Vier Feuerwehrleuten wird Brandstiftung in zehn Fällen vorgeworfen

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Am Donnerstag wurden vier Mitglieder der Feuerwehr Ahrensfelde (Schleswig-Holstein) festgenommen. Sie werden verdächtigt zehn Brände selbst gelegt bzw. beauftragt zu haben. Aufgrund der Vowürfe wurden die Wehrleute vorläufig vom Dienst suspendiert.

Zur Klärung der Brände wurde im September 2014 eine Ermittlungsgruppe bei der Polizei Ahrensburg eingerichtet. Diese umfasst derzeit sechs Beamte. Die Mitarbeiter der Ermittlungsgruppe bearbeiten ausschließlich das Brandgeschehen. Die Ermittlungsgruppe wurde temporär durch weitere Mitarbeiter der KPSt Ahrensburg und anderer Dienststellen unterstützt.

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Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat drei Haftbefehle gegen insgesamt sechs Beschuldigte erwirkt. Am 11.12.2014 wurden drei Heranwachsende und ein Erwachsener im Alter von 19 bis 21 Jahren aus dem Raum Ahrensburg in Ahrensburg festgenommen. Alle sind Mitglieder der Ortswehr Ahrensfelde. Sie stehen im dringenden Verdacht, insgesamt zehn Brandlegungen begangen bzw. in Auftrag gegeben zu haben. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand entschlossen sich die vier Beschuldigten spätestens im Oktober 2013 Brände zu legen, um sodann als Feuerwehrleute am Ort des Brandes früh erscheinen zu können und die dadurch erwartete Achtung der Feuerwehrleute zu erlangen.

Weitere Brandstifter beauftragt

So sollen die Beschuldigten für vier Brandstiftungen von Strohmieten im Oktober 2013 im Raum Ahrensfelde und Siek verantwortlich sein, bei denen insgesamt 1.100 Strohballen niederbrannten. Den Schaden schätzt die Polizei auf ca. 71.000 Euro. Die Beschuldigten gerieten aufgrund nicht wahrheitsgemäßer Angaben und deren Auftreten vor Ort in den Verdacht, an den Brandstiftungen beteiligt zu sein. Aufgrund dieser Ermittlungen entschlossen sich die Beschuldigten die Brände nicht mehr selbst zu legen, sondern andere mit den Brandlegungen zu beauftragen, um den Verdacht von sich abzulenken.

Zu diesem Zweck trafen sich die Beschuldigten mit zwei weiteren Personen und veranlassten diese gegen Zahlung geringer Geldbeträge weitere Brände zu legen. Zunächst blieb es bei zwei versuchten Anstiftungen zu Brandlegungen, da die Tatausführung den Beauftragten aus zeitlichen Gründen nicht möglich war. Später kam es dann jedoch zu vier Brandstiftungen in Ahrensfelde durch die Beauftragen. Diese haben folgende Taten begangen:

  • Brandstiftung an ca. 380 Strohballen im Juli 2014
  • Brandstiftung an einer Strohmiete mit 180 Strohballen im September 2014
  • Brandstiftung an einer Strohmiete mit 500 Strohballen im Oktober 2014
  • Brandstiftung einer Dunglagerstätte im Oktober 2014.

Nach polizeilicher Schätzung entstand hierbei ein Schaden von insgesamt 69.000 Euro

Erste Festnahmen Anfang Dezember

Bereits am 01.12. kam es zur Festnahme einer der Auftragsbrandstifter, einem 20-jährigen Mann aus Hamburg. Die Festnahme erfolgte durch das SEK Schleswig-Holstein in der Wohnung des Mannes. Der Festgenommene gestand den Großteil der ihm zur Last gelegten Taten und räumte zusätzlich seine Beteiligung an einem Pkw-Diebstahl in Trittau ein. Der Mann befindet sich aktuell in Untersuchungshaft.

Am 09.12. wurde der zweite Auftragsbrandstifter, ein 17-jährigen Ahrensburger, an dessen Wohnanschrift festgenommen. Dieser handelte gemeinsam mit dem am 01.12. festgenommen Auftragsbrandstifter und war auch am Kfz-Diebstahl in Trittau beteiligt. Auch dieser Mann befindet sich in Untersuchungshaft. Bei allen vorgenannten Tatverdächtigen wurden die Wohnungen durchsucht. Es wurden unterschiedliche Beweismittel gefunden, so Brandbeschleuniger, ein Funkgerät, Funkscanner, Böller und Zeitungsberichte über die Brände.

Drei Beschuldigte haben sich zur Sache eingelassen und Teile der bestehenden Tatvorwürfe bestätigt. Ein Beschuldigter bestätigte die ihm zur Last gelegten Taten einschließlich einer Brandstiftung von Strohballen im Oktober 2013, bei den insgesamt ca. 500 Ballen verbrannten.

Ein Beschuldigter wurde am 11.12. dem Haftrichter vorgeführt. Es wurde Untersuchungshaft verhängt. Die weiteren Beschuldigten wurden am 12.12. beim Haftrichter vorgeführt. Zur Durchführung der Festnahmen und Durchsuchungen waren am 11.12. 19 Beamte der Polizei Ahrensburg eingesetzt. Die Ermittlungen werden fortgeführt.

Landesfeuerwehrverband distanziert sich von den Feuerwehrleuten

Der Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein, der Kreisfeuerwehrverband Stormarn und die Gemeindefeuerwehr Ahrensburg nehmen mit Bestürzung zur Kenntnis, dass vier der festgenommenen mutmaßlichen Brandstifter aus den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr stammen sollen.

Die Taten stehen nicht im Einklang mit den Wertevorstellungen und den Aufgaben und Zielen der Freiwilligen Feuerwehren. Die Freiwilligen Feuerwehren des Landes Schleswig-Holstein mit ihren knapp 50.000 Mitgliedern distanzieren sich von derartigen Fehlverhalten ihrer Kameraden aufs Schärfste.

Die unter Verdacht stehenden jungen Männer sind von ihren Wehrführungen sofort vorläufig vom Dienst suspendiert worden. Weitere Maßnahmen entscheiden sich nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen und den möglichen gerichtlichen Verurteilungen.

Freiwillige Feuerwehr ist ein Spiegelbild der Gesellschaft

Wie der Landesfeuerwehrverband weiter mitteilt sind Freiwillige Feuerwehren mit ihren Mitgliedern ein Spiegelbild der Gesellschaft. Daher ist leider nie völlig auszuschließen, dass es unter den Angehörigen der Wehren vereinzelte „schwarze Schafe“ gibt. Nach einer Faustregel gibt es quer durch alle Bevölkerungsgruppen rund 10 Prozent Abweichler, also Menschen mit Besonderheiten, die sich vom Durchschnitt der „normalen“ Gruppe unterscheiden. Hiervon sind die Freiwilligen Feuerwehren prinzipiell nicht ausgenommen, obwohl Feuerwehrleute nicht dem repräsentativen Durchschnitt der Bevölkerung entsprechen. Sie sind überdurchschnittlich einsatzbereit, pflichtbewusst und hilfsbereit und genießen bei der Bevölkerung allergrößtes Vertrauen.

Jährlich werden in Deutschland etwa ein Dutzend Fälle bekannt, bei denen ein Feuerwehr-mann oder eine Feuerwehrfrau Brandstifter war. Dies entspricht etwa 0,3 Promille aller Brandstiftungen bzw. einem Verhältnis von rund 1:3.000.

Gleichwohl ist der Imageverlust für die Freiwilligen Feuerwehren bei jeder einzelnen Tat im-mens. Die Wehrführungen nehmen die jüngsten Vorkommnisse zum Anlass, diese Thematik mit ihren Mitgliedern im Sinne der Prävention aufzuarbeiten. Da diese Vorkommnisse auch für die Führungskräfte der Wehren belastende Extremsituationen darstellen, werden sie bei internen Gesprächen und Maßnahmen vom Kreisfeuerwehrverband Stormarn und dem Lan-desfeuerwehrverband Schleswig-Holstein unterstützt. Mit den Ortswehrführungen der Stadt Ahrensburg wird bereits am heutigen Freitag ein erstes Gespräch stattfinden. Auch gilt es in den nächsten Tagen darüber zu beraten, wie eventuell verloren gegangenes Vertrauen in-nerhalb des Kameradenkreises aber auch bei der Bevölkerung wieder aufgebaut werden kann.

 

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