Einziges Einsatzfahrzeug kommt nicht durch den TÜV

Das Löschgruppenfahrzeug der Feuerwehr Dragun(Mecklenburg-Vorpommern) wurde durch den TÜV stillgelegt. Seit zweieinhalb Monaten ist die Feuerwehr nun abgemeldet.

Das 36 Jahre alte LF von Magirus Deutz ist seit 11 Jahren im Besitz der Gemeinde Dragun. Aufgrund von Mängeln an Lenkung, Motor, Federn, Getriebe und Bremsen wäre eine Instandsetzung alles andere als wirtschaftlich und würde den damaligen Kaufpreis von 8000DM um ein vielfaches übersteigen. Feuerwehr und Bürger der Gemeinde machten der Bürgermeisterin Druck, drohten sogar mit der Quittierung des Dienstes, sollte kein neues Fahrzeug beschafft werden. Eine Unterschriftenliste mit der Überschrift „Dragun braucht eine Feuerwehr“ wurde inzwischen von vielen Bürgern unterzeichnet.

Zum Glück wurden die Kameraden in Dragun seit der Stilllegung ihres Fahrzeuges bei keinem Einsatz benötigt, meinte Amtswehrführer Ralf Siewert aus Gadebusch. Hinter verschlossenen Türen tagte die Gemeindevertretung mehrmals über das Thema „Ersatzbeschaffung Feuerwehrfahrzeug“. Inzwischen konnte, zur Freude der Draguner Feuerwehr, dem Kauf eines Gebrauchtfahrzeuges für 14.000 Euro zugestimmt werden. Dieses Fahrzeug wird in wenigen Wochen seinen Dienst in Dragun antreten.

Quelle: Schweriner Volkszeitung

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6 Kommentare zu Einziges Einsatzfahrzeug kommt nicht durch den TÜV

  1. Peinlich für die gemeinde nur 14.000 für ein Einsatzfahrzeug auszugeben, dafür bekommt man doch nichts vernünftiges.. – Wir haben uns letztes Jahr erst ein neues LF 10/6 zugelegt und dafür 220.000€ ca ausgegeben..

  2. Hauptsache ein Fahrzeug.
    Hier wurde ja eine Wehr schon abgemeldet 🙁
    Viele Gemeinden können nicht mal mehr die laufenden Kosten decken :-/
    Das ist sehr bedenklich und geht langfristig nicht gut aus!
    Auch eine Drehleiter wird mal älter, die Kosten für eine Neuanschaffung solcher Fahrzeuge liegt zwischen 600.000€ und 1 Million €

  3. Ich wohne selbst in MV und wir haben bzw hatten ein ähnliches Problem:
    Von der Fahrt zurück vom „bestandenen“ TÜV (LF 8/8 Fahrzeug LO) ins Gerätehaus versagten die Bremsen und das Fahrzeug musste mit Totalschaden stillgelegt werden.
    Zum Glück konnten wir jetzt notdürftig unser MZF mit TSA so umfunktionieren, dass es für einfache Schadensfälle einsatzfähig ist.
    Auch in unserer Gemeinde wurde lange über ein Stilllegen der Feuerwehr diskutiert und nur durch viel Arbeit, Anwesenheit bei Gemeindesitzungen, Aktionen fürs Gemeinwohl und generelles „Zeigen“ konnten wir die Gemeinde dazu bewegen, ein Fahrzeug zu kaufen. Geworden ist es schlussletztendlich ein 20 Jahre alter LF 8, jedoch von Merkel neu aufgebaut. Ich sehe dies als echte Alternative an, denn so bekommt man auch in kleinen Gemeinden ohne großes Budget ein funktionsfähiges Fahrzeug, für wenig Geld. Oft sind Neuanschaffungen auch gar nicht nötig, weil die Fahrzeuge dafür viel zu wenig genutzt werden!

  4. Das Ganze sollte man vielleicht etwas differenzierter und nicht auf Stammtisch-Niveau betrachten.

    Ich vermute stark, dass es im betreffenden Ort keine Schutzziel-Definition und auch keinen Bedarfsplan gibt. Die flächendeckende Schutzziel-Definition würde wohl dazu führen, dass die ein oder andere Feuerwehr schlicht und einfach überflüssig ist, daher wird dieses Thema von vielen Wehren lieber nicht angefasst.

    Viele Gemeinden sind leider immer noch der Meinung, dass es ohne eine Bedarfsplanung und die entsprechende Bildung von Rücklagen geht. Das geht in den meisten Fällen nach hinten los, weil neue Fahrzeuge nunmal nicht vom Himmel fallen. Die meisten Gemeinden wollen sich dann mit „kein Geld“ rausreden, vielmehr haben sie aber völlig verpennt, für ihre Pflichtaufgaben Rücklagen zu bilden.

    Die Beschaffung von Gebrauchtfahrzeugen kann sinnvoll sein, muss aber nicht. Abgewohnte Fahrzeuge von anderen Wehren als Erstangreifer zu beschaffen kann es nicht sein, Neuaufbauten auf Gebrauchtfahrgestelle oder sogar das Umsetzen älterer Aufbauten auf zeitgemäße, aber gebrauchte Fahrgestelle kann sinnvoll sein. Allerdings halte ich wenig von der Beschaffung gebrauchter Löschfahrzeuge ohne Wassertank. Wird ein solches Fahrzeug generalüberholt, dann sollte man schon den Einbau eines Wassertanks berücksichtigen.

  5. Jörg Jungbluth // 29. November 2012 um 11:18 // Antworten

    Interessant wäre es auch zu erfahren, wieviele Einwohner der Ort hat, ob es sich um einen Ortsteil handelt und wie weit die nächste Feuerwehr entfernt ist.
    Bei einem 500 Seelenort der vlt. nur 2km von der nächsten gut ausgerüsteten Feuerwehr entfernt ist, wäre ein Löschfahrzeug für 200.000 Euro im wahrsten Sinne „Perlen vor die Säue“ gekippt.

  6. @Jörg Jungbluth
    Von Wikipedia:
    Zu Dragun gehören die Ortsteile Dragun, Drieberg, Drieberg Dorf, Neu Dragun und Vietlübbe.
    Einwohner: 810 (31. Dez. 2011)
    Verwaltet vom Amt Gadebusch. In Gadebusch knapp 6000 Einwohner.

    Entfernungen:
    Gadebusch – Dragun: 7,5km
    Schwerin (Bahnhofstraße 27A) – Dragun 12,4 km

    Laut Wikipedia hat sich die Einwohnerzahl von Dragun in den letzten Jahren um 75% erhöht. Denke mal das es sich um den Speckgürtel-Effekt handelt.
    Industrie finde ich per Maps keine, denke auch das die wenn dann eher Richtung Schwerin geht.

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