Brandbekämpfung Teil 1 – Feuerwehrlabor Folge 9

Brandbekämpfung Feuerwehr

Sobald uns ein Feuer über den Weg läuft kennen wir keine Gnade und reißen mit einem lauten „Wasser marsch“ unsere Strahlrohre auf. Wenn die Wohnung, der Dachstuhl oder die Lagerhalle in Flamen steht, gibt es nur eins, so schnell wie möglich das Feuer löschen. Aber sollte das wirklich immer unser Hauptziel sein?

Wasserschäden? Na gut das ist halt nun mal so. Schließlich müssen wir unseren Job machen. Der ist schon schwer genug: Die Hitze, Nullsicht, überall Gefahren, teilweise auch Menschenrettung. Wenn dann das Feuer gelöscht ist, klopfen wir uns auf die Schulter. Das Feuer ist endlich aus und Gott sei Dank haben wir soviele Feuerwehren frühzeitig alarmiert. Jede Einheit hatte Strahlrohre im Einsatz um die Flammenbestie im Dachstuhl zu bezwingen. Alle loben die tolle Arbeit der Feuerwehr, denn die Nachbargebäude sind heil geblieben und keiner wurde verletzt.

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Ist wirklich alles prima?

Ein paar Tage später steht dann ein kleiner Artikel in der Zeitung: Dass aufgrund des Dachstuhlbrandes das komplette Gebäude unbewohnbar ist. Auch persönliche Gegenstände können nicht mehr gerettet werden, weil die Schränke und Schubladen unter Wasser stehen.

Aus dem Grund sollten wir uns als Feuerwehr mal Gedanken machen ob wir immer unsere Prioritäten richtig setzen. Ist unser Hauptziel wirklich das Feuer zu löschen? Oder sollte es nicht vielmehr darum gehen Schäden zu verhindern? Keine Frage, es spricht nichts dagegen schlagkräftig gegen das Feuer vorzugehen. Nur man sollte auch wissen wann es wieder gut ist und genau darum gehts in unserer aktuellen Folge im Feuerwehrlabor.

Wer etwas Blut geleckt hat und noch mehr über die Themen erfahren möchte, sollte sich mal die Bücher  „Brandbekämpfung mit Wasser und Schaum“ und „Falsche Taktik – Große Schäden“ zu Gemüte führen. Die öffnen doch ziemlich die Augen was unser Basishandwerk angeht. Wie schauts ansonsten bei Euch aus, wird auf so Grundlagen Themen eingegangen?

10 Kommentare zu Brandbekämpfung Teil 1 – Feuerwehrlabor Folge 9

  1. Schöner Beitrag, bringt mich gerade auch thematisch etwas weiter. Bin gespannt auf Teil 2.

    Ein kleiner Kritikpunk: Also ich würde nicht sagen, dass man „Wasser in die Flammen bringen“ soll. Ich weiß was du meinst, aber die Gefahr, dass viele dabei am Ende wieder durch die Flammen durchspritzen ist doch recht hoch. Für die breite Masse ist es m.W. am wichtigsten, dass Glut gelöscht wird. Feuer löscht man nur in dem Rahmen, wie man auch Rauch „löscht“, sprich bei einer Rauchgaskühlung. Flammen zu löschen ist ja nichts anderes. Flammen sind auch nur heiße Rauchgase, die eben gerade reagieren.

  2. Schöner Beitrag,
    aber wir haben das Problem das wir von zwei Gruppenführeren die das thema falsch verstanden haben zu einem Zimmerbrand mit der Kübelspritze losgeschikt werden.
    schöne grüße

  3. Wieder mal ein toller Beitrag zu einem der wie ich finde wichtigsten und spannendsten Themen überhaupt. Denn wenn man mal vom Wasserschaden absieht ist Wasser ja auch ein lebenswichtiger Rohstoff mit dem man auch dementsprechend umgehen sollte und den man deshalb nicht verschwenden sollte.
    Übrigens das Buch “Falsche Taktik – Große Schäden” das hier empfohlen wurde kann ich nur jedem Feuerwehrangehörigen ans Herz legen auch wenn er kein Gruppenführer ist.

    Gruß Peter

  4. Hallo Florian,

    toller Beitrag, spricht mir quasi aus der Seele!
    Ich habe das Buch von Herrn Dr. Pulm gelesen und anschließend seinen Vortrag besucht.
    Es ist schon harte Realität, denn man ertappt sich beim Lesen und Zuhören des öfteren.
    Zu nahezu jedem Beispiel das er vorbringt, fällt einem dann ein Einsatz aus der eigenen Feuerwehrkarriere ein.
    Den Einwand eines sehr erfahrenen Kameraden: „Wir hätten bislang jedes Feuer ausbekommen“ hat er mit dem Argument vernichtet: „Ich muss Sie enttäuschen, das Feuer wäre auch ohne Sie ausgegangen, es ist nur eine Frage der Zeit!“
    Es stimmt! Es wäre manchmal besser, wir blieben daheim, denn voller Aktionismus und Euphorie werden Schäden verursacht, die den eigentlichen Brand-Schaden bei weitem übersteigen.
    Aber das Wichtigste kommt zum Schluss!!!
    Wir müssen abwägen, welche Methode nun für diese Situation die Richtige ist.
    Es gibt sicher Situationen, da führt an einem massiven und schnellen Wassereinsatz nix vorbei, bei anderen Situationen tut es aber eben auch die altbewährte Kübelspritze.
    Es hat bei uns ein kleiner Prozess des Umdenken stattgefunden und in manchen Entscheidungen während einem Einsatz oder einer Übung schmunzeln wir uns nur an und jeder denkt:
    „da steckt doch wiedermal der Pulm drin“
    Das Buch ist nach meiner Meinung absolute Pflichtlektüre für JEDEN Feuerwehrmann.

    In diesem Sinne… immer „gut Schlauch“ und weiter so…

    Gruß Daniel

  5. Pulm ist Pflicht.
    ich möchten den Bogen aber noch weiter spannen und einseitige und damit falsche Denk- und Handlungsweise. Es geht bei unserer Arbeit darum Schäden zu verringern – und nicht andere Schäden zu machen. Letzten Endes ist das Thema Brandbekämpfung ganz heiß – viele Befragte konnten mir nicht gut erklären wie Feuer zu Löschen ist. Daraus ist aber niemandem ein Vorwurf zu machen, denn wie will man lehren was man nicht gelernt hat. Das sieht man dann auch auch bei den Einsätzen bei denen dann die Rechnung „Anzahl Rohre * Durchflussmenge in Litern * Minuten“ mit der Taktik „Immer druff“ nur die Höhe des Wasserschadens angibt.

    Es fehlen vernünftige und durchführbare Übungen bei denen die FwA löschen lernen können – Realbrandanlagen sind meist keine Lösung weil zu teuer, es sei den mehrere Wehren täten sich zusammen und/oder es gäbe entsprechendes Sponsoring. Leider ist die Realität aber, dass die Haushalte derart angespannt sind, dass für solche Sachen kein Geld zur Verfügung steht. Hier ist echt Kreativität gefragt.

    Sehr lesenswert: http://www.lfs-bw.de/Fachthemen/Einsatztaktik-fuehrung/loescheinsatz/Documents/Hinweise_Dachstuhlbraende.pdf

    Und eine kleine Ergänzung mit einem eigenen Artikel:
    http://blog.feuerwehr-hechthausen.de/allgemein/ausbildung-brennen-und-loschen-19-06-2012.html

  6. Das Modell veranschaulicht das Problem sehr gut, wenn auch mit recht hohem Bastel-Aufwand.
    Ohne es ausprobiert zu haben, wäre es vielleicht sinnvoll das Haus teilbar (Klappscharniere) zu gestalten, damit man nach dem Niederschlagen der Flammen in den „Innenangriff übergehen kann. Der Übungsablauf könnte dann so aussehen.
    – Einmal zeigen nur Außenangriff = Wasserschaden
    – Einmal zeigen Außenangriff und dann Abbruch ggf wiederentzünden (Glutnester)
    – Einmal zeigen Außenangriff (Niederschlagen der Flammen ) und dann ggF Innenangriff.
    (Hierbei auch erkennen, dass es „nur“ Glutnester sind, die hier zu löschen sind)

    Wobei es nur in Ausnahmefällen die richtige Taktik sein dürfte ein massiven Außenangriff auch von mehreren Seiten vorzutragen, um dann in den Innenangriff überzugehen.

  7. Kenner des Reisbärn // 9. Februar 2013 um 11:56 // Antworten

    Deswegen schau ich regelmäßig auf eure Seite, sowas bietet kaum eine andere Seite, wenn ja bitte Link geben 😉
    Mal sehen ob wir das für einen Übungsabend mal nachbauen.
    Interessant währe auch die Zeit zum „Feuer aus!“.

  8. Eine kleine Anmerkung: Der Artikel ist nicht über den Reiter „Feuerwehrlabor“ zu finden. Evtl. müsste da was umgestellt werden?

    Gruß
    Linus

  9. Super Beitrag, würde das bei der Übung mal nachstellen. Wann können wir den 2 Teil erwarten?

    Gruß Thorsten

  10. Hey, großes Lob für diesen Aufwand. Toller beitrag, gute ideenanstöße (ums vorsichtig zu formulieren).
    Kleiner schönheitsfehler: du hast die Psa an, deine liebreizende Assistentin nicht 😉
    Lg und danke für deinen, euern, beitrag!

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