Flammenüberschlag auf Nachbargebäude – so schnell kann es gehen

Bildquelle: Feuerwehr Oberstdorf

Liest man historische Dokumente fällt einem auf, dass ganze Städte oftmals ein Raub der Flammen geworden sind. In unserer hochtechnisierten Welt mit einer Vielzahl an Brandschutzvorschriften ist so etwas kaum noch möglich. Dass ein Brand aber rasend schnell außer Kontrolle geraten kann zeigt ein Großbrand vor ein paar Wochen in Oberstdorf.

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Flammenüberschlag auf das Nachbargebäude (Quelle: Feuerwehr Oberstdorf)

Flammenüberschlag auf das Nachbargebäude (Quelle: Feuerwehr Oberstdorf)

Gerade für junge Feuerwehrler ist das Abschirmen von Gebäude wohl einer der ödesten Jobs. Nebenan steht eine Halle im Vollbrand und man selbst ist damit beschäft ein Nachbarhaus mit Wasser zu berieseln. Wie wichtig dies ist zeigt aber ein Einsatz der Feuerwehr Oberstdorf. Schon beim Eintreffen der Freiwilligen Feuerwehr Oberstdorf stand im Zentrum der Gemeinde eine Stallung im Vollbrand und hatte bereits auf den Dachstuhl des Nachbargebäudes übergegriffen. Hier sieht man wie schnell es gehen kann wenn angrenzende Gebäude nicht abgeschirmt werden. Nach Aussage der Einsatzkräft vor Ort war die Hitzestrahlung so groß, dass in knapp 50 Meter Entfernung Scheiben platzten. Einige Feuerwehrleute spürten sogar auf der Anfahrt zum Gerätehaus die enorme Hitze im Fahrzeug.

Einsatzkräfte beim Abschirmen der Hitzestrahlung  (Quelle: Feuerwehr Oberstdorf)

Einsatzkräfte beim Abschirmen der Hitzestrahlung (Quelle: Feuerwehr Oberstdorf)

Ein solches Einsatzszenario hatte ich bisher noch nie. Zwar stand schon einige male eine Gebäude im Vollbrand, dass das Feuer allerdings schon auf andere Gebäude übergesprungen ist noch nicht. Erschwerend kam für die ersteintreffenden Kräfte der Feuerwehr Oberstdorf noch hinzu, dass elf Personen evakuiert werden mussten. Aber werfen wir doch mal ein Blick auf die Gefahrenmatrix, denn bei diesem Feuerwehreinsatz können wir doch recht viele Punkte mit ja beantworten:

Angstreaktion: ja -> die Personen in unmittelbarer Gefahr, evtl. auch die Einsatzkräfte selbst (Stress)
Atemgifte: ja
Atomare Gefahren: nein
Ausbreitung: ja
Chemische Stoffe: nein (evtl. Düngemittel, eher unwahrscheinlich da Rauch schwarz/grau ist)
Explosion: nein
Erkrankung & Verletzung: ja -> Personen (Rauchgasinhalation)
Einsturz: ja -> Brennender Stall
Elektrizität: nein -> auf den Bildern ist zumindest keine Stromleitung zu erkennen

Wer sich übrigens wundert warum ich bei Angstreaktion die Einsatzkräfte selbst hin schreibe. Gewisse Einsatzszenarien verursachen bei Feuerwehranhgehörigen Stress. Gerade in der vorgefunden Lage ist vor allem der Gruppenführer gefordert trotz der widrigen Umstände Ruhe und Struktur in die Einsatzstelle zu bringen. Ansonsten ist die Verunsicherung in der Mannschaft groß und der Einsatz wird noch chaotischer.

Vorbereitung des Innenangriffs  (Quelle: Feuerwehr Oberstdorf)

Vorbereitung des Innenangriffs (Quelle: Feuerwehr Oberstdorf)

Als wichtigster Punkt ist aber meines Erachtens die Gefahr für die zu evakuierenden Personen sowie die Ausbreitung des Feuers. Das heißt der Großteil der Mannschaft wird sich um die Rettung kümmern und ein Trupp mit der Brandbekämpfung beim gegenüberliegenden Gebäude beginnen. Mehr wird erstmal nicht drin sein. Ach, und der Gruppenführer bzw. Maschinist sollte auch schauen, dass die Fahrzeuge im entsprechenden Abstand aufgestellt werden, nicht dass man noch das eigene Fahrzeug löschen muss :-).

Nun würde mich interessieren ob Ihr selbst auch schon so einen Einsatz hattet und wie ihr den Ersatangriff gestaltet habt?

Vielen Dank auch an Thomas Speiser von der Freiwilligen Feuerwehr Oberstdorf für die Informationen und Bilder.

Weitere Einsatzbilder

Massive Brandentwicklung (Quelle: Feuerwehr Oberstdorf)

Massive Brandentwicklung (Quelle: Feuerwehr Oberstdorf)

Brandbekämpfung über Drehleiter (Quelle: Feuerwehr Oberstdorf)

Brandbekämpfung über Drehleiter (Quelle: Feuerwehr Oberstdorf)

4 Kommentare zu Flammenüberschlag auf Nachbargebäude – so schnell kann es gehen

  1. Man kann aber auch weniger Personalintensiv mithilfe eines Hydroschildes abschirmen, dann allerdings nur gegen Funkenflug. Wärmestrahlung geht durch.

  2. Würde ich jetzt nicht so sagen. Das Hydroschild verbraucht ja doch eine Menge Wasser ohne erstmal irgendwas aktiv zu Kühlen. Zur Prävention vielleicht ganz gut wenn man eine funktionierende Wasserversorgung hat. Ansonsten ist man mit 2 C-Rohren zur direkt Kühlung eines Betroffenen Objektes weitaus besser bedient.

    Gruß,

    Eric

  3. Hallo wir hatten in unserer stadt auch einen ähnlichen brand wenn nicht gar noch größeren Brand…… denn bei uns standen gleichzeitig 6 Dachstühle in Flammen.ich denke mal ihr habt es mitbekommen was in Apoldas Innenstadt,oder?Es kam aber erschwerend dazu das es in der Nacht sehr kalt war – 14° grad. Ich denke das ein hydroschild in diesem fall nicht viel gebracht hätte.. aber ansonsten aber ne klasse Sache ist. Aber ich kann die Oberstdorfer Kamarden voll verstehen weil es ist unglaublich wie schnell sich Feuer ausbreiten kann. Frage habt ihr durch Zufall Brandschutzwände gehabt? Ich wünsch es niemanden ein solches Feuer aus machen zu müssen wo man praktisch keine Chance hat!
    Mit kameradschaftl. Gruß Sebastian

  4. Moin, wir hatten tatsächlich ein ähnliches Szenario… Ein warmer Sommertag, und dann gegen Nachmittag ein Gewitter. Es kam wie es kommen musste, die FME´s gingen los, brennt Retdach nach Blitzeinschlag. Als wir ankamen stand schon fest, die Scheune war nicht mehr zu retten. Ich bekam zusammen mit einem Truppmitglied den Befehl, das Nachbargebäude zu kühlen. Im Fahrzeug selbst dachte ich noch ,,hmm, wie öde, gerade Atemschutzlehrgang bestanden und dann defensiv……“ aber als wir dann das erste Rohr vorgenommen hatten, hielten wir es ohne Visiere selbst in größerer Entfernung nicht mehr aus, sogar das Wasser am Nachbarhaus verdampfte extrem schnell. Ohne Kühlung hätte sich der Brand mit Sicherheit ausgebreitet. Das war für mich das heftigste Erlebnis zum Thema Wärmestrahlung.

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