Vollbrand eines denkmalgeschützten Gebäudes führt zu langwierigem Feuerwehreinsatz

Mit weithin sichtbarem Feuerschein und erheblicher Rauchwolke brannte am frühen Mittwochmorgen in der Holzmindener Altstadt ein Fachwerkgebäude in voller Ausdehnung.

Brand Fachwerkhaus HolzmindenGemäß Alarm- und Ausrückeordnung wurde Alarm für beide Züge der Ortsfeuerwehr Holzminden gegeben. Durch Riegelstellung konnte eine Ausbreitung des Brandes auf Nachbargebäude verhindert werden. Im Laufe der Löscharbeiten war schließlich ein Teileinriss des Gebäudes notwendig.

Um 4.05 Uhr wurden die Ortsfeuerwehren Holzminden und Mühlenberg mit dem Stichwort „Feuer Dachstuhl“ in die Holzmindener Altstadt alarmiert. Da sich Einsatzkräfte der Feuerwehr noch von einem anderen Einsatz her im Bereich der Weser befanden, konnten diese die Einsatzstelle sofort anfahren. Es brannte das Eckgebäude Kirchplatz/Weserstraße in voller Ausdehnung auf allen Etagen. Bereits auf der Anfahrt konnten die Kräfte Feuerschein und Rauchwolke über der Altstadt sehen. Beim Eintreffen schlugen Flammen aus Fenstern, Tür und dem Dachstuhl.

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Da die Drehleiter der Feuerwehr Holzminden zum Alarmzeitpunkt wegen eines Werkstattaufenthalts außer Dienst war, wurde stattdessen sofort die Drehleiter der Feuerwehr Höxter alarmiert. Aufgrund der dichten Altstadtbebauung bestand eine akute Gefahr der Brandausbreitung auf die Nachbargebäude in nördlicher und westlicher Richtung.

Mit acht Rohren wurden die Flammen bekämpft

Mit mehreren Rohren, zum Teil vorgenommen unter Atemschutz, konnten die Einsatzkräfte ein Übergreifen des Feuers verhindern. Bis zu fünf C-, zwei B- und ein Wenderohr waren gleichzeitig eingesetzt. Die Wasserversorgung konnte von Hydranten und der nahegelegenen Weser her über die Vorbaupumpe des LF 16-TS mit einer dreifachen B-Leitung sichergestellt werden.

Da der Einsatzleitwagen der Ortsfeuerwehr Holzminden bei diesem Einsatz einen technischen Totalausfall erlitt, wurde der ELW 1 der Ortsfeuerwehr Bevern alarmiert und der Einsatz über diesen abgewickelt und dokumentiert.

Das Feuer war nach stundenlangem massivem Löscheinsatz zwar unter Kontrolle, jedoch forderten immer wieder auflodernde Brandnester einen intensiven Einsatz der Feuerwehrkräfte.

Wegen befürchteter Einsturzgefahr konnte das Gebäude für Löscharbeiten nicht betreten werden. Der Baufachberatertrupp von THW Northeim und Feuerwehr des Kreises Northeim wurde zur Begutachtung der Statik hinzugezogen und bestätigte die Einschätzung.

Schaumeinsatz brachte nicht den gewünschten Erfolg

Für Nachlöscharbeiten wurde daher die Hubarbeitsbühne der Ortsfeuerwehr Stadtoldendorf angefordert, um auch schwer zugängliche Bereiche zu erreichen. Zur Abstimmung wegen eines umfassenden Schaumeinsatzes wurde die untere Wasserbehörde zur Einsatzstelle beordert. Es mussten Maßnahmen zur Löschschaumrückhaltung getroffen werden.

Da auch der Schaumeinsatz im nicht zugänglichen Innenbereich keine nachhaltige Löschwirkung zeigte und das Feuer an diversen Stellen immer wieder aufflammte wurden mit dem Bauamt Abstimmungen über die weitere Vorgehensweise getroffen. Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, kam nur ein behutsamer Teileinriss in jeweils unmittelbar unter Brandeinwirkung stehenden Bereichen infrage.

Teilabriss des Gebäudes war notwendig

Dazu wurde ein Abrissunternehmen mit Bagger angefordert und mit diesem zunächst mit dem Teileinriss des Dachgeschosses begonnen, immer wieder unterbrochen durch umfangreiche Löscharbeiten und Lageerkundungen, beides auch über die Drehleiter. Ab dem frühen Nachmittag stand auch die Drehleiter der Feuerwehr Holzminden wieder zur Verfügung, sodass die Hubrettungsgeräte aus Höxter und Stadtoldendorf wieder aus dem Einsatz entlassen werden konnten.

Im Zuge der Lösch- und Abbruchmaßnahmen mussten die Einsatzkräfte feststellen, dass sich das Feuer unter hoher thermischer Einwirkung an vielen Stellen weit in die Bausubstanz gefressen hatte. Daher mussten auch Teile des ersten Obergeschosses eingerissen werden um ein Wiederaufflammen und damit die Zerstörung noch weiterer Bausubstanz zu verhindern. Durch die notwendige Berücksichtigung denkmalpflegerischer Aspekte dauerte der Löscheinsatz bis in den Abend hinein.

Auch wenn nach Erkenntnissen der Polizei davon ausgegangen werden konnte, dass das Gebäude nicht bewohnt war, konnte dies aufgrund der Einsturzgefahr zunächst nicht mit letzter Gewissheit bestätigt werden. Auch beim Teilabriss wurde jedoch kein Brandopfer gefunden.

Weserstraße, Kirchplatz und Johannisstraße waren aufgrund des Feuerwehreinsatzes über viele Stunden für den Verkehr gesperrt. Im Umfeld der Einsatzstelle kam es zu Verkehrsbehinderungen. Später konnte die Johannisstraße wieder freigegeben werden.

Nach und nach konnten Einheiten aus dem Einsatz gelöst und Fahrzeuge wieder einsatzklar gemacht werden. Dennoch war aufgrund der weiterhin bestehenden Brandausbreitungsgefahr weiterhin das Vorhalten einer erheblichen Mannschaftsstärke erforderlich.

127 Feuerwehrkräfte mit 21 Fahrzeugen im Einsatz

Gegen 20 Uhr wurde die Ortsfeuerwehr Holzminden nach 16 Stunden aus dem Einsatz herausgelöst. Manche Kameraden waren durch den vorangegangenen Wasserrettungseinsatz bereits 18 Stunden im Einsatz. Beim Einsatz der Ortsfeuerwehr Holzminden kamen 14 Atemschutzgeräte zum Teil mehrfach zum Einsatz. Die Ortsfeuerwehr Mühlenberg richtete eine Verpflegungsstelle im Gemeindehaus der Lutherkirche ein.

Mittels Aufenthaltscontainer, Licht und Stromversorgung wurde die Infrastruktur für eine nächtliche Brandwache geschaffen, die in zwei Schichten jeweils einmal von den Ortsfeuerwehren Silberborn und Neuhaus i.S. geleistet wurde. Um 6.00 Uhr am nächsten Morgen war der Einsatz schließlich nach 26 Stunden beendet. Insgesamt waren 127 Feuerwehrkräfte im Einsatz.

Text und Bilder wurden uns freundlicher weise von der Feuerwehr Holzminden zur Verfügung gestellt.

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