Rückblick der Action Days 2016

Vom 28. bis 29. Oktober waren die Texport Action Days zu Besuch in Güglingen (BW). Wir durften der Eintagesveranstaltung beiwohnen und möchten nun unsere Eindrücke mit euch teilen.

Die Action Days der Firma Texport sind eine Ausbildungs- und Informationsveranstaltung rund um das Thema Feuerwehr, wobei der Fokus auf dem Feld Schutzkleidung liegt. Die eintägige Veranstaltung besteht aus zwei Teilen: Einem Symposium mit Fachvorträgen und einem Praxisworkshop, gegliedert in fünf Stationen.

Nach der Anmeldung wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe war im Fachsymposium während die andere Gruppe die Praxisstationen durchlief. Nach dem Mittagessen wurden die Gruppen entsprechend getauscht.

Anzeige

Der Vormittag begann mit vier interessanten Fachvorträgen

Lars Seeger von atemschutzunfaelle.eu stellte in seinem Vortrag zunächst die Arbeit von atemschutzunfaelle.eu vor. Dabei präsentierte er unter anderem Unfallzahlen für Deutschland aus den vergangenen Jahren. Die Wirkung dieser Zahlen wurde verstärkt durch die zu dem Zeitpunkt aktuellen Unfälle, bei denen Kameraden der Berufsfeuerwehr Oberhausen und der Werkfeuerwehr BASF ihr Leben ließen. Im Weiteren zeigte er anhand ausgewählter Einsätze die Schutzwirkung unserer Einsatzkleidung. Dabei ging er auch auf das Thema Wärmefenster ein: Viele Befürworter des Wärmefensters argumentieren häufig, dass die Einsatzkräfte durch die moderne Schutzkleidung so gut gegen Wärme isoliert wären, dass sie sich viel zu weit in die gefährlichen Bereiche der Einsatzstelle begeben würden. Anhand von Beispielen wurde dieses Argument entkräftet, da es auch Einsatzszenarien gibt, in denen eine vollständige Schutzkleidung Verletzungen verringerte, obwohl die Einsatzkräfte nicht wirklich tief in die Einsatzstelle eingedrungen waren. Des Weiteren gab er verschiedene Denkanstöße, die man zur Unfallvermeidung überdenken sollte. So beispielsweise die Frage nach dem möglicherweise vorhandenen zweiten Satz Schutzkleidung: Ist dieser gleichwertig mit dem ersten Satz oder besteht er nicht doch eher aus geringwertigerer Kleidung?

Membrane – In einem weiteren Vortrag wurde über den Aufbau und die Schutzwirkung von Einsatzkleidung, insbesondere aber der Membrane gesprochen. Dabei wurde auch ausführlich auf die Vorgaben der HuPF 2006 eingegangen und verschiedene Referenzwerte erklärt. Wir alle kennen das eingenähte Schild in unserer Schutzkleidung, das die Schutzkleidung der Jacke durch kryptische Zeichenfolgen diese Informationen bedeuten? Wer mehr dazu wissen möchte kann sich beispielsweise mit Hilfe des Informationsblattes basierend auf der Norm darstellt. Habt ihr euch damit mal auseinandergesetzt und gefragt was „Feuerwehrschutzkleidung – Tipps für Beschaffer und Benutzer“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung DGUV http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/i-8662.pdf informieren.

Mirkoklima – Der Titel dieses Vortrags lässt sich im ersten Moment schwer greifen aber der Inhalt packt jeden Zuhörer. Die Berliner Feuerwehr hat in Zusammenarbeit mit der Charite Berlin in einem wissenschaftlichen Projekt die Belastung der Einsatzkräfte im Atemschutzeinsatz ermittelt. Dazu wurden verschiedene Parameter wie Herzfrequenz und Körpertemperatur der Probanden während einer zuvor definierten Übung aufgezeichnet. Das Übungsszenario war ein Tunnelbrand. Simuliert wurden die Belastungen während Hinweg, Brandbekämpfung, Meschenrettung und Rückweg. Dazu durchlief ein Viermanntrupp in voller Schutzkleidung ein Wechselprogramm bestehend aus Übungen im Fitnessraum, das Durchlaufen einer Kriechstrecke und Übungen in einer holzbefeuerten Brandübungsanlage. Um diese wissenschaftliche Arbeit zu würdigen möchte ich darauf verzichten, die paar notierten Ergebnisse einfach so ohne nähere Kenntnis zu veröffentlichen. Vielmehr möchte ich kurz einige Beobachtungen nennen. Es wurden in regelmäßigen Abständen kleine Aufgaben abgefragt, in denen beispielsweise einfaches Pyramidenrechnen von den Einsatzkräften verlangt wurde. Während sie sich bei den ersten Abfragen noch eher lustig darüber gemacht haben wurde die Aufgabe nach einer gewissen Belastung nur noch mit einer Art Gleichgültigkeit abgetan. Daraus lässt sich beispielsweise schlussfolgern, dass bei Erreichen einer gewissen Belastung im Einsatz möglicherweise Befehle oder Informationen von außen zu den Einsatzkräften nur noch wahrgenommen werden, aber nicht mehr verstanden und umgesetzt. Auch eine interessante Beobachtung sind die Auswirkungen einer aktiven Kühlung der Einsatzkräfte. Gegen Ende des Versuchs wurde auch eine aktive Kühlung in der Schutzkleidung der Einsatzkräfte getestet. Resultat war ein schnelles Sinken der Belastungsparameter. Zwar nicht zurück in einen „Normalbereich“ aber so, dass die Einsatzkräfte neue Kraft schöpfen konnten. Dies könnte beispielsweise den Einsatzkräften helfen, einen sicheren Rückzug aus dem Einsatzgeschehen durchzuführen indem die aktive Kühlung ihnen Kraftreserven zur Verfügung stellt.

Einsatzkleidung – Marcus Kühn von der Firma Texport stellte die Schutzkleidungsprodukte vor, wobei er immer wieder Bezug auf die zuvor gehörten Themen nahm. Dabei konnte man Eines sehr schnell feststellen: Moderne Schutzkleidung kann und darf man nicht einfach mal mehr beiläufig kaufen. Alleine Texport kann Schutzkleidung in weit über 100 Ausführungen liefern. Überstoffe, Membranen, Relfexstreifen, aber auch Dinge wie integrierte Gurtsysteme und Rettungsschlaufen machen die heutige Schutzkleidung zu einem komplexen System. Dazu kommen technische Leistungsmerkmale wie die Werte für Hitzedurchgang Flamme und Hitzedurchgang Strahlung die verstanden und für die eigenen Bedürfnisse bewertet werden müssen. Auch sollte die gesamte Schutzkleidung mit in die Planungen eingehen. Stiefel, Handschuhe, Helme und auch die Flammschutzhaube sollten zu der Kleidung und umgekehrt passen. Auch die Pflege und Reparatur von Schutzkleidung sind Überlegungen, die in eine Schutzkleidungsbeschaffung gehören. Neben dem Aushändigen der Schutzkleidung an die Kammeraden sollte auch eine Einweisung in Kleidung und die gesamte Schutzausrüstung erfolgen. Das klingt jetzt vielleicht übertrieben oder trivial, aber um die größtmögliche Sicherheit zu erreichen muss das Zusammenspiel passen.

Praxisnachmittag  mit vielen Tipps und Tricks

Die Gruppe wird im Praxisteil noch einmal in 3er-Trupps unterteilt. Jedem Trupp steht ein Ausbilder zur Verfügung, der die Teilnehmer durch alle fünf Stationen begleitet. Unser Trupp begann an der Station „Allgemeine Tipps und Tricks“. Hier wurde beispielsweise ein akkubetriebener Lüfter für den Einsatz in Gebäuden vorgestellt. Dieser kann vom Angriffstrupp mitgenommen werden und unmittelbar vor der Brandwohnung in Stellung gebracht werden. Auch wurde eine einfache Falttechnik des Rauchschutzvorhangs gezeigt, sodass er im Einsatz ohne das Abwickeln des Schutzvorhangs eingesetzt werden kann.

An der nächsten Station ging es um den Atemschutznotfall. Dort wurde der Umgang mit dem Rettungstuch geübt und eine Notfalltasche vorgestellt. Doch der interessanteste Punkt war die Vorstellung von in die Schutzkleidung integrierten Rettungsschlaufen. Solch eine befindet sich beispielsweise am Nacken der Überjacke. Dort kann eine Schlaufe entnommen werden, an der der Rettende den Verunfallten ziehen kann. Dabei umschließt die Schlaufe die Brust des Trägers und ermöglicht dadurch eine ideale Kraftübertragung und Sicherung des Verunfallten. Ebenso wurden Trageschlaufen an einer Überhose gezeigt, die ebenfalls die Rettung erleichtern sollen.

Die darauffolgende Station beschäftigte sich mit Absturzsicherungssystemen. Auch hier wurden wieder verschiedene Lösungen vorgestellt. Neben dem klassischen Feuerwehrsicherheitsgurt wurde ein Atemschutzgerät vorgeführt, das ein integriertes Gurtsystem enthält. Solche ein System bildet eine elegante Lösung für das Problem des zeitgleichen Tragens von Pressluftatmer und Feuerwehrsicherheitsgurt. Des Weiteren konnten auch in Überjacken integrierte Gurtsysteme ausprobiert werden. Beim Arbeiten an einer schiefen Ebene ebenso wie beim Arbeiten im Gurtsystem hängend überzeugten die integrierten Gurtsysteme. Insbesondere die leichte Bedienung beeindruckte im Selbsttest.

An der vorletzten Station ging es um Schlauchmanagement und Hohlstrahlrohrtraining. Hier möchte ich die Packmethode 7-2-Go eines Schlauchtragekorbs erwähnen. Unter folgendem Link http://www.innenangriff.com/wp-content/uploads/2012/09/7-2-GO_Innenangriff_V1.2.pdf gibt es eine bebilderte Pack- und Bedienungsanleitung. Probiert es mal aus, vielleicht ist das auch eine Idee für eure Feuerwehr.

Den Abschluss bildete ein Durchgang durch eine Wärmegewöhnungsanlage. Hier sollten die Teilnehmer mal die Möglichkeit der Wärmeerfahrung haben. In einer kleinen, mobilen Wärmeerfahrungsanlage konnten die unterschiedlichen Temperaturen erlebt werden. Auch die Auswirkungen der Wasserdampfbildung wurden gezeigt.

An dieser Stelle möchte ich mich bei den Referenten und den Ausbildern der Texport Action Days bedanken. Es war eine gelungene Veranstaltung mit vielen Informationen zu moderner Schutzkleidung und vielen Tipps und Tricks aus der Praxis für die Praxis.

Über den Autor

martin-bicking-feuerwehrlebenMartin Bicking ist passionierter Feuerwehrmann. Mit zehn Jahren trat er in die Jugendfeuerwehr ein und ist seit 2006 in der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Siershahn aktiv. Seminare und Veranstaltungen rund um das Thema Feuerwehr haben für Martin einen hohen Stellenwert. Durch feuerwehrleben.de möchte er den Erfahrungsaustausch unter Feuerwehrleuten fördern und ihnen die Möglichkeit bieten, ihr Feuerwehrwissen zu erweitern

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*