Spritz Dir Deinen Weg frei

Während man in unserem Lande eins auf den Deckel bekommt wenn man zuviel im Innenangriff herum spritzt, haben andere Länder ganz andere Ansätze. Auf einer US Feuerwehrseite wurde ich auf „The Bounce“ aufmerksam, eine Technik bei der sich der Trupp im Innenangriff den Weg frei spritzt.

Glut und Schutt am Boden als Gefahren im Innenangriff

Glut und Schutt am Boden, als Gefahren im Innenangriff

Zugeben als ich beim ersten Mal das Video gesehen habe, dachte ich erstmal „so ein Schmarrn“. Allerdings sollte man ja nicht immer gleich so voreilig sein, sondern sich Gedanken machen wie man fremde Techniken auch bei sich selbst einsetzen kann. Es geht um das kurze Trainingsvideo  The Bounce, dass von der US Seite fireengineering.com online gestellt wurde. Da das kurze Trainingsfilmchen auf Englisch ist, hier die wichtigsten Punkte zusammen gefasst: Der Sinn von „The Bounce“ ist es, den Weg beim Innenangriff von Glut und Brandschutt freizuspülen da Gefahr besteht, dass dadurch die Schutzkleidung beschädigt oder der Feuerwehrmann verletzt werden kann. „The Bounce“ ist schlussendlich das Aufschlagen des Wasserstrahls direkt vor dem Strahlrohrführer auf dem Boden, da laut dem Trainer oftmals der Fehler gemacht wird, dass die Feuerwehrleute nur das Material wegspritzen was weiter entfernt ist, nicht aber direkt vor ihnen selbst.

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Jetzt sind mir natürlich erstmal 1.000 Dinge eingefallen die ich an dieser Technik nicht so hitverdächtig finde. Dann aber, „Oh Schreck“, ist mir doch ein Einsatz in den Sinn gekommen wo The Bounce, wertvolle Dienst hätte leisten können, wenn ichs gewusst hätte.

Besonders bei Holzhäusern könnte die Bounce-Technik hilfreich sein

Besonders bei Holzhäusern könnte die Bounce-Technik hilfreich sein

Vor einigen Jahren gab es einen Brand über mehrere Stockwerke in einem holzverkleideten Haus. Wir sind als Trupp über ein Vordach ins 1. OG auf den Balkon vorgedrungen und arbeiteten uns durch ein komplett ausgebranntes Zimmer. In diesem Raum hatten wir Nullsicht, Hitze und ganz entfernt einen rötlichen Schein der Flammen. Wir haben uns dann langsam durch den Raum vorgearbeitet und ich kann mich noch sehr gut erinnern wie wir über unebenen Grund gekrabbelt sind, so wie sich das auf einer hügeligen Wiese anfühlt. Das ganze Zeug worauf wir knieten waren also die Überreste der Zimmereinrichtung. Da dort einiges aus Holz war, ist ne ganze Menge zusammen gekommen. Irgendwann ist es dann am Schienbein und am Knie (damals waren in Bayern noch einlagige Hosen in Mode) verdammt heiß geworden, obwohl ich eine dicke Jeans drunter hatte. Das ging dann soweit, dass wir uns  irgendwann in gebückter Haltung aufgerichtet haben, weils auf dem Boden einfach zu heiß war. Genau das ist, bei einer brenzligen Situation ja genau der falsche Weg. Aber nun gut, man macht halt erstmal das was weniger weh tut und das war nun mal der Weg nach oben.

Genau dieses Einsatzszenario ist aber ein schönes Beispiel, wo man The Bounce einsetzen könnte. Ich wüsste zumindest keine andere Alternative die auf den ersten Blick so schnell und effizient ist. Mit der Axt wegschieben ist gefühlt nämlich aufwändiger.

Vor- und Nachteile von „The Bounce“

Hier mal eine Tabelle, die Vor- und Nachteile dieser Technik gegenüber stellt:

Vorteile Nachteile
  • Weniger Verletzungsgefahr
  • Schnelle Methode im Einsatz
  • Einfach Technik ohne hohen Schulungsaufwand
  • In Deutschland recht wenig Anwendungsfälle
  • Hoher Wasserschaden
  • Einsatzkleidung wird bei falscher Anwendung durchnässt
  • In heißen Räumen wird viel Wasserdampf erzeugt

Ich denke insbesondere, dass die Technik in Deutschland kaum Anwendung findet, da wir wenig Brände in Holzhäusern haben wo der Boden mit Brandschutt übersät ist. Durch die weit verbreitete Holzbauweise in Nordamerika kommt es dort auch viel Häufiger zu dem Fall, dass es zu einer massiven Brandausbreitung kommt und der Angriffstrupp durch ausgebrannte Räume vordringen muss. Zudem handelt es sich in den USA oftmals um einen Totalschaden des Hauses, in Deutschland ist der komplette Brand von Gebäuden eher die Ausnahme wodurch das Thema Wasserschaden auch viel ernster genommen wird.

Ablauf der „Bounce“ Technik

Es wird zwar im Video nicht näher darauf eingegangen, aber von dem was man sieht, gliedert sich die Technik in die folgenden Schritte:

  1. Mit Vollstrahl und kreisförmigen Bewegungen an die Decke spritzen um lose hängendes Material zu lösen und herunter zu spritzen (ca. 4x)
  2. Scheibenwischertechnik am Boden um den Schutt weg zu spritzen (2x links rechts Bewegung)
  3. Mit dem Vollstrahl direkt vor den eigenen Beinen mit dem Vollstrahl auf dem Boden aufschlagen (2x)
  4. Weiteres Vordringen in den Raum

The Bounce ist sicherlich keine Technik die man tagtäglich einsetzen und häufig üben muss, aber wenn man dieses Vorgehen im Hinterkopf behält und bei Nullsicht durch einen Bereich mit heißen Brandschutt muss, hat man so eine Möglichkeit das Ganze angenehmer und sicherer zu gestalten.

Was denkt Ihr? Spielerei oder sinnvolles Hintergrundwissen für besondere Lagen im Innenangriff?

8 Kommentare zu Spritz Dir Deinen Weg frei

  1. ich halte davon jetzt weniger
    weil bei einem innen angriff durch
    die hitze das wasser ´verdampt
    dadurch haben wir durch das viele
    wasser eine hohe wasserdampf
    konzentration im raum
    und wasserdampf schlägt durch die
    schutzkleidung durch
    das heißt eine höhere
    belastung für den angriffstrupp
    und größere verletzungs gefahr
    für evtl personen die sich da drin befinden
    ebenso den angriff trupp durch
    verbrühungen

  2. Ich schliese mich da meinen Vorredner an , klar die Argumente mit den Schutt usw
    leuchten ein , aber ich halte diese Technik nicht für sinnvoll, zumal man damit mehr schaden anrichtet als es nutzt, aber wiederum kommt das natürlich auch auf die einzelne Situation drauf an ? Da scheiden sich die Geister !?
    Aber rein von der Sicherheit her ist der herkömliche weg so wie er in Deutschland
    traniert wird der bessere , denn wenig wasser bedeutet wenig wasserdampf
    und somit eine geringere Belastung der Einsatzkräfte !
    Denke nicht das es hier großen Anklang finden wird …………

  3. Ich schließe mich da ebenfalls an, ich denke das man bei uns so nicht vorgehen kann, da einerseits die Belastung des Angriffstrupps größer wird und sich auch der verursachte Schaden erhöht. Das könnte nach hinten losgehen.

  4. Zur Regel sollte diese Technik wohl nicht werden aber ich würde sie schon im Hinterkopf behalten. Wenn man zu Beispiel mit Überdruck in den Angriff geht kann ich mir vorstellen das der Wasserdampf nicht mehr ein so großes Problem darstellt. Den Wasserschaden sollte man natürlich nicht außer acht lassen. Aber auch das Wasser selber sollte man nicht vergessen schließlich wird viel Wasser kontaminiert und gelangt dann in die Umwelt.
    Ich könnte mir dennoch vorstellen diese Technik im kleinerem Umfang zu benutzen um sich durch ein kleineres Schutthindernis zu kämpfen oder ähnliches. Man muss ja nicht gleich durch das ganze Gebäude mit der Technik kriechen.

    Gruß Peter

  5. Hallo!
    Ich halte die Technik auch nun für nicht sehr Sinnvoll, es seie denn man kommt ebend in eine solch besondere Situation, wie du sie hattest. Wobei eine durchnässte Einlagige Hose die sich im Brandraum dann schön als Kochender Lappen entpuppt, sicher auch nicht sehr angenehm ist.
    Die Gefahr des Wasserdampfes sehe ich hier nun eher weniger, da der Vollstrahl eben keine kleinen Tröpfchen produziert, welche eine entsprechend größere Oberfläche haben und somit auch schneller verdampfen.
    Wenn überhaupt hier sinnvoll, dann nur in besonderen Situationen und nicht ohne nachzudenken (Elektronische Leitungen beachten usw., leitende Wasserlache auf Boden!).

    In Amerika geht man ja allgemein sehr gerne mit dem „Smooth Bore“ (=Vollstrahl) vor, da wie oben erwähnt auch bei direktem Angreifen des Feuers weitaus weniger Wasserdampf entsteht als beim Sprühstrahleinsatz.
    Durchaus eine durchdringende und Effektive Methode, die man mal im Hinterkopf behalten kann, wir sollten das verwenden der verschiedenen Strahlformen nicht verlernen!

  6. Ich bin immer offen für Neues, (jetzt kommt das „aber“) aber ich sehe auch große Gefahren bei solchen Taktiken. Man muß schon einen sehr erfahrenen Truppführer im A-Trupp haben der die Lage richtig einschätzt und in der Lage ist die Taktik richtig anzuwenden.

    Da fällt mir noch eine Sache ein und zwar habe ich im Rahmen einer Führungskräfteveranstaltung mal einen sehr interresanten Vortrag von einem Brandermittler gehört, der währe von so einer Taktik bestimmt nicht begeistert wenn ich ihm die ganzen Spuren erst mal schön durcheinander mache:-))

    A

  7. Klar wäre die wariante schöner und vieleicht auch einfacher aber man muss bedebken das auch hohe kosten enstehen und zwar erst mal den Wasserschaden der verursacht wird
    den der schaden den wir unötig verusachen muss auch unser ferein bezahlen .
    Zweitens der viele heise Wasserdampf greift die Feuerschutzkleidung ganz schön an man muss bedenken das die Mempranen die in diser Kleidung vorhanden sind auch nicht alles aushalten wozu man sagen muss das die Mempranen nach 6 mal Wachen der Nomex so oder so nicht mehr zu gebrauchen sind bei den neuen.
    Das sind alles Kostenfaktoren die mann sich durch den Kopf gehen lassen muss.
    Wen mans genauer nehemmen will müste man auch an den Sprit denken für die Machinen weil so viel Wasser gebraucht wird

  8. Typische Variante von US Feuerwehren.
    Wasserschaden verhindern ist in den USA noch kein großes Thema (auch aufgrund der Holzhäuser)

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