maximal ein Zubrot verdient werden kann. Wenn ihr jetzt kurz davor seid, Euren aktuellen Job zu kündigen, weil Ihr mit dem neuen Feuerwehrportal durchstarten wollt, solltet ihr davor nochmal durchrechnen ob sich das auch finanziell Lohnt, nicht dass es danach ein böses Erwachen gibt. Oder aber Ihr lasst Euch andere Geschäftsmodelle einfallen. Abo Modelle (monatliche Beiträge zahlen), Freemium (teil ist kostenfrei, teil kostenpflichtig). Sicherlich kann man über die Direktvermarktung auch einiges machen (also nicht über Google gehen, sondern direkt über Werbepartner) aber das ist halt auch ein sehr steiniger Weg. Ach und noch was, ich habe jetzt nur mal das mögliche Einkommen betrachtet. Um aber so viele Besucher wie beispielsweise das Feuerwehrmagazin zu bekommen, sind auch Ausgaben, beispielsweise in Werbung notwendig, denn von nix kommt nix.

Warum gibts dann Leute die trotzdem Feuerwehr Onlineprojekte ins Leben rufen?

Ich hoffe meine Worte haben Euch jetzt nicht zu sehr demotiviert, es gibt ja trotzdem viele gute Gründe trotzdem ein Internetprojekt im Feuerwehrbereich ins Leben zu rufen. Schnell reich wird man davon aber nicht und genau das ist das Signal, dass ich geben möchte. Und wenn man mir schreibt, dass man mit seiner Seite 100 Besucher am Tag hat und jetzt auf Firmen zugeht um Werbepartner zur gewinnen, dann muss ich leider sagen, dass ist zwar ein schöner Ansatz, wird aber nicht von Erfolg gekrönt sein. Macht Eure Internetprojekte, -blogs oder sonst was aus Leidenschaft und Spaß, damit werden Ihr Erfolg haben. Wenn Ihr aber darauf hofft in ein paar Jahren von dem Leben zu können, dann wird das in den meisten Fällen nichts werden.

 

4 Kommentare zu Warum sich kommerzielle Internetangebote im Feuerwehrbereich nicht lohnen

  1. Sehr gut, dass du das hier mal so schreibst. Denn worüber sich viele auch nicht im Klaren sind: Der Aufwand eine Seite zu betreiben die einen Premiumbereich beinhaltet ist horend, der Nutzen verschwindent gering. Vor allem zu Zeiten von Sozialnetz-Riesen wie Facebook und Co. Da wird niemand für eine Community auch noch Geld bezahlen, schöne Idee hin oder her.
    Mittlerweile betreue ich halbes Dutzend Internetauftritte, alle mit schönen Ideen aber keine davon könnte sich je selbst tragen.

    Eine Internetseite zu Betreiben, mit einem Blog, einem Forum und einer kleinen Community würde ich eher als schönes Hobby beschreiben. Wie etwa Modellbau oder Kleingärtnerei. Denn auch hier sieht man sehr schnell seinen Erfolg wachsen und bei Fehlern auch schwinden. Aber es macht sehr viel Spaß sich mit all den Menschen auszutauschen, und sich gemeinsam über neuen Ideen zu beraten und auch einiges in die Tat um zu setzen.

    Das wichtigste in meinen Augen ist, dass das Web offen und frei für jedermann ist. Denn nur so ist es interessant und im ständigen Fluss. Und erst wenn die Seite einem gewissen Fluss unterliegt lassen sich mit Werbeeinnahmen Geld verdienen. Allerdings wie Flo schon sagte es reicht gerade einmal für die Servermiete, denn je mehr User man hat, umso größer muss der Server sein, damit die User bleiben.

    Wenn man auch kein Geld verdienen kann, es ist ziemlich sicher, dass man mit etwas Geschick und Feingefühl sich viel Anerkennung, nicht nur im Netz erarbeiten kann. Ich glaub Feuerwehrleben.de ist hierfür ein sehr gutes Beispiel.

    Viele Grüße
    Lukas

  2. Zur Informationsbeschaffung gibt es sicherlich einige interessante Blogs, aber ein Forum in dem mal wirklich Diskutiert wird findet man selten… oder irre ich mich da?

    http://www.feuerwehr-forum.de/: Unübersichtlich, schreckt mich direkt ab
    http://www.feuerwehr-alarm.de/: scheint ganz gut besucht zu sein, aber meiner Meinung nach doch recht wenig aktive Mitglieder?
    http://www.ein-feuerwehrforum.de/: Monate lang kein Beitrag…

  3. Christian Pannier // 4. März 2012 um 21:26 // Antworten

    Sehe ich ein wenig anders. airliners.de zum Beispiel hat 170.000 Leser, 730.000 Besuche und 2,2 Mio, Seitenabrufe im Monat (Quelle: http://werbung.airliners.de/) und m.W. leben die mittlerweile von der Seite. Problematisch beim Feuerwehr-Magazin war IMO die Aufgabe des Forums, seitdem schaue ich persönlich da vielleicht noch einmal im Monat rein, vorher wars fast täglich.
    Ich denke immer noch, dass eine WIRKLICH gute Seite im Feuerwehrbereich wirtschaftlich erfolgreich sein kann, u.a. weil man eine eng definierte Zielgruppe hat und diese Zielgruppe für ihr Hobby Feuerwehr nicht selten bereit ist einen Haufen Geld auszugeben.
    Dass bislang kein Versuch wirklich erfolgreich war bestreite ich gar nicht. Aber die Ursachen lagen m.E. woanders.

  4. Überraschen tut mich Deine Feststellung nicht, denn es gibt ja ein relativ bekanntes Projekt, das am Versuch der Kommerzialisierung (=Geld verdienen) gescheitert ist.

    Oder erinnert sich noch jemand an Fwnetz.de (Version 1)? Ich möchte die damalige Idee, die Irakli, von den Autoren (also auch mir) unterstützt, nicht schlecht machen, allerdings sind wir damals sehr schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. Einmal weil die Bereitschaft Geld für Feuerwehrcontent zu bezahlen nicht gegeben war, andererseits konnten wir trotz aller Anstrengungen nicht so viel Content produzieren, der für eine Vermarktung notwendig gewesen wäre.

    Das Hauptproblem, das es auch bei Fwnetz Version 2 gab, war aber, dass die Contentproduktion Geld (und Zeit) kostet(e). Genau das Bedenkn m.E. viele Seitenbetreiber nicht! Angesichts der wie aus dem Boden schießenden Feuerwehrportale, wächst die Konkurrenz, und macht ein Geschäftsmodell umso schwieriger, zumal im Feuerwehrbereich niemand gerne Geld bezahlen möchte.

    Ich werfe mal eine These in die Diskussion: Wollen wir es wirklich, dass Feuerwehrcontent im Netz Geld kostet? Würde das nicht dazu führen, dass sich eine informierte Feuerwehrelite herausbildet? Ist es nicht so, dass die Feuerwehr der Nächstenhilfe dient und damit auch ein wesentlicher Teil der für die Feuerwehrarbeit benötigten Informationen frei zugänglich sein sollte, um diese Nächstenhilfe zu garantieren?

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