Deutsche Feuerwehrler in Haiti

Bildquelle: Irakli West

Seit Tagen hält uns das Erdbeben in Haiti in Atem. Seit Donnerstag ist ein Team von @fire Richtung Krisengebiet unterwegs und berichtet hierbei aktuell von den persönlichen Eindrücken und Ereignissen.

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Teamfoto von @fire am Münchner Flughafen (Quelle: Irakli West)

Teamfoto von @fire am Münchner Flughafen (Quelle: Irakli West)

Die Frage ist erst mal wie schreibt man über eine Katastrophe. Die klassischen Medien sind ja da eher auf der Gefühlsebene unterwegs. Hilflose Mütter, schreiende Kinder und überall Tote. Aber als Angehöriger einer Feuerwehr sollte und muss man die ganze Sache etwas nüchterner betrachten. Denn eins ist klar, wenn wir kommen hat das in der Regel immer mit dem Leid anderer zu tun. Warum ich das schreibe, weil selbst in Fachforen über solche Themen nicht konstruktiv diskutiert werden kann. Immer wieder kommen Aussagen „das kann man doch nicht so wirtschaftliche sehen“, „angesichts der Opferzahlen finde ich eine solch sachliche Diskussion erschreckend“, etc. was meines Erachtens quatsch ist. Natürlich ist so ein Ergeignis für uns kaum vorstellbar, aber trotzdem müssen wir als Rettungskräfte einen möglichst kühlen Kopf bewahren und uns sinnvolle Gedanken machen was wir jetzt tun und zukünftig besser machen können.

So, aber jetzt zum eigentlichen Thema, nämlich deutschen Feuerwehrkräften die derzeit an der Grenze zu Haiti stehen um dort heute zum Einsatz zu kommen. Wie kommt das ganze? Seit 2002 gibt es einen privaten Verein namens @fire der aus knapp 80 Mitgliedern von Hilfsorganisationen besteht. Zugegeben ich war da am Anfang schon sehr skeptisch als ich damals gelesen haben, dass eine handvoll Leute ihre eigene Organisation auf die Beine stellen wollen um national und international im Bereich Waldbrandbekämpfung und Erdbeben zu helfen. Aber die letzten Jahre hat das Team doch schon einiges erreicht und hält auch interessante Vorträge und Ausbildung zu ihren Themen. Von daher ist aus meiner Skepsis Respekt geworden :-).

Die Tour von @fire zum Krisengebiet


@fire Haiti Erdbeben auf einer größeren Karte anzeigen

Das Team ist auf Anforderung des haitianischen Botschafter in Kooperation mit dem Medizinischen Katastrophen-Hilfswerk (MKH) am 14.01. von München aus mit Air-Berlin in die Domenikanische Republik geschickt worden, da Haiti nicht direkt angeflogen werden konnte. Dabei deckt @fire mit 12 Leuten den Bereich für Rettung/Bergung von Verschütteten ab (Search and Rescue) die Mitglieder des MKH sind mit 10 Personen für die medizinische Versorgung zuständig.

Zwischenstopp im Katastrophenschutzzentrum von Punta Canta (Quelle: Irakli West)

Zwischenstopp im Katastrophenschutzzentrum von Punta Canta (Quelle: Irakli West)

Nach der Landung in Punta Cana (rote Markierung) ging es dann auf dem Landweg nach Santo Domingo (blaue Markierung) um dort in einem Zentrum für Katastrophenschutz zu übernachten. Aktuell ist das Team in Jimaní (gelber Pin) an der haitianischen Grenze, dort hat es in einem Lager übernachtet. Nach dem letzten Tweet (= Beitrag über Twitter) von Irakli, machen sie sich jetzt aber startklar um ins Krisengebiet Port-au-Prince (grüner Markierung) zu fahren. In der Hauptstadt mit 1,2 Mio. Einwohnern sollen nach einer Meldung von Spiegel-Online 50 % aller Gebäude zerstört sein. Was @fire dort erwartet und welche Aufgaben sie übernehmen ist noch unklar. Laut Irakli sind Informationen nur schwer zu bekommen da auch die Kommunmikation durch das Erdbeben schwer beeinträchtigt ist.

Wer also nicht weiß was Twitter ist oder bisher wenig damit anfangen konnte, kann unter dem Twitter Account at_fire mit verfolgen wie es den Jungs dort unten geht. Zudem hält Irakli interessierte Leser auch über seinen Blog fwnetz auf dem Laufenden.

Daumen hoch - Optimismus trotz Chaos (Foto: Irakli West)

Daumen hoch - Optimismus trotz Chaos (Foto: Irakli West)

Ich persönlich finde es gut, dass man so auch an direkte subjektive Eindrücke von Hilfskräfte kommt. Daher auch mein einführender Absatz am Anfang des Artikels. Direkte Kommunikation über neue Medien hat für mich nichts mit Sensationsgeilheit zu tun, sondern dient als Informationsquelle um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. Man bekommt mit was gut und was schlecht läuft, lernt daraus und kann Dinge optimieren um zukünftig noch besser zu helfen. Und wenn ich im Fernsehen Reporter sehe die Mikrofone in Löcher halten um Verschüttete zu interviewen (wohlgemerkt, die liegen noch drunter!) dann ist das für mich eine Paradebeispiel wo nur noch das Leid im Vordergrund steht und nicht mehr die Hilfe der Betroffenen.

Auf alle Fälle wünsche ich dem Team von @fire viel Glück und vor allem Kraft um die Erlebnisse zu verarbeiten. Wer selbst Interesse hat bei @fire aktiv mit zu machen, dem Empfehle ich dieses Interview mit Basisinformationen zum Verein.

Nun interessiert mich natürlich noch Eure Meinung. Was denkt ihr über Amateurberichterstattung im Internet? Eine sinnvolle Ergänzung der klassichen Medien wie Fernsehen und Radio oder nur eine neue Spielwiese für Selbstdarsteller?

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