Contdown für 2010 und die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr

Eigentlich wollte ich ja garnix zum Jahreswechsel schreiben, da die meisten Blogs damit voll sind. Allerdings sind mir doch ein paar Gedanken gekommen und die Worte des LFV Bayern zum Jahreswechsel haben mich dann doch animiert ein paar Zeilen los zu werden.

Freiwillige Feuerwehr beim Brandeinsatz

Freiwillige Feuerwehr beim Brandeinsatz

Zu allererst ist das Jahr 2009 bzw. 2010 schon etwas besonderes. Denn genau vor 10 Jahren war das Millenium Jahr und viele Feuerwehren und Hilfsorganisationen haben sich auf den Supergau vorbereitet. Auch wir besetzten damals mit einer Gruppe unser Gerätehaus um im Fall eines Zusammenbruchs der Kommunikation zumindest in unserem Stadtteil als Anlaufstelle und Ersteinheit zu fungieren. Gekommen ist es aber Gott sei dank nicht so schlimm und wir hatten keinen einzigen Alarm.

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Aber 2010 ist auch insofern besonders da man einfach mal zurückblickt was denn so die letzten Jahre passiert ist. Ich selbst bin statt 20 nun 30 Jahre alt. Persönlich hat sich in dieser Zeit auch viel verändert. Studium, Job, Umzüge, Wechsel der Feuerwehr. Interessant ist aber auch was sich in dieser Zeit bei der Feuerwehr getan hat. Gefühlt nicht so viel zumindest was die Zukunftsfähigkeit angeht.

Wieviel Ehrenamt wird es zukünftig noch geben?

Wieviel Ehrenamt wird es zukünftig noch geben?

Schlimmer denn je kämpfen fast alle freiwillige Wehren mit geringer Tagesalarmverfügbarkeit und weniger Mitgliedern. Viele Feuerwehr haben in dieser Zeit auch massiv den hauptamtlichen Bereich ausgebaut. Die Feuerwehr Neu-Ulm erhöhte ihre vier hauptamtliche Gerätewarte auf nun 26 hauptberufliche Einsatzkräfte. Die Feuerwehr Kempten (meine ehemalige Wehr) führt eine Tagwache mit 10 zusätzlichen hauptamtlichen Feuerwehrkräften ein. Bin mal gespannt wie das noch bei diesen Feuerwehren und bei Städten ähnlicher Größen weitergeht.

Gedanken des LFV Bayern

Aber nicht nur ich grüble über die Vergangenheit und die Zukunft der Feuerwehren nach Alfons Weinzierl, Vorsitzender des LFV Bayern, hat etwas dazu geschrieben. Die Originalaussagen in kursiv habe ich durch meine Meinung ergänzt. Dabei geht es ihm um:

„zukunftsfähige Strukturen der Führungsdienstgrade (ehrenamtlich oder auch hauptamtlich)“

Auch andere Hilfsorganisationen haben Nachwuchsprobleme

Auch andere Hilfsorganisationen haben Nachwuchsprobleme

Vor allem die Führungskräfte sind gefordert die Feuerwehr von morgen zu gestalten. Sie müssen weit im voraus planen und mit den richtigen Entscheidungen den Problemem entgegen steuern. Hierbei ist es wichtig auch innovative Ideen zu entwickeln und Dinge auszuprobieren. Ob Löschfahrzeug das tagsüber im Gewerbegebiet steht oder Part-Timer die nebenamtlich bei der Feuerwehr arbeiten. Außerdem steigen die Ansprüche von allen Seiten. Die Motivation der Mitglieder muss aufrecht erhalten werden, die Fortbildung auf hohem Niveau fortgeführt und ständig neue Vorschriften umgesetzt werden. Daher bedarf es vor allem Fühungskräfte die hohe Kompetenz aufweisen um diese Anforderungen zu bewältigen.

„die zukünftige Struktur der Feuerwehren, wie auch die Zusammenarbeit mehrerer Feuerwehren als eine Einheit“

Die Feuerwehren müssen größer denken und zusammen arbeiten. Dank der neuen Integrierten Leitstellen ist nicht mehr an der Gemeindegrenze Schluss sondern die Wehren werden darüber hinaus eingesetzt. Aber auch bei Beschaffungen und Organisation muss überlegt werden. Gerätschaften können zusammen gekauft oder Feuerwehreinheiten zusammen gelegt werden.

Beschränkung auf gesetzliche Aufgaben

„die Tagesalarmsicherheit, genauso, wie um die zukünftigen Aufgaben der Feuerwehren, hier muss wieder eine stärkere Beschränkung auf die gesetzlichen Aufgaben erfolgen“

„nicht nur „Mädchen für alles zu sein“. Jeder Bürger ist für sich selber der nächste und sollte nicht gleich wegen 5 cm Wasser im Keller oder einem Ast auf der Fahrbahn die Feuerwehr rufen, sondern vielleicht auch einmal selber Hand anlegen! „

„Ebenso sind viele andere öffentliche Stellen dazu aufgefordert ihre Aufgaben im eigenen Zuständigkeitsbereich zu erfüllen und nicht in der Nacht, weil kein Personal vorhanden ist auf die Feuerwehr zurückgreifen!“

Ölspur - Aufgabe der Feuerwehr?

Ölspur - Aufgabe der Feuerwehr?

Auf diese Aussagen warte ich schon seit langem. Einerseits schaffen wir es nicht mehr genügend Einsatzkräfte zu mobilisieren, andererseits gehört Wasser im Keller, Ölspuren und verschlossene Türen zu unseren Standardeinsätzen. Hier muss man auch ganz klar eine Grenze ziehen. Wir sind nicht der Hausmeisterservice der Nation. Anders gesagt, jeder Einsatz ohne Sondersignal, ist m.E. kein Einsatz für die Feuerwehr. Denn dann ist genug Zeit vorhanden, dass auch der Bauhof, Hausmeister oder der Schwiegersohn kommt. Auch kann man keinem Arbeitgeber mehr verständlich machen, dass man nun 2 Stunden lang bei der Firma X Wasser saugt und beim eigenen Arbeitsplatz alles liegen bleibt.

Auch wenn das recht düster klingt bin ich überzeugt, dass es viele Feuerwehren gibt die diese Herausforderungen erfolgreich managen. Dies sind oftmals Wehren mit guten Führungskräften, innovativen Konzepten und engagierten Feuerwehrleuten. Aber viele Feuerwehren die das machen was man schon immer gemacht werden massive Probleme bekommen. Entweder intern durch die Feuerwehrangehörigen selbst oder von außen durch die Politik.

„Gehe mit der Zeit oder die Zeit geht mit Dir“.

Ich wüsche Euch allen einen schönen Jahreswechsel und hoffe, dass Euch die Einsätze nicht zu sehr auf Trab halten.

2 Kommentare zu Contdown für 2010 und die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr

  1. Zitat“Bin mal gespannt wie das noch bei diesen Feuerwehren und bei Städten ähnlicher Größen weitergeht.“ Zitat Ende

    Ich rede jetzt hier mal für München. Da es im Haushalt der Stadt sehr schlecht aussieht, denkt man darüber nach, die Stärke der BF zu vermindern. Aufgefangen soll das ganze durch
    a; mehr Stunden für die verbleibenden Angehörigen der BF
    b; die FF München.
    Zuerst würden hier natürlich einige unnütze Planstellen abgebaut, danach geht es an die Wachbesatzungen.
    Quelle: Stadtratssitzung München vom November 2009

    Natürlich wird es auch weiterhin die Gesetzliche Mindeststärke geben aber mit Reserven sieht es hier dann schlecht aus.

    Ich spreche hier mal von meiner Abteilung, unter Tags schaffen wir es nur sehr bedingt auszurücken.
    Das kann ja ein schönes Jahrzehnt werden.

  2. Hallo Flo,
    da hast ja ein ganz heißes Thema angeschnitten finde ich.
    Ich glaub es haben sich schon alle führenden Köpfe in den deutschen Feuerwehren über dieses Thema ausgelassen.
    Ich denke vielen Führungskräften in der Feuerwehr muss bewusst werden, dass Sie sich mit Personalentwicklung und Weiterbildung wie in einem Unternehmen einrichten müssen.
    Weiterhin bin ich der Meinung, dass wie du sagst, Kleineinsätze bei denen keine Menschenleben in Gefahr sind, auch berechnet oder von anderen abgearbeitet werden.
    Wir leben in einer immer mobileren Gesellschaft, das heißt dass am Wohnort nicht immer der Arbeitsplatz ist.
    Ich bin auch davon überzeugt, dass es viele regionale Problemstellungen geben wird.
    Weiterhin bin ich davon überzeugt, dass die Feuerwehren diese Aufgaben lösen werden.

    Ich freu mich auf die Herausforderungen und bin gespannt wie wir das meistern!

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