So sieht die Ausbildung für Realbrandausbilder aus (Teil 4)

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Am dritten Tag sollte es nun für uns angehende Realbrandausbilder ernst werden: Die Ausbilderausbildung stand an. Nach dem Anziehen der persönlichen Schutzausrüstung wurde gemeinsam das Übungsgelände wie am Vortag vorbereitet und unsere überschaubare Truppe wurde in zwei Gruppen aufgeteilt, bestehend aus fünf und sechs Teilnehmern. Ziel war es, dass jede Gruppe einen der beiden ersten Durchgänge vom Vortag vorbereitet, organisiert und durchführt. Die jeweils andere Gruppe repräsentierte dabei die Teilnehmer.

Zu erkennen sind die Ventilationsmöglichkeiten der Rauchgasdurchzündungsanlage: Brandrumtüre (mittig), Rauchabzugsklappe (mittig oben), Türe (links) und Flügeltüren (rechter und linker Bildrand)

Gemeinsam wurden die Inhalte die in die jeweiligen Durchgänge gehören durchgesprochen und in eine logische Reihenfolge gebracht. Anschließend trennten sich unsere Gruppen und innerhalb jeder Gruppe wurden die Funktionen und Aufgaben verteilt. Im Folgenden möchte ich euch nun kurz einen Überblick die Ausbilderpositionen und deren Funktion während der Durchgänge geben.

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Der Einser-Ausbilder ist derjenige Ausbilder der die Anlage fährt, er regelt den Brandverlauf. Dazu nutzt er verschiedene Ventilationsmöglichkeiten die das Feuer beeinflussen. Er kann zum einen die Brandraumtüre nutzen um die Sauerstoffzufuhr zum Feuer zu regulieren. Aus diesem Grund wird der Einser-Ausbilder auch als Türmann bezeichnet.

Wie in den Beschreibungen der Durchgänge schon erwähnt, führt das Schließen der Brandraumtür zu einer Mangelversorgung des Feuers mit Sauerstoff. In dieser Situation entsteht ein enormes Volumen an Pyrolysegasen, das sich im Brandraum sammelt und sich durch die Türritzen heraus gedrückt. Durch das Öffnen der Brandraumtür wird wieder Sauerstoff in den Brandraum eingebracht, sodass ein zündfähiges Gemisch entsteht, das sich an den glühenden Oberflächen des Brandes entzündet. Es kommt zu einer Rauchgasdurchzündung mit Druckanstieg.

Mit verschiedenen Ventilationsmöglichkeiten wird das Feuer gesteuert

Bleibt die Tür allerdings zu lange geschlossen, erstickt das Feuer. Des Weiteren steht ihm die Bedienung der Rauchabzugsklappe zur Sauerstoffkontrolle zur Verfügung. Die Rauchabzugsklappe ist wie der Name schon sagt eine Klappe, die den Rauchabzug öffnet oder verschließt. Der Rauchabzug befindet in kurzer Distanz zum Brandraum beziehungsweise zur Brandraumtüre im Beobachtungsraum. Auch durch die Verwendung einer Türe in vorderen Bereich des Beobachtungsraums kann der Türmann die Luftzufuhr regulieren. Die letzte Möglichkeit der Luftregulierung wird nicht vom Einser-Ausbilder bedient, vielmehr gibt er den Befehl zur Bedienung dieser Einrichtung, den Flügeltüren am Ende des Beobachtungsraums. Mit den Flügeln sind die beiden Portaltüren des Überseecontainers gemeint. Der Dreier-Ausbilder öffnet und schließt diese Türen auf Anweisung des Einser-Ausbilders. Das Nachladen des Brandraumes mit Brennstoff, in der Regel Holzpaletten, fällt ebenfalls in die Aufgaben des Einser-Ausbilders. Neben dem Steuern des Feuers und dem Vermitteln der Lehrinhalte achtet der Türmann auch besonders auf die Teilnehmer. Er führt regelmäßig die Gesundheitsabfrage im Container durch und sorgt für das Durchtauschen innerhalb der Gruppe. Er beendet auch in der Regel den Durchgang mit Befehl „Gruppe verlässt den Container“.

Ausbilder 2 am Ende des Beobachtungsraums

ausbilder-realbrand-flashover-3Der Zweier-Ausbilder ist während des Durchgangs ebenfalls mit im Container und befindet sich am Ende des Beobachtungsraums. Während der Einser-Ausbilder die Teilnehmer von vorne sieht hat der Zweier-Ausbilder die Teilnehmer von hinten im Blick. Er achtet insbesondere auf die Teilnehmer im hinteren Containerbereich und prüft die Reaktionen auf die Gesundheitsabfrage. Für ihn können sich auch zwei Positionswechsel während der Durchgänge ergeben. Im zweiten Durchgang werden Lösch- und Kühlverfahren mit Hohlstrahlrohren und die falsche Löschtaktik gezeigt. Dazu holt der Türmann, der Einser-Ausbilder, den Zweier-Ausbilder zu sich nach vorne, damit dieser das Hohlstrahlrohr bedient. Im anderen Fall gibt der Einser-Ausbilder den Befehl „Türmannwechsel“. Dies ist beispielsweise im zweiten und dritten Durchgang der Fall, damit auch der Ausbilder keiner andauernden Hitzebelastung ausgesetzt ist. Nach dem der Türmann den Wechselbefehl gegeben hat, geht der Zweier-Ausbilder nach vorne und übernimmt die Aufgabe des Türmannes. Der Einser-Ausbilder verlässt die Anlage durch die vordere Tür und macht Pause. Er bleibt aber abrufbereit.

Einser-Ausbilder (mittig links), Zweier-Ausbilder (mittig rechts), Dreier-Ausbilder (links) und Übungsleiter (rechts)

Einser-Ausbilder (mittig links), Zweier-Ausbilder (mittig rechts), Dreier-Ausbilder (links) und Übungsleiter (rechts)

Als Ersatz für den Zweier-Ausbilder, der nun die Türmannfunktion inne hat, geht der Dreier-Ausbilder in den hinteren Bereich des Beobachtungsraums. Je nach Anzahl der verfügbaren Ausbilder wird in diesem Schema weiter rotiert. Bei vier Ausbildern übernimmt der Einser-Ausbilder, der nach dem Türmannwechsel den Container verlässt, die Position des Dreier-Ausbilders an den Flügeltüren des Containers. Dort kann er sich regenerieren und der Kreislauf ist geschlossen.

Die Aufgaben des Übungsleiters

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Nun fehlt noch der vierte Ausbilder, der Übungsleiter. Wie der Name schon sagt, leitet er die Übung und ist der ansprechbare Ausbilder außerhalb des Containers. Er achtet darauf, dass die Sicherheitsbereiche um die Übungsanlage eingehalten werden. Er gibt vor dem Durchgang die Sicherheitseinweisung und erläutert die Inhalte. Auch führt er die erste Kontrolle auf richtig angezogene Schutzkleidung durch bevor die Übungsanlage betreten wird. Des Weiteren ist er für alle anfallenden Bedürfnisse und Fragen der Teilnehmer während der Vorbereitung auf den Durchgang verantwortlich. Er beginnt und beendet auch jeden Durchgang mit einer Gesundheitsabfrage der Teilnehmer und dokumentiert diese. Er hat auch ein Auge auf die ausreichende Flüssigkeitsaufnahme der Teilnehmer.

Nach dem nun die Positionen und Aufgaben verteilt waren, wurde die einzelnen Schritte abgearbeitet. Diese sehe wie folgt aus: Die Ausbildergruppe bereitet den Durchgang vor. Dazu zählen das Laden des Brandraumes mit unbehandeltem Holz und Kontrolle von Schlauchleitung und Hohlstrahlrohr. Im Anschluss daran gibt der Übungsleiter der Teilnehmergruppe die Sicherheitseinweisung in der Anlage. Parallel dazu legen sich die anderen Ausbilder ihre Schutzkleidung und die Atemschutzgeräte an.

Nach der Sicherheitseinweisung gehts los

Nach der Sicherheitseinweisung rüstet sich auch die Teilnehmergruppe fertig aus und sammelt sich am Sicherheitsbereich der Anlage. Der Übungsleiter kontrolliert die Teilnehmer auf den richtigen Sitz ihrer Schutzkleidung und lässt nach Rücksprache mit dem Einser-Ausbilder anatmen. In dieser Zeit hat der Einser-Ausbilder mit Unterstützung des Zweier-Ausbilders das Feuer entzündet. Nach dem der Einser-Ausbilder sein OK gegeben hat, können die Teilnehmer die Anlage durch eine Türe im hinteren Bereich des Beobachtungsraums betreten. Dort wird der richtige Sitz ihrer Schutzausrüstung von dem Dreier-Ausbilder ein weiteres Mal kontrolliert. Ist dann alles in Ordnung betritt der Teilnehmer den Beobachtungsraum und bekommt vom Zweier-Ausbilder einen Sitzplatz zugewiesen. Nach dem alle Teilnehmer im Beobachtungsraum sind nehmen die Ausbilder ihre Positionen ein und der Durchgang beginnt.

Nach jedem Durchgang wird auf das richtige Ausziehen der Schutzkleidung geachtet, eine Gesundheitsabfrage durchgeführt und auf die Flüssigkeitszunahme hingewiesen. Abgerundet wird jeder Durchgang durch eine Feedbackrunde. In unserem Fall wurde die Feedbackrunde auf das Ausbilden bezogen. Die Ausbilder haben dabei der Ausbilder- und Teilnehmergruppe ein Feedback gegeben, die Eindrücke wurden ausgetauscht und diskutiert und seitens der Ausbilder wurden weitere Hinweise und Tipps gegeben. Dies wurde so auch für die restlichen Lehrgangstage beibehalten und dieser aktive Austausch hat aus meiner Sicht die ganze Praxis enorm bereichert.

Nach dem nun die eine Gruppe in Funktion der Ausbilder den ersten Durchgang abgearbeitet hat stand der zweite Durchgang an. Die Teilnehmergruppe aus dem ersten Durchgang wurde dabei zur Ausbildergruppe. Auch hier wurde wieder wie in zuvor beschriebener Manier vorgegangen. Nachdem dann am Vormittag des dritten Tages die ersten beiden Durchgänge aus Ausbildersicht durchgeführt wurden stand am Nachmittag der Wechsel von der Rauchgasdruchzüdungsanlage in das offene System an.

Näheres zum offenen System erfahrt ihr im nächsten Artikel.

Über den Autor

martin-bicking-feuerwehrlebenMartin Bicking ist passionierter Feuerwehrmann. Mit zehn Jahren trat er in die Jugendfeuerwehr ein und ist seit 2006 in der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Siershahn aktiv. Seminare und Veranstaltungen rund um das Thema Feuerwehr haben für Martin einen hohen Stellenwert. Durch feuerwehrleben.de möchte er den Erfahrungsaustausch unter Feuerwehrleuten fördern und ihnen die Möglichkeit bieten, ihr Feuerwehrwissen zu erweitern

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