eCall: Bei Unfall, Notruf

Ab diesen Monat soll ein europäisches Notrufsystem eingeführt werden, dass bei einem schweren Unfall automatisch die Rettungskräfte alarmiert. Was für Unfallopfer verlockend klingt, stellt die Feuerwehren vor neue Herausforderungen.

Bald ausgedient? Zukünftig alarmieren die Unfallautos von selbst (Foto: istockphoto/pic4you)

Bald ausgedient? Zukünftig alarmieren die Unfallautos von selbst (Foto: istockphoto/pic4you)

Ich denke, dass die Rettungskette Deutschland auf recht hohem Niveau ist. Fast überall gibt es Handy Empfang und auch die Alarmierungs- und Eintreffzeiten sind bei uns wohl weltweitend auf den vorderen Rängen. Einen Schwachpunkt hat die Kette aber noch, die Zeit zwischen Unfall und Notrufeingang. Gerade auf abgelegenen Strecken kann es mitunter schon einige Zeit dauern bis ein Unfall entdeckt wird. Hinzu kommt, dass auf überörtlichen Straßen eine Bestimmung des Unfallorts für ortsfremde Verkehrsteilnehmer schwierig sein kann.

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Ab September 2010 soll das Problem angegangen werden und Neufahrzeuge können mit dem eCall ausgerüstet werden, und zwar europaweit. Wenn nun jemand sein Auto an den Baum setzt wird über Handynetz und GPS automatisch ein Notruf inkl. Standortangaben mit Fahrtrichtung an die nächste Leitstelle übertragen. Zusätzlich wird eine Sprechverbindung aufgebaut, so dass der Leitstellendisponent mit dem Unfallfahrzeug Kontakt aufnehmen kann. Neben  der Örtlichkeit des Unfalls wird auch der Fahrzeugtyp übermittelt und hier wirds aus meiner Sicht für die Feuerwehr richtig interessant. Denn wenn ich beim Ausrücken schon weiß, welches Fahrzeugmodell verunglück ist, kann man sich auch schon bei der Anfahrt über Rettungsmöglichkeiten Gedanken machen.

Alle Fahrzeugdaten des Unfallautos auf dem Display. Sieht so der Gruppenführer der Zukunft aus? (Foto: Rosenbauer AG)

Alle Fahrzeugdaten des Unfallautos auf dem Display. Sieht so der Gruppenführer der Zukunft aus? (Foto: Rosenbauer AG)

So bietet Rosenbauer beispielsweise mit dem System EMEREC ein solches Informationssystem an. Auf dem mobilen TablettPC werden die Fahrzeugdaten übertragen so dass der Gruppenführer bzw. Einsatzleiter sich über Gefahrenquellen wie Airbags, Batterie & Co, wie auch über Rettungswege informieren kann. Wer sich schon mal die Mühe gemacht hat, sich durch die unzähligen Rettungsleitfäden der Automobilhersteller zu wühlen, wird sich freuen, ein System zu haben, dass alle Informationen, aktuell und ohne Rechercheaufwand darstellt.

Als Technikfreak, gefällt mir die Lösung sehr gut und meines Erachtens ist bei der zukünftigen Fülle an unterschiedlichen Fahrzeugmodellen eine Unterstützung ohne solche elektronische Helferlein nicht mehr möglich. Denn Nachschlagewerke in Papierform sind da kaum noch aktuell zu halten, geschweige denn schafft man es im Einsatz, das Fahrzeug eindeutig zu identifizieren um das richtige Merkblatt zu erhalten.

Das Informationssystem zeigt Schnittmarken, Gaskartuschen und andere wichtige Infos (Quelle: Rosenbauer AG)

Das Informationssystem zeigt Schnittmarken, Gaskartuschen und andere wichtige Infos (Quelle: Rosenbauer AG)

Der einzige Wermutstropfen bei eCall ist für mich die Fehleranfälligkeit. Jede BMA geplagte Feuerwehr kann ein Lied davon singen, was es bedeutet bei nur 10 – 20 % der Brandmeldealarme einen heißen Einsatz zu haben. Wenn nun ein weiteres System kommt, dass die Anzahl der Fehlalarme nach oben schraubt, wird sich die Begeisterung bei den Hilfskräften in Grenzen halten. Denn bei Werkstätten, Schrottplätzen oder bei Hobbyschraubern kann ich mir durchaus vorstellen, dass aus Unachtsamkeit nicht nur einmal ein Fehlalarm ausgelöst wird. Und spätestens wenn zu einer Massenkarambolage in Manfreds Autowerkstatt alarmiert wird, sollte man als Leitstellendisponent stutzig werden :-). So haben die Kölner Feuerwehrkollegen schon 2007 bei diesem Einsatz ihre erste negative Erfahrung mit eCall gemacht.

Wie ist Eure Meinung zu eCall und elektronischen Unterstützungssystemen auf Computerbasis. Geht’s auch ohne oder wird das die Zukunft für Autofahrer und Feuerwehren sein?

2 Kommentare zu eCall: Bei Unfall, Notruf

  1. Reinhold Bauer // 22. September 2010 um 20:31 // Antworten

    Hallo miteinander,

    prinzipiell ist die Idee gut, denn es kommt schon mal vor, dass ein Auto den Abflug in die Pampa so hinkriegt, dass ausser Bremsspuren nix mehr davon zu sehen ist. Und wenn ich wegen jeder Bremsspur (die man ja auch lange sehen kann, wenn der Unfall längst Geschichte ist) anhalten und nachsehen würde, wäre ich für alle Zeiten ausgelastet. Mir fällt zur Verbesserung dieses Systems (wie gesagt: noble Grundidee) auch nur ein, dass evtl. die Auslösekriterien überprüft und ggf. erweitert (z.B. nicht „der Airbag hat ausgelöst“, sondern „der Airbagsensor hat angesprochen“, und zusätzlich „plötzlicher Stillstand aus schneller Fahrt“, „blockierende Räder“ und Ähnliches) werden. So könnte man evtl. eben auch besagte „Werkstattunfälle“ minimieren. Allerdings würde mich schon interessieren, wie es momentan mit der Fehlerhäufigkeit aussieht, denn der angesprochene Einsatz war 2007(!). Da sollten sich schon mal ein paar Entwicklungsingenieure wenigstens mal die Gedanken gemacht haben, die ich hier gerade angeführt habe (ICH bin KEIN Ingenieur!).
    Werde als gespannt die weitere Entwicklung beobachten, ist nämlich schon nicht ohne Ironie. Wir als Dorfwehr mit HLF 10/6 und MZF haben zwar keine BMA im Ausrückebereich, aber scheinbar soll es ja so werden, dass dann eben eine andere Form davon (die UMA = Unfallmeldeanlage) zu uns kommt. Und ehrlich gesagt: wenn das so abläuft wie mit den BMA (war mal bei einer größeren FF und durfte das miterleben), dann finde ich das nicht soo prickelnd.

    mkg

    Reinhold Bauer

  2. Es wäre halt einfach wichtig die Kriterien für ein Auslösen nicht zu niedrig ein zu stellen.
    Z.b
    Auslösen nur wenn der Motor bis vor kurzem lief. (1min oder so als Limit.)
    Bloß nicht zu niedrige auf das Fahrtzeug wirkende Energie.
    Nicht auslösen wenn das Fahrtzeug nach einem registrierten Ereignis weiter fährt.
    Da müsste es sicher auch noch mehr Möglichkeiten geben.

    Außerdem sollten die Leitstellen „Alarm gesperrte Bereiche“ einführen können.
    So könnte man gleich mal die bekannten Schrottplätze und Teststrecken weg hauen.

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