Die Einsatzleiter Hotline – Sinn oder Unsinn?

Wissen Einsatzleiter

Schneller als man denkt kann man als Einsatzleiter in Situationen kommen die man noch nie hatte oder wo man einfach nicht mehr weiter weiß. Zum einen liegt das an der zunehmenden Komplexität der Themen zum anderen werden Feuerwehrentscheidungen zunehmend auch rechtlich geprüft. Hier könnte eine Einsatzleiter-Hotline als Beratungsstelle helfen, die Arbeit der Feuerwehr Professioneller zu machen und dem Einsatzleiter auch eine gewisse Rechtssicherheit zu geben.

lkw-unfall

Bei verzwickten Lagen schadet Rat von Experten nicht (Quelle: Feuerwehr München)

Hotlines sind ja nichts Neues. Egal ob Liebeskummer, schlechte Noten oder Ärger mit der Frau. Wenn man selbst nicht mehr weiter weiß, bieten viele Beratungsstellen eine kostenlose Möglichkeit für telefonische Hilfe an. Auch im Bereich der Hilfsorganisationen kann man solche telefonische Beratungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen. Beispielhaft sei hier der Giftnotruf in Berlin genannt oder TUIS die telefonische Beratung bei Gefahrguteinsätzen bieten.

Anzeige

Wenn in den zuvor genannten Bereichen eine Hotline gut klappt ist es auch denkbar einen solchen Service für weitere Bereiche auszubauen. Denkbar ist hier eine Einsatzleiter-Hotline auf Landesebene unter der ich mir bei verzwickten Situationen Rat holen kann. Dabei geht es nicht um stundenlange Beratung per Telefon, weil eine solche dauerhafte Beratung hole ich mir als Einsatzleiter direkt vor Ort (Statiker, Umweltamt, etc.). Aber es geht um kleine Fragen in der Anfangsphase bei denen ich mir unsicher bin oder bei Lagen wo ich als Einsatzleiter weitere alternative Herangehensweisen benötige.

Welche Vorteile hat eine Einsatzleiter-Hotline?

Das wichtigste ist aus meiner Sicht, dass man in sekundenschnelle kompetente Beratung am Hörer hat. Zielgruppen sind hier vor allem ländlichere Regionen in denen außergewöhnliche Ereignisse nicht allzuoft eintreffen. Ob eingestürztes Gebäude, PKW unter LKW oder explodierte Biogasanlage, das alles sind Situationen die sich alle 10 Jahre mal ereignen. Hier ist dann auch die Einsatzerfahrung der eingesetzten Führungskräfte überschaubar. Zudem hat man in ländlichen Regionen auch eher das Problem, Berater schnell an die Einsatzstelle zu bekommen.

person-begraben

Verschüttete Personen, Einsatz mit Seltenheitswert bei der Masse der Feuerwehren (Quelle: Feuerwehr München)

Mit einer solchen Hotline hätte man auch die Möglichkeit, landesweite Standards zu schaffen. In einem Landkreis findet eine Brandnachschaue ohne Wärmebildkamera statt, im nächste mit Kamera, im dritten wird die ganze Nacht eine Brandwache gestellt und im vierten Landkreis wird die Verantwortung an den Hausbesitzer übergeben. Da über die Hotline immer das gleiche Vorgehen empfohlen wird, könnte man dadurch Standards auf Bundeslandebene etablieren die über Telefon empfohlen und umgesetzt werden. Somit unterstützt man, dass Lagen einheitlich abgearbeitet werden.

Zuletzt ist auch die Rechtssicherheit ein Vorteil einer solchen Einsatzleiter-Hotline. Gerade bei herausfordernden Einsatzsituationen oder in Bereichen in denen man nicht so fit ist (Elektrotechnik, neue Fahrzeugtechnologien, etc.) hat man die Möglichkeit sich auf Aussagen von Experten zu berufen die den allgemein gültigen Standard wieder geben. Dies dürfte bei rechtlichen Problemen ein nicht zu unterschätzender Vorteil sein.

Wie kann man so eine Einsatzleiter-Hotline aufbauen?

hochspannungsleitung-feuerwehr

Einsatz für die Feuerwehr im Hochspannungsbereich (Quelle: Feuerwehr München)

Sinnvollerweise sollte man bestehende Strukturen nutzen. Aus meiner Sicht wäre hierfür eine große Berufsfeuerwehr geeignet. Zum einen gibt es hier eine Leitstelle die permanent erreichbar ist zum anderen haben große Berufsfeuerwehren schon viele Spezialisten in den eigenen Reihen die man nutzen könnte. Diese müssten dann jeweils Dienst in der Einsatzleiter-Hotline schieben und wären somit für die Anrufenden sofort greifbar.

Auch sollte man schauen, dass in einer solchen Hotline alle benötigten Funktionen vorhanden sind. Ein Statiker, ein Chemiker und ein Rechtsexperte, ein Elektrotechniker,  sowie ein gehobener/höherer Dienst mit langjähriger Einsatzerfahrung. Mit diesem Team sollte man per Telefon schon recht viele Einsatzleiter vor Ort unterstützen können.

Das größte Problem bei einer solchen Hotline sehe ich allerdings in der fehlenden Akzeptanz bei den Einsatzleitern, da eine Beratung oftmals als Schwäche ausgelegt wird. Dies ist aus meiner Sicht aber Quatsch, denn wenn ich ein Problem lösen muss, hole ich mir die besten Experten die ich bekommen kann. Genau das ist auch meine Erwartungshaltung an einen kompetenten Einsatzleiter. Er muss nicht alles wissen, aber er muss wissen wo er sich fehlende Informationen beschaffen kann um meinen optimalen Einsatzerfolg zu garantieren.

Wie seht Ihr die Einsatzleiter-Hotline? Ist so etwas notwendig und hilft es vor Ort oder sind die bestehenden Strukturen ausreichend um die Einsatzvielfalt professionell abzuwickeln?

3 Kommentare zu Die Einsatzleiter Hotline – Sinn oder Unsinn?

  1. Der Bereich des Chemikers sollte durch TUIS abgedeckt werden. Hier ein Parallelsystem aufzubauen halte ich für unnötige Arbeit.

    So lang noch nicht mal das Einsatzleiterhandbuch als Unterstützung für den Einsatzleiter flächendeckend geschätzt und genutzt wird (und davon sind wir noch weit entfernt) brauchen wir uns über eine Hotline keine Gedanken machen. Zudem sind sich zu viele Führungskräfte weder über ihre Verantwortung noch über die Reichweite ihrer Entscheidungen im Klaren und sehen keinen Beratungsbedarf (vielen mangelt es ja sogar an Verständnis für regelmäßige Fortbildungen für FüKr).

    Weitere Schwierigkeiten bei der Hotline u.a.:
    – Finanzierung
    – Qualitätsmanagement (wie stelle ich sicher, dass immer eine gleichwertige Auskunft zum selben Sachverhalt erteilt wird)
    – Personaldecke (Spezialisten für alles rund um die Uhr vorhalten?)
    – nicht immer ist Hilfe per Telefon möglich (ein Statiker wird sich hüten die Standfestigkeit zu beurteilen ohne das Objekt gesehen zu haben)
    – eine Empfehlung am Telefon dürfte wenig Rechtssicherheit bieten, wenn man bedenkt, welchen Überblick über die Lage der Gesprächspartner hat und welche Möglichkeiten der effektiven Hilfestellung sich daraus ergeben

    Was sich anfangs gut anhört entpuppt sich bei näherem Hinsehen meiner Meinung nach nicht als gute Idee. Das Geld und die Zeit sollte man lieber darauf verwenden, sich um bessere flächendeckende Ausbildung zu bemühen, um so landesweit einheitliche Standards einzuführen und konsequent umzusetzen sowie mit geeigneten Hilfsmitteln fachlich gute Entscheidungen vor Ort zu ermöglichen. Ebenso sollte sich um flächendeckende Vorhaltung von Fachberatern bemüht werden, da kein Telefonat den Fachmann vor Ort ersetzen kann.

  2. Ich sehe das so, wie Markus.
    Eine wirkliche Einsatzleiter-Hotline finde ich überflüssig.
    Eine umfassende und intensive Ausbildung für Führungskräfte, gerade solche die wenig Einsätze haben, für zwingend erforderlich.
    Wenn es drauf an kommt, müssen Entscheidungen innerhalb kürzester Zeit getroffen werden, da kann man nicht mal schnell noch „telefonieren“.
    Wenn die „Akutphase“ eines Einsatzes abgeschlossen ist, werden sicherlich bei den entsprechenden Lagen auch Fachpersonal (Umweltamt, Statiker, etc. ) hinzugezogen.
    Die Argumentastionslinie über „einheitliche Standarts“ und „Rechtssicherheit“ kann ich nicht ganz nachvollziehen, sollte hier doch Gesprächsbedarf bestehen, so wird das sicherlich eine längere Diskussion, da meiner Meinung nach diese Themen wesentlich tiefer gehen (Stichwort SER, Fahrzeugvielfalt usw.).

  3. Hallo,

    gibt es faktisch schon, auch wenn man das zunächst gar nicht glauben mag… (und es viel zu wenig genutzt wird!):
    Die schon lange eingeführten Fw-Fachberater in den Kreisen.
    TUIS (Chemieunfälle)
    THW und andere (Fachberater Bau)
    Taucheinsatzführer, vgl. FwDV 8
    Die diversen SEGs bzw. heute „modern“ Task-Forces genannten Sondereinheiten, die auch beraten können.

    Ganz viele Einsatzinfos kann man sich in örtlichen Checklisten bereitlegen – oder eben z.B. sowas hier erwerben (aktuell halten!), mitführen und dann auch bei Bedarf nachschlagen!
    http://www.einsatzleiterhandbuch.org/

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*