Chicago Fire, so ein Mist

Chicago Fire VOX

Das ist die erste Aussage die ich zur neuen Feuerwehr-Serie auf VOX gehört habe. Diese Reaktionen waren so absehbar wie das Amen in der Kirche. Statt die neue Serie als Chance wahrzunehmen, lehnen wir Feuerwehrler uns zurück um ausgiebig Chicago Fire zu kritisieren.

Ehrlich gesagt habe ich noch nie eine Feuerwehrserie erlebt die nicht von uns Feuerwehrleuten auseinander genommen wurde. Kritikpunkt Nummer eins, das ist ja alles soooo unrealistisch. Ist schon klar, wie würde denn eine echte Feuerwehrserie aussehen? Man könnte die Gerätewarte beispielsweise zwei Stunden filmen wie sie Atemschutzmasken reinigen und Flaschen nachfüllen. Oder den Löschzug begleiten wie er dreimal zu einer BMA fährt um „ohne erkennbaren Grund“ wieder abzurücken. Das Highlight des Abends wäre dann eine Rauchentwicklung in der Wohnung die sich als rauchender Kochtopf herausstellt. Dieses Prozedere würde sich dann viele Wochen und Monate wiederholen bis das Ender der Staffel erreicht ist. Ganz ehrlich? Nicht mal die größten Kritiker von Chicago Fire würden sich solch langweiliges Gedöns anschauen.

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Die Feuerwehr ist eigentlich nur ausschmückendes Beiwerk

Feuerwehreinsätze sind bei Chicago Fire nicht Fokus der Serie sondern das persönliche Leben der Hauptdarsteller

Feuerwehreinsätze sind bei Chicago Fire nicht Fokus der Serie sondern das persönliche Leben der Hauptdarsteller

Meiner Meinung nach geht es bei Chicago Fire auch gar nicht um die Feuerwehr selbst, auch wenn der Titel so lautet. Die Feuerwehr ist nur ausschmückendes Beiwerk. Die Serie könnte auch Chicago Polizei (die es auch schon gibt), Chicago Krankenhaus oder Chicago Totengräber heißen. Irgendein ausgefallener und vermeintlich spannender Beruf der das richtige Umfeld für spannende Geschichten bietet. Im Kern geht aber dann doch um Intrigen, Liebe, Neid, Hass, persönliche Probleme und was weiß ich noch alles. Genau das macht doch dann letztendlich die Serie aus und interessierte die Zuschauer, nicht dass ein paar Feuerwehrler gemäß Feuerwehrdienstvorschrift in ein Gebäude vorgehen.

Aber drehen wir den Spieß doch mal um und schauen uns an, was in der Serie gar nicht so schlecht ist und was sie uns als Feuerwehr für Chancen bietet.

Fachlich gesehen ist Chicago Fire um einiges besser als Feuerwehrserien die bisher so im TV gelaufen sind. Die Bezeichnungen in Chicago Fire sind grundsätzlich korrekt (Drehleiter, Rüstwagen, C-Rohr, etc.) und auch taktisch werden Themen angesprochen die passen: „Wir brauchen für die Belüftung erst eine Abluftöffnung“ oder „Rückzug, es kommt zu einer Durchzündung“. Zudem sollte uns auch bewusst sein, dass es sich um eine US Serie handelt und somit Chicago Fire auch in den Grundzügen die US Taktik widerspiegelt. Die ist halt nicht nur im Film sondern auch im wahren Leben anders.

Chicago Fire für die eigene Öffentlichkeitsarbeit nutzen

Bisher verzeichnet die US Serie in Deutschland gute Einschaltquoten

Bisher verzeichnet die US Serie in Deutschland gute Einschaltquoten

Viel wichtiger ist für mich aber der Fakt, dass die Serie gute Einschaltquoten hat. Laut Meedia hat die dritte Folge am Montag 1,7 Mio. Menschen vor den Fernseher gelockt und das neben der aktuellen Fußball WM. Wenn wir mal sehr vorsichtig geschätzt 600.000 Feuerwehrler annehmen die Chicago Fire selbst gucken, bleiben 1,1 Mio. Menschen übrig die nix mit der Feuerwehr zu tun haben und ab sofort jede Woche mit Feuerwehrthemen Kontakt haben. Genau das ist doch ein ideales Umfeld um Werbung in eigener Sache zu machen. Wie wäre es denn wenn man sich auf Bundesebene mit VOX zusammen setzt und sich Gedanken macht wie man sich gegenseitig unterstützen könnte. So könnte man im Abspann oder im Werbeblock ein Spot oder zumindest ein Hinweis auf die ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeit bei der Feuerwehr bringen. Im Gegenzug könnte VOX damit werben, dass der Sender die deutsche Feuerwehr unterstützt.

Aber auch bei sich im Ort kann man das Thema aufgreifen: Am Montag Chicago Fire gucken und am Mittwoch das ganze live in Deiner Stadt erleben. Diese Flyer werden verteilt und schon habe ich einen tollen Aufhänger um auf mich aufmerksam zu machen. Das schöne daran, wir beschreiten mal einen neuen Weg. Anstatt „Hilfe wir haben keine Leute komm zu uns“, weisen wir auf eine TV Serie hin. Die Leute die dann Blut geleckt haben können das Ganze im nächsten Schritt live bei der örtlichen Feuerwehr erleben. Hier mal ein Beispiel wie das aussehen könnte:

chicago-fire-flyer

Was man auch nicht außer Acht lassen darf: Der Marktanteil bei den 14-49 Jährigen lag bei 8,1 %, die gleiche Zielgruppe die auch für uns als Feuerwehr interessant ist. Zudem kommt Chicago Fire in den USA ziemlich gut an und kann hohe Einschaltquoten vorweisen. Liest man Kommentare aus anderen Ländern wie der Schweiz, ist die Serie auch dort recht beliebt.

Was hat eine US Großstadtfeuerwehr mit einer kleinen deutschen Feuerwehr gemeinsam?

TV Serie Chicago Fire

Auch wenn die Serie wenig mit dem deutschen Feuerwehralltag gemeinsam hat, kann sie prima als Aufhänger dienen

Und bevor jetzt wieder die Kritik kommt und geschimpft wird, dass Chicago Fire überhaupt nichts mit der örtlichen Feuerwehr hier in Deutschland zu tun hat. Ja das stimmt. Es geht aber im allerersten und wichtigsten Schritt der Kontaktaufnahme auch nur darum auf sich aufmerksam zu machen und mit Interessenten ein erstes Wort zu wechseln. Alles andere kommt dann im persönlichen Gespräch und kann im Detail erklärt werden. Wenn die Sensibilisierung für das Thema Feuerwehr eine US Fernsehserie übernimmt und damit eine große Masse in Deutschland anspricht, dann müssen wir doch eine solche Möglichkeit nutzen.

Bevor wir uns zukünftig über solche Feuerwehrserien im Fernsehen aufregen, sollten wir uns viel eher Gedanken machen, wie man so etwas für seine eigenen Ziele im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit nutzen kann. Das ist nicht nur besser für die eigene Gesundheit sondern bringt auch der eigenen Feuerwehr viel mehr.

Chicago Fire kommt jeden Montag auf VOX im Doppelpack um 20:15 und 21:15 Uhr.

8 Kommentare zu Chicago Fire, so ein Mist

  1. Hoto & Tarry // 30. Juni 2014 um 19:20 // Antworten

    Vielfach wird übersehen, dass das auch in anderen Bereichen im Fernsehen nicht so genau gearbeitet wird. Als Elektriker muss ich auch immer ein Augenrollen verkneifen, wenn man wieder der Strom von 230V aus der Steckdose kommt.

    Wir brauchen Toto & Harry als Feuerwehrmänner. Ob man das umsetzen kann?
    Tragehilfe, Person hinter Tür, Baum auf Straße und VU kann man sicherlich filmen, schwieriger wird das bei einem echtem Brand. Deswegen sollten die beiden MA und GF sein. Die sind idR nicht im Gefahrenbereich. 😉

    Ein großes Problem sind unsere üblichen Besserwisser, bei Minute 4:34,435 ist ein FA die Leiter ohne Handschuhe hochgestiegen, das ist verboten!!!!
    Da wird eine Aussage gemacht, ohne die genauen Hintergründe zu kennen, teilweise ist die Aussage auch schlicht falsch. Wenn das ein Laie liest, was mag der wohl denken?

  2. Ich finde deine Artikel sehr interessant und passend zu dem Thema bzw der Serie. Habe mir auch schon ein paar Folgen angeschaut und am Anfang war ich erst skeptisch. Jedoch muss man bedenken wie du schon richtig sagst das die meisten Zuschauer gelangweilt wären vom Alltag bei der Feuerwehr hierzulande. Man muss es als großes ganzes sehen und erst dann wird es spannend. Auch bei uns im Löschzug gibt es Kameradschaften die über den Dienst hinaus gehen und oft Spaß machen und einen weiter zusammen schweißen.
    Finde die Idee gut das man die Serie als Werbeträger für unsere Feuerwehr einsetzen könnte, nur werden die großen da oben nie auf den Zug aufspringen was eigentlich schade ist.
    Danke das du das aber auch mal objektiv angegangen bist!

    MfG Ray

  3. Schön das es doch noch Feuerwehrleute gibt die eine Feuerwehrsendung / Film schauen und nicht nur das schlechte sehen.
    Ich handhabe das genau so 😉

    Das die Sendung nicht 1000 % realistisch ist – sollte jedem klar sein.
    Jeder Kripobeamte oder Autobahnpolizist wird das gleiche zu CSI und Cobra 11 sagen!

    Ich lehne mich als FWler Montags Abends zurück und lasse mich von Vox gerne berieseln und hoffe insgeheim das ein nicht FWler dies sieht und vielleicht auf die Idee kommt seine Freizeit ebenso zu opfern wie Ich….

    Gruß Chris

  4. Moin Kamerad Fastner,
    wie passend, dann auch noch Florian zu heißen, klingt wie vorbestimmt.

    Danke für diesen Artikel!
    Letztendlich ist es eine Unterhaltungssendung und keine Dokumentation.
    Leider gibt es auch und gerade in unseren Reihen viele Menschen, die alles viel zu genau nehmen.
    Wenn man sich in jeder Situation genau an die Vorschriften halten würde, gäbe es wesentlich mehr Opfer, die dann nicht gerettet werden würden.
    Ab und zu muss man situationsbedingt auch mal „Fünf gerade sein“ lassen.

    In diesem Sinne:
    1.: Allseits gesunde Wiederkehr von Euren Einsätzen
    2.: Weiterhin viel Spaß und Erfüllung bei der Feuerwehr
    3.: Weiter so mit Feuerwehrleben.de

    Kameradschaftliche Grüße von der gerade sonnigen Nordseeküste
    Markus

  5. Ein schönes Bespiel ist auch in der zweiten Folge das Vorgehen in die eingestürzte Baugrube. Hier war mein erster Gedanke, klar, an einem B-Schlauch, der gefüllt von der Drehleiter hängt, in die Grube rutschen. So wird das CFD niemals vorgehen.
    Ja denkst de, das ist in den Staaten eine ganz gängige Vorgehensweise.

  6. Danke für Deinen interessanten Artikel. Ich selbst habe nichts mit der Feuerwehr zu tun und finde die Serie klasse. Und dabei habe ich mich oft gefragt, wie realistisch ist die Vorgehensweise eigentlich? Schön zu hören, dass es offensichtlich recht gut dargestellt wird. Und ich denke, es gibt tatsächlich viele Zuschauer, die sich von der Serie inspirieren lassen und sich informieren. Und schon bald klopft auch ein Neugieriger an Euer Feuerwehrhaus. Ich hoffe es jedenfalls!

  7. Hallo zusammen

    Sehr schöner Artikel …

    Ich schaue die Sendung von der ersten Folge an und finde diese mal richtig gut gemacht.

    Zumindest besser als Backdraft !

    Eine realistische Feuerwehrserie kann es nicht geben, wie oben schon angemerkt.

    Ich bin Gruppenführer einer kleinen Einheit in Hagen in Westf., wir fahren viele Einsätze die in erster Linie dazu dienen den Grundschutz zu gewährleisten wenn die BF ausgerückt ist.
    Sprich Wache besetzen …

    Natürlich haben wir auch „richtige“ Einsätze aber seien wir doch mal ehrlich zu uns selbst.

    Das Gros sind doch Popeleinsätze wie z.B. einen Papierkorb löschen usw.

    Richtig große Brände sind doch, zum Glück, selten.

    Eine Feuerwehrserie soll polarisieren und demzufolge müssen halt 4-5 Einsätze pro Doppelserie sein.

    Also Leute alles nicht so Ernst nehmen und ganz entspannt die Serie schauen.

    Die Idee mit dem Werbeplakat finde ich super gut und werde das beim nächsten Dienst mal ansprechen.

    Gruß

    Stefan

  8. Hallo zusammen,

    Mann sollte auch hier nicht vergessen das in USA die Taktik schon ganz anders ist.
    Firerfighter sind erst mal Helden ,auch vom Selbstverständnis her.
    Selbstschutz, Sicherheitstrupp ??
    Auch die Sache mit dem B Schlauch runterrutschen cool aber 2 Minuten später wurde eine Leiter geholt 🙂
    Ein Chance das Thema Feuerwehr zu aktualisieren ist es aber sicherlich .
    @ Jessy warum hofst du das jemand daraufhin sich bei seiner FFW meldet?
    Du bist doch eh schon Stark intressieren ( warum sonnst Feuerwehrleben.de) als selber loslegen deine FFW wartet

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