Die 4 S-Regel für Gruppenführer

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Aufgrund einer heutigen Diskussion über Do’s und Dont’s von Gruppenführer habe ich mir die 4 S-Regel überlegt, die aus meiner Sicht die wichtigsten Eigenschaften eines Gruppenführers darstellen sollen.

Ja so ein Gruppenführer hat es nicht einfach. Ist es doch die Funktion die zum einen extrem praktisch sein kann, indem er beispielsweise mit seinem Fahrzeug die Löschwasserversorgung aufbauen muss, als auch sehr herausfordernd wenn er bei größeren Einsatzlagen vorerst die Einsatzleitung inne hat. Zwar heißt es, dass in der Löschgruppe alle Aufgaben gleich wichtig sind, aus meiner Sicht kommt dem Gruppenführer aber schon eine der bedeutendsten Aufgaben zu. Wenn der Schlauchtruppmann nicht so der Überflieger ist, bekomm man das schon noch hin. Happerts allerdings am Gruppenführer als Einsatz-Manager, kann so ein Einsatz auch mächtig in die Hose gehen.

Um die wichtigsten Aufgaben des Gruppenführers zusammen zu fassen, habe ich mal versucht, das ganze in die 4 S-Regel zu packen.

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Ein Gruppenführer sollte…

  • sich sammeln
  • schauen
  • sprechen
  • still halten

Ok, ist jetzt nicht so das super Deutsch aber ich beschreibe hier mal was ich damit meine ;-).

Sich sammeln

Mal ganz ehrlich, 90 % unserer Feuerwehreinsätze sind nicht besonders brenzlig. BMA, Containerbrand, Verkehrsunfall ohne eingeklemmter Personen, Vollbrand freistehender Gebäude, etc. Daher sollte auch der Gruppenführer sich erstmal selbst Gedanken machen und dann ruhig und besonnen reagieren. Wer hat das nicht schon selbst erlebt? Es geht ums Absperren der Straße oder Auspumpen vom Keller und der Gruppenführer verbreitet einen Stress den man nicht so wirklich nachvollziehen kann. Ob der Keller nun 5 Minuten früher oder später trocken gelegt wird, ist auch schon egal. Oder auch ein Klassiker, Dachstuhl eines Fabrikgebäudes im Vollbrand, das erste Fahrzeug kommt an, die Türe fliegen auf und der Angriffstrupp stürmt mit dem Schnellangriff ins Brandobjekt. Ich behaupte mal, wenn sich die Feuerwehr 15 Minuten vor das Gebäude stellt und einfach nur zuschaut, würde sich das im Endeffekt nicht auf den Einsatzerfolg auswirken. Der Dachstuhl brennt noch gut ein bis zwei Stunden, da kann ich mit den ersten Fahrzeugen sowieso nichts ausrichten. Es kommt daher wirklich nicht auf ein bis zwei Minuten an, und diese Zeit kann ich als Gruppenführer sinnvoll nutzen um langfristig den Einsatzerfolg zu sichern. Wichtig ist auch, dass sich dieser Stress nicht auf die Manschaft überträgt. Denn gerade bei akuten Lagen, ist es wichtig, dass der Gruppenführer eine Routine ausstrahlt. Das wirkt sich dann auch beruhigend auf die ganze Gruppe aus.

Schauen

Was sagt man zu den Kindern: „Mit den Augen, nicht mit den Händen schauen“. Der Gruppenführer muss ausgiebig die Einsatzstelle erkunden bzw. wissen was seine Trupps tun. Das heißt allerdings nicht, dass er seinen Trupps auf dem Schoß sitzen soll, sondern er braucht vor allem einen Gesamtüberblick der Lage. Das bedeutet aber auch: Sich bewegen, Rückmeldungen einholen und immer kontrollieren was die Trupps machen und wie sich die Lage entwickelt. Der Schiri beim Fußbal ist da ein schönes Beispiel. Teilweise ist er nahe am Geschehen, dann löst er sich aber auch wieder heraus und betrachet das ganze von der Ferne.

Sprechen

Klare Befehlsgebung. Muss ja nicht immer so sein wie im Lehrbuch, wobei ich die nicht für verkehrt halte, aber es sollte alle wichtigen Informationen ernhalten. Hilfreich ist es auch erstmal eine kurze Komplettlage an die Manschaft geben, damit die wissen um was es überhaupt geht. Wichtig auch, den Befehl wiederholen lassen. Habs schon oft erlebt, dass der Einsatzleiter / Gruppenführer angesprungen kommt, den Befehl vom Stapel lässt und sich dann wieder weiter rennt. Problem, ich habe nur die Hälfte verstanden und weiß nicht wirklich was ich machen soll. D.h. ich muss wieder Nachfragen was das ganze nur unnötig verzögert.

Still halten

Es ist nicht einfach etwas zu delegieren, wenn man es auch selber machen  kann, aber das ist nunmal der Job des Gruppenführers. Der Klassiker ist dieses Bild. Die Inspektion mischt direkt vorne mit. Das Problem hierbei? Wenn ich direkt vorne dabei bin fehlt mir wieder der Gesamtüberblick. Ich sehen nicht wenn sich Feuerwehrangehörige in Gefahr begeben, ich bekomme nicht mit falls sich die Lage ändert, ich kann mich nicht mit den andern Hilfsorganisationen über das weitere Vorgehen absprechen.

Dieses Verhalten ist übrigens ganz typisch wenn man mit einer Aufgabe überfordert ist. Dann konzentriert man sich auf das was man kann. Jeder Gruppenführer sollten sich deshalb selbst gut genug einschätzen können um dann gegenzusteuern.

Ach und für alle die über Gruppenführer motzen und denken, dass dies der einfachsten Job der Welt ist. Einfach mal selbst bei einer knackigen Übung Gruppenführer sein und man merkt schnell, dass es verdammt schwierig ist.

Wie denkt ihr über die 4 S-Regel für Gruppenführer. Hilft sie oder fehlt Euch noch etwas?

8 Kommentare zu Die 4 S-Regel für Gruppenführer

  1. Ich halte die 4-S-Regel für sehr gut. Sicher kann man noch vieles nützliches und richtiges reinpacken aber am Ende ist es dann eine „4-S, 3-G, 5-B-Regel“, die kein Mensch mehr verinnerlichen kann. Ausgebildet sollte man ja sein , um den Führungsvorgang zu beherrschen und dann ist das ein sehr gute Zusammenfassung und ein mahnender Hinweis.
    Schade nur, das hier so wenig gepostet / kommentiert wird..

  2. der der hinterm fahrer sitzt // 26. September 2011 um 11:58 // Antworten

    ich kann leider das bild bei “ Der Klassiker ist dieses Bild.“ nicht sehen

    gruß

  3. Die Regeln klingen logisch und finde ich als Grundlage sehr gut!! Vor allem wenn man bedenkt, dass ich in 4 Monaten auch meinen Gruppenführer mach darf.

  4. Sehr interessante Ausführungen. Leider kann das Bild nicht geöffnet werden!?!

  5. Hi ich bin kein feuerwehrmann aber egal an
    Alle feuerwehrmaenner schaut mal den lehrfilm brennt pkw an
    Sehr interesant http://www.ff gross zimmern.de

  6. Hallo,

    ich habe gerade meine erste Woche Gruppenführer-Lehrgang hinter mir.
    Ich muss sagen GF ist echt nicht leicht, wenn man vor der eigenen Gruppe steht und den Einsatzbefehl richtig rüber bringen soll. Da steigt der Puls unheimlich.

    Die 4 S-Regel finde ich gut. Auch gerade für unerfahrene GF.
    Es stimmt auch so wie Du sagst: versuchen ruhig zu bleiben und immer eins nach dem anderen. Sprichwort: ,, Wie ist der Bauer seine Klöße ? Einen nach dem anderen… “
    Und genauso ist es auch wie schon angesprochen: Auch bei kleinen Einsätzen, wo die Lage nicht extrem ist, neigen viele dazu schon hektisch zu werden. Doch genau das muss man lernen abzustellen. Das birngt die Einsatzerfahrung mit sich. Jeder GF war schon mal in der Situation, wo Ihm die Nerven in die Hose gingen.

    Super Regel !!

  7. Also die drei S halte ich für angebrachter da wir alle eins gelernt haben.
    Und das ist wer Führt, führt nicht aus.
    so mit ist stillhalten über.

  8. Die 3-S Leitlinie finde ich für Gruppenführer dahingehend da sie schnell effektiv einprägsam sind. Gerade als Gruppenführer ist man bereits bei der Alarmierung schon mit dem 1. „S“ gefragt um zu sondieren und schnell und qualitativ bereits bei der Besetzung des Einsatzfahrzeuges einzuwirken. Es bringt nichts bei einem Zimmerbrand das Fahrzeug mit Schlauch- und Wassertrupps gefüllt zu haben und die Atemschutzgeräteträger stehen im Gerätehaus dann.

    Viele sehen nur den Gruppenführer rumstehen oder laufen und wie es auch mir schon von unqualifizierten Feuerwehrleuten zu mir gesagt wurde der steht dort als wüsste er nicht was Sache ist, dabei wissen die wenigsten das komplexe und Spektrumreiche Aufgabengebiet eines GF´s.
    Ich habe mir auch immer für die Befehle dieses „ETMWZ“ kürzel gemerkt für EINSATZ – TRUPP – MITTEL – WEG – ZIEL. Ein Befehl sollte kurz knapp und vor allem laut und verständlich, wie es der Artikelverfasser angedeutet hat, vorgenommen werden wie es auch in der FwDV3 auch steht.
    Ich finde es in der heutigen Zeit toll, dass sich qualifizierte GF´s sich gedanken machen wie kann man etwas verbessern ohne die Leistung zu vernachlässigen. Aus diesem Grunde finde ich die 3-S-Linie für gut und als gute Eselsbrücke für alle GF´s.
    In diesem Sinne allen GF-Kameraden alles beste mit immer der richtigen Entscheidung im richtigen Moment und dass alle Manschaften gut und unverletzt wieder gemeinsam einrücken!

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