Realbrandausbildung: Unterschied zwischen Rauchgasdurchzündungsanlage und dem offenen System (Teil 5)

offenes-system-schwedisches-system

Wie im letzten Artikel angekündigt möchte ich euch heute das offene System vorstellen. Doch wo liegt der Unterschied zwischen einer Rauchgasdurchzündungsanlage und dem offenen System, das auch als schwedisches System bezeichnet wird.

Bauliche Trennung der RDA: links höher liegender Brandraum, rechts großer Beobachtungsraum

Bauliche Trennung der RDA: links höher liegender Brandraum, rechts großer Beobachtungsraum

Die Rauchgasdurchzündungsanlage besteht aus zwei Räumen, die in der Regel auch baulich voneinander getrennt sind. Dies ist häufig durch zwei separate Container realisiert. Ein kleiner Container wird als Brandraum benutzt während ein großer Container als Beobachtungsraum dient. Der Boden des Brandraumcontainers liegt dabei auf einem höheren Niveau als der Boden des Beobachtungsraums. Dieser Höhenunterschied dient der Sicherheit der Teilnehmer und soll vor zu extremer Wärmebelastung schützen.

Anzeige

Die beiden Räume sind durch eine Wand mit Türe voneinander getrennt. Diese Tür repräsentiert die im Einsatzfall wichtige Isolierung zum Brandraum hin. Zudem wird über diese Türe die Luftzufuhr des Brandraumes reguliert und somit Einfluss auf den Brand genommen.

Was versteht man unter offenem System?

Das offene System hingegen besteht meistens nur aus einem Container. Die Nutzung dieses Containers ist ähnlich der Nutzung der Rauchgasdurchzündungsanlage, nur dass es keine räumliche Trennung gibt. Am einen Ende des Containers brennt das Feuer während am anderen Ende die Teilnehmer sitzen und den Brand beobachten. Auch der Höhenunterschied entfällt, weshalb die Wärmeerfahrung eine andere ist als in einer RDA. Im offenen System ist der Brand besser zu beobachten, da das Feuer über die gesamte Raumbreite zu sehen ist. Somit können bestimmte Begebenheit die während des Brand auftreten deutlicher erkannt werden.

Offenes System in Betrieb

Offenes System in Betrieb

Dazu zählen beispielsweise die Pyrolyse, das Ausgasen der thermisch aufbereiteten Oberflächen und auch die Raumdurchzündung, das Entzünden aller brennbaren Oberflächen. In diesen Übungsanlagentypen lassen sich die Brandbekämpfungsmethoden mittels Hohlstrahlrohr sehr gut ausbilden und trainieren, da sich der Brand und die Einsatzkräfte in einem realitätsnahen Szenario befinden.

Diese Brandbekämpfungsmöglichkeiten gliedern sich in drei Methoden:

  • Rauchkühlung
  • Raumkühlung
  • Direkte Brandbekämpfung

Diese drei Methoden sind auch in der DIN 14011 „Begriffe aus dem Feuerwehrwesen“ definiert. Bei der Gebäudebrandbekämpfung wird immer eine Kombination aus diesen Methoden angewandt.

Die Rauchkühlung

Die Rauchkühlung ist wie folgt definiert: „Kühlung des Brandrauchs zur Eigensicherung vorgehender Einsatzkräfte durch Abgabe eines Sprühstrahls aus Hohlstrahlrohren unter Anwendung einer dynamischen Strahlrohrführung.“ Ihre Löschwirkung zielt hauptsächlich auf die Flammen und die Gasphasen eines Feuers ab. Eine Rauchkühlung alleine wird niemals zum Erfolg führen, denn sie dient ausschließlich der Sicherung des Angriffsweges bis eine direkte Brandbekämpfung eingeleitet werden kann.

Die wohl bekannteste und am meisten ausgebildete Variante der Rauchkühlung ist das Impulskühlverfahren. Bei diesem Verfahren hält der Strahlrohrführer das Hohlstrahlrohr in einem Winkel von 45 Grad zur Decke und gibt beispielsweise drei Impulse von links über die Mitte nach rechts in die Rauchsicht ab. Dabei beträgt der Sprühstrahlwinkel rund 60 Grad. Das in die Rauchsicht eingebrachte Wasser soll diese soweit kühlen, dass keine Rauch- oder Raumdurchzündung mehr stattfinden kann. Des Weiteren inertisiert das Wasser die im Raum befindliche Atmosphäre und mildert beziehungsweise verhindert ein Zünden der Rauchgase. Zuletzt löscht das Wasser eine schon in Brand stehende Rauchschicht. Die Frage nach der Impulslänge kann nicht so einfach beantwortet werden. Sie ist von verschiedenen Faktoren wie Brandbedingungen und Raumgeometrien abhängig. In der Regel haben sich allerdings Impulse mit einer Dauer von einer Sekunde für Zimmerbrände in normaler Bebauung durchgesetzt. Reichen diese Impulse zur Stabilisierung der Situation nicht aus, so können entweder mehrere Impulse nacheinander angegeben werden oder die Impulsdauer wird vergrößert. Bei der Anwendung der kurzen Impulse sei noch erwähnt, dass diese regelmäßig abgegeben werden müssen, da die geringe Wassermenge im Allgemeinen nicht ausreicht um nach einmaliger Anwendung die Rauchsicht über einen längeren Zeitraum zu kühlen.

Die Kombination aus Rauch- und Raumkühlung = Rauchimpulslöschmethode

offenes-schwedisches-system-3

Eine weitere Methode der Rauchkühlung stellt die Raumimpulslöschmethode da, wobei sie eher eine Kombination aus Rauch- und Raumkühlung ist. Sie ist oftmals auch unter den Begriffen „Up & Down“ oder „Shark“ bekannt. Diese Methode kommt bei fortgeschrittenen Bränden zum Einsatz, wenn das Betreten eines Raumes durch die Brandintensität nicht mehr möglich ist oder aber wenn entsprechend Abstand zum Feuer gehalten werden muss. Wie ausführlicher in diesem Bericht beschrieben öffnet der Strahlrohrführer das Hohlstrahlrohr mit einem sehr breiten Strahlwinkel. Während das Strahlrohr geöffnet bleibt, wird der Strahlwinkel kontinuierlich reduziert, bis der Löschmittelstrahl die gegenüberlegende Raumwand erreicht oder das Brandgut benetzt. Dann wird die die Wasserabgabe gestoppt, das Wasser wirken lassen und der Erfolg kontrolliert. Bei dieser Methode wird neben der Rauchkühlung auch bewusst die Benetzung der brennbaren Oberflächen insbesondere der Wände und der Decke herbei geführt.

Dadurch ergibt sich die zuvor erwähnte Kombination aus Rauch- und Raumkühlung. Je nach Größe des Raumes muss der Strahlrohrführer das Hohlstrahlrohr etwas Richtung Boden neigen, damit der gesamte Deckenbereich gekühlt werden kann. Die Impulslänge liegt hier in der Regel zwischen 5 bis 10 Sekunden. Diese ist aber ebenfalls abhängig von Faktoren wie Brandintensität und Raumgeometrie. Bei breiten Räumen kann die Raumimpulslöschmethode beispielsweise nacheinander durchgeführt werden um die gesamte Breite des Raumes abzudecken. Dazu wird diese Methode einmal mit nach rechts gehaltenem Löschmittelstrahl und anschließend mit nach links gehaltenem Löschmittelstrahl durchgeführt. Alternativ kann der Strahlrohrführer das Rohr beim Verstellen des Strahlwinkels auch kontinuierlich von rechts nach links und zurück wandern lassen. Durch diese Wischbewegung wird ebenfalls die gesamt Raumbreite abgedeckt.
Vereinzelt findet man in der Realbrandausbildung auch noch Impulsverfahren für die Rauchkühlung bei denen Zeichen mit dem Hohlstrahlrohr und Sprühstrahl in die Rauchsicht geschrieben werden. In der Regel sind diese Zeichen ein Kreis sowie eine liegende oder stehende Acht.

Den Brandraum kühlen

Situation vor der direkten Brandbekämpfung

Situation vor der direkten Brandbekämpfung

Die Raumkühlung ist wie folgt definiert: „Kühlung der Brandraumoberflächen durch Abgabe größerer Wassermengen in den Brandraum, z.B. zur Vorbereitung des Eindringens der Einsatzkräfte.“ Ihre Löschwirkung zielt hauptsächlich auf Oberflächen und feste Stoffe. Als Nebeneffekt tritt bei der Raumkühlung auch eine Rauchkühlung mit ein, da durch den an den heißen Oberflächen entstehende Wasserdampf auch eine Kühlung und Inertisierung der Rauchgase stattfindet.
Das Kühlen der brennenden oder brennbaren Oberflächen und die Wasserdampfbildung sind die zwei Löschwirkungen der Raumkühlung. Beide finden an Oberflächen des Raumes statt.
Zur Verhinderung von Pyrolyse werden mittels situationsabhängig geeignetem Löschmittelstrahl, Sprüh- oder Vollstrahl, die Raumwände und Einrichtungsgegenstände gekühlt. Diese Kühlung kann das noch nicht eingetretene Ausgasen der brennbaren Oberflächen verhindern, stoppen oder schon brennende Oberflächen löschen. Aus zuvor genannten Gründen sollte die Raumkühlung bei Bränden insbesondere mit vielen brennbaren Oberflächen eingesetzt werden. Dadurch lässt sich die Situation sichern und stabilisieren bevor zur direkten Brandbekämpfung übergegangen werden kann.

Situation nach der direkten Brandbekämpfung

Situation nach der direkten Brandbekämpfung

Wie bei allen anderen Brandbekämpfungsmethoden auch sollte nach deren Durchführung eine Erfolgskontrolle stattfinden und dann ergebnisbezogen reagiert werden. Für die Raumkühlung eignen sich besonders ein flacher Sprühstrahl oder ein Vollstrahl, zu wählen nach den Faktoren Raumgröße und Brandintensität.

Die direkte Brandbekämpfung ist wie folgt definiert: „Unmittelbares Vorgehen zum Löschen eines Brandes im Gebäudeinneren unter Anwendung einer dynamischen Strahlrohrführung, bei der der Löschmitteleinsatz gezielt erfolgt.“ Wie bei der Raumkühlung auch zielt die Hauptlöschwirkung der direkten Brandbekämpfung auf Oberflächen und feste Stoffe ab. Der geforderte „ gezielte“ Löschmitteleinsatz führt bei der direkten Brandbekämpfung zu einer unabdingbaren Lageeinschätzung durch den Strahlrohrführer. Dieser muss den Löschmitteleinsatz an die vorgefundene Brandintensität beziehungsweise das Brandstadium anpassen.
Bei Klein- und Entstehungsbränden, die sich in der Regel noch im brennstoffkontrollierten Zustand befinden, sollte das Hauptaugenmerk auf die Schadensminimierung gelegt werden. Dazu wird der Brand mit kurzen Löschimpulsen im Sprühstrahl abgelöscht und dann gegebenenfalls ins Freie gebracht um dort eventuell notwendige Nachlöscharbeiten zu verrichten.
Bei weit entwickelten beziehungsweise fortgeschrittenen Bränden befindet sich das Ausmaß des Brandes im Bereich des größtmöglichen Schadens und deshalb sollte hier das Augenmerk auf die Verhinderung der Ausbreitung bei größtmöglicher Sicherheit des eingesetzten Trupps gelegt werden. Dazu gehört neben der Sicherung des Angriffsweges durch die Rauchkühlung und eine Umgebungsstabilisierung durch die Raumkühlung eine direkte Brandbekämpfung der Flammen und Glut. Der Strahlrohrführer nutzt einen schmalen Sprühstrahl oder einen Vollstrahl. Diese haben den Vorteil, dass das Wasser direkt in den Flammen und der Glut wirken kann und nicht vorher verdampft. Darüber hinaus wird ein Eindringen des Löschwassers in das Brandgut erreicht und durch die größere Wurfweite kann der Trupp einen größeren Abstand zum Brand halten, was wiederum die Temperaturbelastung der Einsatzkräfte reduziert. Wichtig ist, dass dabei die größtmögliche Fläche an bren

nenden Oberflächen durch das Löschwasser benetzt werden. Dazu kann der Strahlrohrführer beispielsweise mit dem flachen Sprühstrahl oder Vollstrahl einen Löschimpuls in Form eines Kreises auf das Feuer abgeben. Alternativ können drei Löschimpulse abgegeben werden: Der erste auf Deckenhöhe von linker oder rechter Raumseite bis auf die gegenüberliegende Raumseite. Der zweite auf mittlerer Raumhöhe auch wieder von der linken oder rechten Raumseite auf die Gegenüberliegende. Zum Schluss wird ebenfalls von der linken oder rechten Raumseite ein Löschimpuls abgegeben. Dieser sollte auf Bodenhöhe oder auf die Höhe der meisten Glut gerichtet sind, um den Brand niederschlagen zu können.
Wie bei allem Brandbekämpfungsmethoden hat auch hier der Strahlrohrführer eine Erfolgskontrolle durchzuführen. Bei Eintreten des Löscherfolgs kann der Trupp im weiteren Verlauf näher an den Brand vorrücken und diesen noch gezielter löschen. Dabei ist auch weiterhin die Umgebungssicherung durch Rauchkühlung und oder Raumkühlung zu beachten.

offenes-schwedisches-system-4Gute Ausbildung mit dem Hohlstrahlrohr notwendig

An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass der Umgang mit dem Hohlstrahl intensiv ausgebildet und trainiert werden muss. Dies beginnt schon mit der Frage wie sich das Sprühbild verändert je nach dem in welche Richtung das Stellorgan gedreht wird. Stellt euch einfach mal diese Frage ohne euch ein Hohlstrahlrohr anzuschauen, denn das könnt ihr im Brandfall auch nicht wirklich erkennen. Aber die Antwort auf diese Frage ist essenziell für eine professionelle Brandbekämpfung. Bei der Ausbildung sollte zunächst das Augenmerk auf die durch das Hohlstrahlrohr vorgegebenen Sprühbilder gelegt werden. Mit diesen sind alle zuvor beschriebenen Verfahren effizient durchführbar und sie reduzieren den Stress- und Fehlerpegel bei der Anwendung.

Darüber hinaus möchte ich euch noch eine Buchempfehlung mit auf den Weg geben: Das Buch „Brandbekämpfung im Innenangriff“ aus der Reihe Einsatzpraxis des ecomed Verlags ist die ideale Grundlage für den wissbegierigen Atemschutzgeräteträger und eine Pflichtlektüre für all diejenigen, die Ausbildung im Bereich Brandbekämpfung im Innenangriff durchführen. Es ersetzt nicht die praktische Ausbildung, doch die Autoren verstehen es, wissenschaftlich fundierte Inhalte feuerwehrtauglich zu vermitteln. Mit Adrian Ridder, Ulrich Cimolino, Martin Fuchs, Jan Südmersen und Guido Volkmar hat sich ein Autorenteam gefunden, dass über umfangreiches Wissen und enorm viel Erfahrung in der Innenbrandbekämpfung verfügt und dieses durch das genannte Buch der Feuerwehrwelt offenlegt. Dieses Buch diente unter anderem als Quelle für Teile dieses Artikels.

Im nächsten Artikel berichte ich euch von dem vierten Tag des Ausbilderkurses. Dort wird es unter anderem um die Planung, Organisation und Durchführung einer Übung gehen.

Über den Autor

martin-bicking-feuerwehrlebenMartin Bicking ist passionierter Feuerwehrmann. Mit zehn Jahren trat er in die Jugendfeuerwehr ein und ist seit 2006 in der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Siershahn aktiv. Seminare und Veranstaltungen rund um das Thema Feuerwehr haben für Martin einen hohen Stellenwert. Durch feuerwehrleben.de möchte er den Erfahrungsaustausch unter Feuerwehrleuten fördern und ihnen die Möglichkeit bieten, ihr Feuerwehrwissen zu erweitern

1 Kommentar zu Realbrandausbildung: Unterschied zwischen Rauchgasdurchzündungsanlage und dem offenen System (Teil 5)

  1. Hallo Martin,
    erst einmal ein großes Lob für die sehr interessant geschriebenen Artikel zum Thema Realbrandausbildung.

    Eine Anmerkung hätte ich allerdings noch zum Thema „Raumkühlung“: In unserer Ausbilderschulung wurde deutlich darauf hingewiesen, dass diese Methode nur mit passendem HSR (große Durchflussmenge über 100 l/min) durchgeführt werden sollte. Hintergrund, ich muss in kurzer Zeit möglichst viel Wasser an die entsprechenden Stellen bringen damit es kühlen und verdampfen kann.
    Und dann noch der deutliche Sicherheitshinweis, dass nach einer Raumkühlung die Türe zum Brandraum zu schließen ist, der Trupp sich also erst mal eine Zeitlang außerhalb des Raumes aufhält. Ansonsten besteht Verbrühungsgefahr durch die großen Mengen des entstehenden Wasserdampfs.

    Ist diesbezüglich bei euer Ausbildung etwas gesagt worden? Für mich klingt es sehr plausibel und ich bilde es auch so aus.

    Viele Grüße
    Andreas

1 Trackbacks & Pingbacks

  1. Der vierte Tag in der Rauchgasdurchzündungsanlage (Teil 6) | feuerwehrleben.de

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*