Feuerwehren des Landkreises Lichtenfels beschaffen 5 TLF 4000

Im Landkreis Lichtenfels (Bayern) wurden fünf baugleiche TLF 4000 im Zuge einer interkommunalen Zusammenarbeit bestellt. Die Fahrzeuge auf Iveco Fahrgestellen mit Magirus Aufbau sollen Ende 2013 ausgeliefert werden.
Bildquelle: Iveco Magirus

Bildquelle: Iveco Magirus

Die Kommunen Lichtenfels, Burgkunstadt, Bad Staffelstein, Michelau i.OFr. sowie Küps fanden nach einer monatelangen Planungsphase ein einheitliches Fahrzeugkonzept. Aufgrund dieser Zusammenarbeit wurde der Zuschuss vom Land Bayern für jedes Fahrzeug um zehn Prozent erhöht. Somit betragen die Zuschüsse pro Fahrzeug pauschal 97.000 Euro plus 10% vom Kaufpreis.

Die Fahrzeuge werden auf einem Iveco 150 E 30 W mit 299 PS aufgebaut. Das Fahrgestell hat permanenten Allradantrieb sowie Single-Bereifung. Die Zulässige Gesamtmasse beträgt 15 Tonnen. An Bord werden sich 4500 Liter Löschwasser, 500 Liter Schaummittel, von denen 200 Liter alkoholbeständig sind, befinden. Außerdem werden 12 kg ABC Pulver, 10 kg Kohlendioxid sowie 12 kg Metallbrandpulver verlastet sein. Um für Waldbrände gerüstet zu sein sollen 2 Löschrucksäcke auf den Fahrzeugen untergebracht werden.

Die vollständige Beladung kann auf der Seite der Feuerwehr Michelau in Oberfranken eingesehen werden.

Quellen: Feuerwehr-Michelau, Facebookseite Michelau, Bayerisches Innenministerium

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7 Kommentare zu Feuerwehren des Landkreises Lichtenfels beschaffen 5 TLF 4000

  1. Grundsätzlich sind ja gemeinsame Beschaffungen begrüßenswert. Aber:
    – Wozu in aller Welt brauchen Gemeinden mit << 10.000 Einwohner ein TLF 4000 mit Sonderlöschmittel und allem Drum und Dran?
    – Wozu in aller Welt braucht das Fahrzeug nochmal eine halbe Tonne Wasser mehr, als normativ vorgesehen? Das macht es schwerer und damit fürd Gelände (Waldbrand…) untauglicher.
    – Wozu braucht ein Fahrzeug mit Truppbesatzung vier PA?!?
    – Wozu braucht man putzige Hochdrucklöscher, wo es die einfache Kübelspritze auch tun würde? Die kostet einen Bruchteil und ist auch noch leichter.
    – Wozu sind da CSA (wenn auch leichte) an Bord? Das wäre mit das letzte, was ich auf einem TLF, dem Sonderfahrzeug für die Brandbekämpfung erwarten würde.
    – Wozu sind zusätzlich zu den ohnehin normativ vorgegebenen Hohlstrahlrohren nochmal Mehrzweckstrahlrohre an Bord?
    – Wozu der Zumischer, wo eine Druckzumischanlage verbaut ist?

    Ich werde das Gefühl nicht los, dass auch hier wieder Wunderwuzzis gebaut werden.

    Viele Gemeinden haben offenbar auch nicht im Blick, dass DAS Tanklöschfahrzeug für kleine und mittlere Gemeinden, das universell einsetzbar sein soll, mit einem gewissen Schwerpunkt auf Wald- und Flächenbrandbekämpfung, das TLF 3000 ist. Ich wundere mich, warum davon so wenige beschafft werden. Dabei wären die preisgünstiger und leichter.

  2. – Wozu in aller Welt brauchen Gemeinden mit < Weil entsprechendes Gefährdungspotenzial mit Industriebetrieben, Waldgebieten, Autobahn etc. vorhanden ist. Andersrum: Wozu brauchen Gemeinden mit > 10.000 Einwohnern ein TLF 4000?

    – Wozu in aller Welt braucht das Fahrzeug nochmal eine halbe Tonne Wasser mehr, als normativ vorgesehen? Das macht es schwerer und damit fürd Gelände (Waldbrand…) untauglicher.
    -> Weil es leider immer noch Kameraden gibt, die der Meinung sind, dass Wasser das Allheilmittel schlechthin ist. Die Fahrzeuge werden 15.000 kg zGM haben, davon abgesehen: Gibt es bei Euch keine Waldwege?

    – Wozu braucht ein Fahrzeug mit Truppbesatzung vier PA?!?
    -> Weil das Fahrzeug (Michelau)in der Dispogruppe ABC gemeinsam mit dem RW ausrückt und die Pressluftatmer für die CSA-Trupps stellt.

    – Wozu braucht man putzige Hochdrucklöscher, wo es die einfache Kübelspritze auch tun würde? Die kostet einen Bruchteil und ist auch noch leichter.
    -> Gute Frage. Sehe ich auch so, wurde aber von der Mehrheit der beteiligten Wehren so beschlossen. Zumal die Kübelspritze m.E. keine Normbeladung mehr ist.

    – Wozu sind da CSA (wenn auch leichte) an Bord? Das wäre mit das letzte, was ich auf einem TLF, dem Sonderfahrzeug für die Brandbekämpfung erwarten würde.
    -> Fahrzeug fährt in der Dispogruppe ABC mit RW raus. Die Einweganzüge sind für Notfall-Dekontamination gedacht, deshalb auch die Notfall- und Dekonwanne. Die vier Anzüge machen das Fahrzeug übrigens um satte 80 Euro teurer.

    – Wozu sind zusätzlich zu den ohnehin normativ vorgegebenen Hohlstrahlrohren nochmal Mehrzweckstrahlrohre an Bord?
    -> Hast Du schon mal bei einem Waldbrand mit Güllefässern gearbeitet? Wenn die nicht ganz sauber sind – und das sind sie in der Regel nicht – setzt dein Hohstrahlrohr noch schneller zu als ein BM/CM.

    – Wozu der Zumischer, wo eine Druckzumischanlage verbaut ist?
    -> Weil es die Bayern so haben wollen. Siehe Beladeplan SFS Regensburg, der für ganz Bayern verbindlich ist.

    Fragen? Gerne? Übrigens: Alles meine höchstpersönliche Meinung und nicht die meiner Feuerwehr

  3. >Weil entsprechendes Gefährdungspotenzial mit Industriebetrieben, Waldgebieten, Autobahn etc. vorhanden ist. Andersrum: Wozu brauchen Gemeinden mit > 10.000 Einwohnern ein TLF 4000?

    Nochmal: Warum tut es nicht das TLF 3000?
    Davon abgesehen habe ich nicht behauptet, dass Orte >10.000 Einwohner unbedingt 4000er brauchen. Ich habe nur gesagt, dass deutlich kleinere Orte allermeistens keine TLF 4000 _brauchen_.

    >Die Fahrzeuge werden 15.000 kg zGM haben

    Schön. Es geht aber nicht nur um irgendwelche Zulassungen, sondern um die (Fahr-)Praxis. Und die leidet nunmal mit jedem Kilo.

    >davon abgesehen: Gibt es bei Euch keine Waldwege?

    Doch, aber es gibt auch Felder und Wiesen, wo man sich dann eben im Zweifelsfalle festfährt, wenn die Karre zu schwer ist.

    >Weil das Fahrzeug (Michelau)in der Dispogruppe ABC gemeinsam mit dem RW ausrückt und die Pressluftatmer für die CSA-Trupps stellt.

    Und alle anderen müssen die 4 PA auch nehmen, weil einer das vielleicht brauchen könnte. Super Ersparnis für den Steuerzahler.

    >Fahrzeug fährt in der Dispogruppe ABC mit RW raus. Die Einweganzüge sind für Notfall-Dekontamination gedacht, deshalb auch die Notfall- und Dekonwanne. Die vier Anzüge machen das Fahrzeug übrigens um satte 80 Euro teurer.

    Es sind sicher mehr als 80 Euro. Da ist eine Box, wo die Dinger drin sind, da ist ein Verladeort mit Ladungssicherung, die Teile haben ggf. ein Ablaufdatum, etc.
    Außerdem gehört eine Not-Dekon-Ausrüstung auf die Löschgruppenfahrzeuge, weil dort auch die Mannschaft dafür da ist.

    >Hast Du schon mal bei einem Waldbrand mit Güllefässern gearbeitet? Wenn die nicht ganz sauber sind – und das sind sie in der Regel nicht – setzt dein Hohstrahlrohr noch schneller zu als ein BM/CM.

    Hattet ihr das schon im Realeinsatz? Ich kenne nämlich die Güllefass-Spiele aus unserer Gegend (ja, auch Oberfranken, nur weiter östlich 😉 ) nur von Übungen.
    Außerdem gibt es doch dann fünf große TLF, die wunderbar Wasser transportieren können. (Genau dafür sind sie ja in erster Linie da.) 😉 Dann kann man – wenn überhaupt – Güllefässer und Traktoren viel besser z.B. zum Legen von Schneisen einsetzen.

  4. Ach ja:

    >Weil es die Bayern so haben wollen. Siehe Beladeplan SFS Regensburg, der für ganz Bayern verbindlich ist.

    Das mit der Verbindlichkeit steht wo? In aller erster Linie ist die Norm verbindlich und noch die Ausnahmenregelung von der Norm, in der allerdings die TLF nicht vorkommen.

  5. Nochmal: Warum tut es nicht das TLF 3000?
    -> Wegen der Sonderlöschmittel? Außerdem soll es auch abgelegene Siedlungen mit schlechter Wasserversorgung geben…

    Schön. Es geht aber nicht nur um irgendwelche Zulassungen, sondern um die (Fahr-)Praxis. Und die leidet nunmal mit jedem Kilo.
    -> Hat mit Zulassung nichts zu tun, aber ein bis an die Zähne bewaffnetes TLF 3000 (mit Stromerzeuger und allem Schnickschnack, den ich auf einem TLF nun wirklich NICHT brauche) hat im Idealfall auch nur eine Tonne weniger.

    Doch, aber es gibt auch Felder und Wiesen, wo man sich dann eben im Zweifelsfalle festfährt, wenn die Karre zu schwer ist.
    -> Wo man mit Feuerwehrfahrzeugen am besten erst gar nicht reinfährt, meinst Du sowas?

    Und alle anderen müssen die 4 PA auch nehmen, weil einer das vielleicht brauchen könnte. Super Ersparnis für den Steuerzahler.
    -> Der „Steuerzahler“ zahlt nur die Halterungen, weil die PA durch ALLE beteiligten Feuerwehren vom Vorgängerfahrzeug übernommen werden. Macht rund 12.000 Euro pro Fahrzeug Ersparnis für die PA.

    Es sind sicher mehr als 80 Euro. Da ist eine Box, wo die Dinger drin sind, da ist ein Verladeort mit Ladungssicherung, die Teile haben ggf. ein Ablaufdatum, etc.
    Außerdem gehört eine Not-Dekon-Ausrüstung auf die Löschgruppenfahrzeuge, weil dort auch die Mannschaft dafür da ist.
    -> Habt Ihr die auf den LFs und wer sagt, dass die dorthin gehört? Ach ja, in den TLF 4000 werden viele Boxen drin sein, um Kleinteile unterzubringen. Da ist bestimmt noch Platz für die Größe von 3 Packungen Kopierpaier DIN A4. Übrigens haben wir die Einwegschutzanzüge im Bestand. Also zahlt der Steuerzahler ja nur die Kiste 😉 Und die Mannschaft für die Not-Dekon hol ich mir klar woanders. Ablaufdatum: ja, klar: Nach dem Einsatz wegwerfen – sind ja schließlich Einweganzüge.

    Hattet ihr das schon im Realeinsatz?
    -> Ooooh ja! Und das war ein echter Spaß, glaub’s mir.

    Ich kenne nämlich die Güllefass-Spiele aus unserer Gegend (ja, auch Oberfranken, nur weiter östlich 😉 ) nur von Übungen. Außerdem gibt es doch dann fünf große TLF, die wunderbar Wasser transportieren können. (Genau dafür sind sie ja in erster Linie da.) 😉 Dann kann man – wenn überhaupt – Güllefässer und Traktoren viel besser z.B. zum Legen von Schneisen einsetzen.
    -> Wasserschneisen? Auch nicht schlecht. Die BM-/CM-Strahlrohre sind übrigens auch Bestand. Ja, ich weiß, die brauchen eine Halterung…

    Das mit der Verbindlichkeit steht wo? In aller erster Linie ist die Norm verbindlich und noch die Ausnahmenregelung von der Norm, in der allerdings die TLF nicht vorkommen.
    -> Dann frag mal bei der Regierung von Oberfranken nach. Das Fahrzeug wird nämlich nach der Beladeliste der SFS Regensburg durch die Kreisbrandinspektion abgenommen.

    Glaub mir, wir haben uns ausführlichst Gedanken darüber gemacht, was warum auf die Fahrzeuge drauf soll.

    Hätten wir sämtliche Argumentationen berücksichtigt, wäre ein 18-Tonner mit Staffelkabine, Stromerzeuger, und, und, und rausgekommen, der Gott sei Dank nicht zuwendungsfähig ist.

    Schließlich ersetzen alle Wehren ein TLF 16/25 und das hat(te) ja schließlich Staffelbesatzung…

    Davon ab: Bei einer interkommunalen Zusammenarbeit musst Du baugleiche Fahrzeuge ausschreiben, die sich nur in kleinen Beladungsdetails unterscheiden können. Es geht dabei sogar um die Anbringung einzelner Gerätehalterungen.

    Und den Bedarf von fünf Feuerwehren unter einen Hut zu bekommen, war auch nicht immer einfach.

  6. >Wegen der Sonderlöschmittel? Außerdem soll es auch abgelegene Siedlungen mit schlechter Wasserversorgung geben…

    Und die braucht ihr so oft? Also das, was nicht auch auf einem TLF 3000 drauf wäre? Es ist auch nicht verboten, auf ein TLF 3000 noch einen Metallbrandlöscher (o.ä.) aufzuladen.

    >Hat mit Zulassung nichts zu tun, aber ein bis an die Zähne bewaffnetes TLF 3000 (mit Stromerzeuger und allem Schnickschnack, den ich auf einem TLF nun wirklich NICHT brauche) hat im Idealfall auch nur eine Tonne weniger.

    Deswegen vergleiche ich auch nicht TLF 4000 und „irgendetwas, was man mal als TLF 3000 deklariert“, sondern schlicht und einfach zwei Normfahrzeuge. Und dann reden wir wieder über Gewichte.

    >Wo man mit Feuerwehrfahrzeugen am besten erst gar nicht reinfährt, meinst Du sowas?

    Wozu kauft ihr Fahrzeuge mit Allradantrieb und Singlebereifung, wenn ihr nicht mal in eine Wiese fahren wollt? Weil es schön aussieht?

    Wir sollten uns immer vor Augen halten, dass die Feuerwehr immer dann gerufen wird, wenn andere nicht mehr weiter wissen. Wenn es dann schon daran scheitert, dass die Karren zu schwer sind, um auch mal auf nicht ganz so befestigtem Gelände zu stehen und zu fahren, ist das doch peinlich…

    >Der “Steuerzahler” zahlt nur die Halterungen, weil die PA durch ALLE beteiligten Feuerwehren vom Vorgängerfahrzeug übernommen werden. Macht rund 12.000 Euro pro Fahrzeug Ersparnis für die PA.

    Das erwarte ich sogar. Nur würden andernfalls die Geräte wohl ausgemustert. Das spart Kosten für Wartung, Pflege und Ersatzbeschaffung.

    >Wasserschneisen? Auch nicht schlecht.

    Ja. Insbesondere bei Flächen/Feldbränden eine Option. Mit einem Fahrzeug aufpflügen, mit einem zweiten Wässern.

    >Schließlich ersetzen alle Wehren ein TLF 16/25 und das hat(te) ja schließlich Staffelbesatzung…

    Was mich wieder zu der Frage bringt, warum es plötzlich 1500 Liter Wasser mehr sein müssen. Und warum auf einmal Sonderlöschmittel. Das TLF 4000 ist ja eigentlich der Nachfolger für das TLF 24/50.

    >Davon ab: Bei einer interkommunalen Zusammenarbeit musst Du baugleiche Fahrzeuge ausschreiben, die sich nur in kleinen Beladungsdetails unterscheiden können. Es geht dabei sogar um die Anbringung einzelner Gerätehalterungen.

    Logischerweise. Weil für den Hersteller wird es nur maßgeblich günstiger, wenn er wirklich mehrere Fahrzeuge hintereinander oder nebeneinander vollkommen identisch aufbauen kann.

    Ich denke mir halt, dass es evtl. günstiger gewesen wäre, vielleicht 2 TLF 4000 und 3 TLF 3000 jeweils gemeinsam auszuschreiben. Dann klappt auch das mit dem einen Hut besser.

  7. Bevor das hier zum Endlosthread wird: Ursprünglich haben wir (Michelau) EINE Ersatzbeschaffung geplant (fürs TLF 16/25). Wegen Industrie, Wald, Autobahn, teilweise schlechter Wasserversorgung etc. war ursprünglich bereits ein TLF 20/40-SL geplant.

    Nach kurzem Exkurs in Richtung LF 20 haben wir dann wieder auf das TLF 4000 eingeschwenkt. Wäre es nach mit gegangen, hätte das Fahrzeug auch noch 250 kg BC-Pulver bekommen und wäre dann ohnehin ein 18-Tonner ohne Singlebereifung geworden. Bei dem sich dann auch die Frage nach der Geländegängigkeit gegenüber einem TLF 3000 gar nicht mehr stellt…

    In Bayern – oder zumindest in Oberfranken – werden aber keine 18-Tonner mehr gefördert, weil es wohl zu viele Unfälle in der Vergangenheit gab.

    Ob nun ausgerechnet vier TLF 4000 in einem Landkreis stehen müssen (das fünfte steht im Nachbarlandkreis Kronach), darüber kann man sicher geteilter Meinung sein. Auf jeden Fall sind die neuen Fahrzeuge besser fürs Geände geeignet als die alten TLF 16/25.

    Ich bin aber der Überzeugung, dass wir für uns das Machbare rausholen konnten. Wenngleich mir der „Pulververlust“ persönlich schon etwas wehtut, denn die P250 (wir haben selbst keinen) bleiben gern mal stehen…

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