Gedanken eines Feuerwehrmannes zur Kritik am Brand von Saarbrücken

Gestern haben wir über den Brand in Saarbrücken berichtet bei dem vier Kinder ums Leben Kamen. Laut sr-online.de hat die Mutter nun schwere Kritik gegen die Feuerwehr erhoben und über einen Anwalt Anzeige erstattet. Der Vorwurf: Die Einsatzkräfte hätte sich auf die Brandbekämpfung, nicht aber auf die Rettung der Kinder konzentriert. Hier geht es zu dem Videobeitrag.

Jan Südmersen hat nun unter dem Titel „Menschlichkeit“ den folgenden offenen Brief an die Eltern der verstorbenen Kinder sowie deren Verwandten, Anwälte und Freunde veröffentlicht:

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Menschlichkeit

Es tut mir leid. Es tut mir wirklich ausgesprochen leid. Wie ich diese Zeilen schreibe, muss ich mit den Tränen kämpfen bei dem Gedanken, ich würde meine Kinder durch einen  Unfall verlieren. Ich weiß nicht, ob ich aus dem schwarzen Loch mit intakter Seele und Geist wieder herauskommen würde. Aus tiefstem Herzen wünsche ich Ihnen viele gute Freunde, eine festen Glauben und eine tiefe Liebe zueinander und ihrem jüngsten Kind gegenüber, um diese Situation zu überleben und weiterleben zu können.

Ich muss aber auch an die Feuerwehrleute denken, die in dieser Nacht vermutlich einer der schlimmsten Einsätze ihrer Dienstzeit erlebt haben. Die Sie über eine Leiter gerettet haben. Die, schwer bepackt und mit wilder Entschlossenheit das Treppenhaus hochgerannt sind und versucht haben, die Flammen zurück zu drängen, um in die brennende Wohnung zu gelangen und damit vielleicht doch noch an Ihre Kinder zu kommen. An die Sanitäter und Notärzte, die um das Leben Ihrer Kinder gekämpft haben, als wären es ihre eigenen. An die Familienväter unter den Einsatzkräften, die die traurige Pflicht hatten, die Körper aus den verbrannten Räumen zu holen und dem Bestatter zu übergeben.  An diejenigen, die morgens zu ihrer Familie zurückgekehrt sind und sich nicht getraut haben, zu erzählen, was sie gesehen haben. Und die jetzt, aufgrund Ihrer Vorwürfe auch noch mit dem Makel behaftet sind, nicht alles getan zu haben, was möglich ist. Es wird Feuerwehrleute geben, die daran innerlich zerbrechen.

Feuerwehrleute sind keine Heiligen oder Supermänner sondern Menschen. Auch bei ihnen gibt es Fehler, gibt es Aussetzer und Nachlässigkeiten. Aber Sie können sich absolut sicher sein, dass sie alles was möglich war und auch mehr als das in dieser Nacht geleistet haben. Warum? Weil, egal aus welchem Beweggrund man sich in der Feuerwehr engagiert, wie lange man dabei ist oder ob man dafür bezahlt wird oder nicht: Wir alle bereiten uns ein Leben lang darauf vor, Menschen aus einem Feuer zu retten, ihnen den qualvollen Tod durch Verbrennen oder Ersticken zu ersparen. Wir leben damit, dass es solche Situationen geben wird und dass dann die Betroffenen auf unsere Hilfe angewiesen sind, dass wir ihre letzte Chance sind. Wir müssen dafür bereit sein, jederzeit und überall. Dies ist unsere Pflicht und Selbstverständnis, dies unsere edelste und ehrenhafteste Aufgabe. Diese Tradition trägt uns durch Hohn und Spott, ungerechtfertigte Kritik und Arroganz, mit der die Feuerwehr oft bedacht wird. Es motiviert viele von uns, fast alles zu ertragen, was wir erleben müssen. Ohne dies wären wir nichts als seelenlose Feuerlöschroboter…

Daher bitte ich Sie inständig, bei allem Mitgefühl für Ihren Schmerz: Sprechen Sie mit den Menschen, die in dieser Nacht ihr Leben und ihre Gesundheit für Ihr Leben eingesetzt haben. Menschen, die Sie nicht kannten und die sich trotzdem in die Waagschale geworfen haben. Menschen, mit denen Sie jetzt ein dunkles Kapitel ihres Lebens teilen. Menschen, die auch Zuspruch brauchen, den sie sich vielleicht sogar gegenseitig geben können.

Seien sie menschlich, wir sind es auch!!

35 Kommentare zu Gedanken eines Feuerwehrmannes zur Kritik am Brand von Saarbrücken

  1. Jan, du findest wie immer die richtigen Worte und sprichst mir aus dem Herzen! Danke!

  2. Ein zutiefst rührender Brief.
    Besser formulieren kann man das kaum mehr…

  3. nimm den Vorwurf der Fahrlässigkeit nicht so tragisch ,die Eltern sollten sich lieber fragen ,warum unbeaufsichtigt Kerzen brannten !!

  4. Ich bin tief bewegt von dem Brief des Kammeraden, ich selber bin Feuerwehrmann in einer Freiwilligen Feuerwehr und Vater eines drei-jährigen Sohnes, ich kann mir zwar nicht im geringsten ausmalen was die Mutter durchmachen muss weiß aber genau wie die Kammeraden sich fühlen.

    Natürlich kann ich die Wut, Verzweiflung und auch die Machtlosigkeit der Mutter verstehen aber ich bin mir sicher, nein ich bin sogar fest davon Überzeugt das die Einsatzkräfte alles Menschen mögliche getan haben um die Kinder zu retten.
    Natürlich erwarten viele Leute das wir Feuerwehrleute wenn wir gerufen werden alles zum besten wenden können, das betroffene mit einem blauen Auge davon kommen und das wenn überhaupt nur Sachschäden entstehen, die Realität ist aber nicht so.

    Der Kammerad hat es richtig beschrieben auch wir sind nur Menschen und auch wir mit unserem know-how und unserem Equipment sind irgendwann am Ende des machbaren.
    Man sollte ausserdem überlegen das die Feuerwehren überwiegend Freiwillig sind und bei jedem Brand, Unfall oder anderen Unglücksfällen immer ihr bestes geben und dabei oft genug auch selber ihr Leben riskieren und dabei jedesmal weit über Ihre Leistungsgrenzen gehen..um anderen zu helfen.

    Aber ich möchte hier nicht nur die Kammeraden bestärken sondern auch der Mutter meine tiefste Trauer ausdrücken aber gleichzeitig auch an Ihren Verstand und Ihre menschlichkeit appelieren, niemand kann das unmögliche möglich machen weder die Retter vom Rettungsdienst noch die Kammeraden der Feuerwehr, aber sind Sie sicher das sie das wollen ? Sind Sie sicher, dass Sie diese mutigen und einsatzbereiten Leute vor Gericht zerren wollen, das bringt ihre Kinder nicht zurück, so hart das klingt und es wäre auch kein schönes Gedenken an Ihre Kinder wenn man jedesmal diese Männer und Frauen damit in Verbindung bringt, die doch alles getan haben Ihre Kinder zu retten, deshalb bitte ich Sie..nehmen sie die Anzeige zurück, gedenken sie Ihrer Kinder in tiefer Trauer aber mit dem Wissen das die Einsatzkräfter stehts nach bestem Gewissen versucht haben ihre Kinder zu retten auch wenn sie das momentan nicht so empfinden.

  5. jan du hast in der tat die richtigen worte gefunden. danke !!!

  6. was für wahre und sehr bewegenden Worte, ich denke mehr gib es nicht zu sagen

  7. ich bin der meinung das die rettungsleute alles getan haben um die kinder zuretten. aber es gibt situsationenda muß mann auch an die eigene sicherheit zudenken.

  8. Helge Nordheim // 25. August 2012 um 21:04 // Antworten

    Sehr schön geschrieben. Die Aussage trifft den Kern vieler Diskussionen über Einsätze der Feuerwehr (natürlich auch anderer Hilfsorganisationen).

    Ich würde allerdings den Eltern keinen zu großen Vorwurf machen. Wahrscheinlich befinden diese sich derzeit unter Schock und suchen schlicht ein „Ventil“ um ihre Trauer über den tragischen Verlust zum Ausdruck zu bringen.

  9. Mein höchstes Beileid an die Familie. Das größte Leid was man erleben kann.
    Respekt an alle Einsatzkräfte und diesen Feuerwehrmann diese Worte in der Öffentlichkeit auszusprechen.
    Wahre Worte. Was würde nur geschehen wenn es all die vielen Feuerwehrmänner und Frauen, ob beruflich oder freiwillig engagiert nicht geben würde….? Wollen wir lieber nicht daran denken….
    In Gedenken….

  10. Ich finde es auch ganz schrecklich was da passiert ist, aber sehr unfair von der Fam. die Feuerwehrleute jetzt dafür verantwortlich machen zu wollen die wirklich immer alles versuchen um Leben zu retten.
    Bei meiner Tochter hat es auch vor ein paar Wochen gebrannt, Brandstiftung was ich auch ganz schlimm finde das es Menschen gibt die sich vielleicht sogar daran ergötzen wenn es brennt.
    Meine Tochter wurde über die Leiter gerettet mit meiner Enkeltochter 4 Mon. mein Enkel war im Kindergarten.
    Es ist Gott sei Dank alles gut gegangen und nur im Keller die Sachen alle verbrannt. Aber die Feuerwehr war da und hat alles für uns gemacht was sie machen konnten.
    Danke an Euch.
    Ich denke der Schmerz der Mutter lässt Sie jetzt falsch handeln.

  11. Sehr schöne Worte!

  12. Ein sehr treffender und berührender Brief!
    Es ist meiner Meinung nach gut, so einen Brief zu verfassen. Ob ich ihn öffentlich machen würde, kann ich nicht sagen.

    Was ich aber auf das Schärfste verurteile, sind diese Kommentare hier, der Opfer-Familie gegenüber! Ich hoffe, niemand gerät je in eine solche Situation, weder Privat noch als Einsatzkraft. Die wenigsten von uns werden wissen, wie es ist, geliebte Menschen auf solch tragische Weise zu verlieren (Gottseidank!).
    Gerade wir als professionelle Helfer sollten unsere Disziplin und unser fachliches Niveau dadurch beweisen, dass wir solche Vorwürfe ein wenig Einfühlungsvermögen, wie bspw. durch den obigen Brief ertragen!
    Diese Familie befindet sich in der vermutlich extremsten Situation, die man physisch als Elternteil erleben kann! Dass man da nicht alles objektiv beurteilen kann oder will, ist meiner Meinung nach normal und menschlich! Also bitte habt Verständnis für solche Reaktionen, wenn es auch nicht immer leicht ist…

    Ich bin mir sicher, dass die Kameraden alles getan haben, was möglich war!
    So wie jeder von uns nochmal die allerletzten Reserven hervorkitzelt, wenn Menschenleben in akuter Gefahr sind…

    In diesem Sinne wünsche ich allen Beteiligten viel Kraft und eine Möglichkeit, wieder zu einander zu finden und „Frieden“ zu schließen.

  13. Meine Gedanken gelten der Familie die ein unglaubliches Leid ertragen muss. Leider sind wir in Deutschland viel zu oft viel zu früh bei einem Anwalt an statt sich miteinander zu beschäftigen… Respekt den Männern, die den Kampf an diesem Abend leider verloren haben… DANKE Jan für Deine Worte…

  14. Du hast genau die richtigen Worte verwendet! Man sollte immer froh sein, dass es Feuerwehr und co. gibt, und nicht noch mit Missmuth ihnen gegenüber reagieren.

    Aber trotz allem Mein Beileid auch an die Eltern. Jedoch sollte man seine Gedanken sammeln, und froh sein, dass wir hier ein super organisiertes Feuerwehr-, RTW-, NEF- und auch Polizeisystem haben, was andere Länder nicht haben.

  15. Brinkmann,Jörg // 25. August 2012 um 23:06 // Antworten

    ein wirklich gut geschriebener Brief,habe auch in meinen 27 Dienstjahren auch schon zu oft gehört,die Feuerwehr hat bei Einsätzen nicht alles gegeben.Auch wenn es Einsätze gibt,wo die Feuerwehr innerhalb weniger Minuten vor Ort ist,kommt manchmal jede Hilfe zu spät.
    mit Kameradschaftlichen Gruß aus Dortmund. Gut Wehr Jörg Brinkmann

  16. da ist nichts mehr dazu zu sagen…besser wie in diesem Text..kann es Niemand beschreiben,
    ein Dank an den, der diese Zeilen so entstehen lassen konnte..die zwischen den Zeilen nochmals mehr sagen..als 1000 Worte….mein Respekt an die Einsatzkräfte vor Ort, mein
    Respekt an alle, die imer und immer wieder versuchen werden, das Menschenmögliche zu ermöglichen…die in die Flammenhölle gehen..ohne zu überlegen, ob es ihnen selbst schaden könnte…Respekt an die Hilfskräfte, die hier vor Ort waren..Respekt und Hochachtung an alle, die hier das getan haben, was möglich war…
    mein Respekt und ehrliche Anteilnahme an die Familie, deren Verlust der größte Schmerz ist, der einer Familie widerfahren kann, aber bei allem Respekt der Trauer und des Schmerzes, sollte dennoch tiefe Dankbarkeit zurückkehren, an Diejenigen, die ihr Leben gerettet haben, unter Einsatz ihres eigenen und ich wünsche von Herzen, dass die Trauer und Trostlosigkeit Platz lässt für die Vernunft.
    Dem Schreiber sei Dank für die Worte, die einen zu Tiefst berühren.

  17. Klaus Schwerdt // 26. August 2012 um 0:56 // Antworten

    Hiermit möchte ich den leidenden Eltern mein tiefes Mitgefühl aussprechen. Da ich selber Mitglied einer freiwilligen Feuerwehr bin, muß ich den Kameraden auch einen tiefen Dank aussprechen. Jeder Feuerwehrmann, ob freiwillig oder Beruf, gibt bei einen Einsatz wirklich alles, um Menschenleben und Sachwerte zu retten.Dies gilt auch für einen Brandeinsatz. Doch gibt es auch Einsätze, wo jede Hilfe zu spät kommt
    Ein herzliches Dankeschön an die Kameraden der BF Saarbrücken
    Gemäß unseren Leitspruch: Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr.

    Klaus Schwerdt

  18. Schneider Chr. // 26. August 2012 um 2:16 // Antworten

    Es ist schon erstaunlich das die Eltern nach nur ein paar Minuten nach dem 4 ihrer 5 Kinder ums leben kamen nichts besseres zu tun haben als fehler und geld bei den Rettungskräften zu suchen die selbst mit hoher „Wahrscheinlichkeit“ diesen Tag so erlebten als wären es ihre eigenen. Wenn die Feuerwehr nach „nur“ 3 minuten nach dem Notruf vorort war und auch sämtliche Vorschriften des Eigenschutzes ausser acht gelassen haben ( wie in den Medien zu lesen war) glaub ich kann man nicht von grob Fahrlässig reden, sondern sollten dankbar sein dass sie es trotzdem noch geschafft haben 3 Leute in dieser schwierigen Situation ( die Fahrlässig eine Kerze brannten ließen) zu retten. Man kann stolz sein das es solche “ fremden“ Leute gibt die sich ( bezahlt oder unbezahlt) für andere einsetzen.

  19. Hallo liebe Leute, auch ich bin Vater und feuerwehrmann mit Leib und Seele. Ich kann den Schmerz der Familie verstehen. Die sirene erhallt, man lässt alles stehen und liegen und macht sich auf den weg, ohne zu wissen, was einen erwartet. Frau und Kinder sitzen zu Hause und ich im Feuerwehrauto mit voller ausrüstung zum Einsatz, Hausband mit eingeschlossenen Personen. Man konzentriert sich nur darauf, die Menschen zu retten, so schnell, wie nur möglich. In diesem Moment steht die eigene familie nicht im Vordergrund. Ein Kollege. Ist bei solch einem Einsatz schwer verletzt wurden und ist auf Lebenszeit geschädigt. Von den geretteten Personen, die in ihrer. Hilflosigkeit auf ihn angewiesen waren, erfährt er nun auch Hilfe zur Bewältigung seines Alltages. Als Zeichen des Dankes. Menschlichkeit sollte immer im Vordergrund stehen!!!! Es gilt der respekt und Anerkennung jedem Feuerwehrmann, der sein leben für ein anderes ein setzt!!!

  20. Ich möchte hiermit den Eltern mein tiefstes Mitgefühl ausdrücken…Ich habe 16 Jahre lang aktiven Feuerwehrdienst ausgeübt und würde diesen Dienst auch heute noch ausführen wenn es mir beruflich machbar wäre.Denn es tut sehr gut Menschen in einer Notlage helfen zu können!

    Leider gibt es auch Schattenseiten bei der Ausübung dieser freiwilligen Berufung…Leider viel zu oft!!!…Dies sind Ereignisse die man auch als Retter sehr schwer verarbeiten kann,sogar manchmal niemals verarbeitet und den Dienst als Feuerwehrmann nie mehr ausüben kann!!!

    Ich selbst habe auch zwei Kinder und ich bin mir sicher das alle Kameraden bei diesem Einsatz alles menschenmögliche versucht haben,was in ihrer Macht stand,das Leben ihrer Kinder zu retten!!!

    Bei allem Schmerz sollten die Eltern auch berücksichtigen, dass auch die Rettungskräfte, die dort vor Ort waren, genau solche Schmerzen haben und diesen Einsatz niemals vergessen werden!!!

    Es wird die Kinder leider nie mehr lebendig machen,egal was im nachhinein noch nachgetreten wird.

    Das handeln der Mutter ist genau so menschlich und nachvollziehbar, wie auch alle Beteiligten dieses schrecklichen Ereignisses einfach nur Menschen sind, die leider keine Wunder vollbringen können!!!

    Ich wünsche den Eltern der kleinen Zwerge alle erdenkliche Kraft um dieses traumatische Ereignis verarbeiten zu können!!

    Aber liebe Eltern seid euch gewiss,alle Rettungskräfte die vor Ort waren,trauern und fühlen mit euch und hätten gerne das Unmögliche vollbracht,das ihnen leider bei diesem Einsatz, durch auch welche Umstände auch immer, nicht erfüllt wurde!!!

    Liebe Mama der Kinder..Verurteilen Sie nicht die Rettungskräfte, sondern trauern sie mit ihnen,damit beide Seiten dieses schreckliche Erlebnis jemals verarbeiten können!!!

    Gruß mit tiefstem Mitgefühl..

    ein Feuerwehrmann

  21. Knut Müller // 26. August 2012 um 9:31 // Antworten

    Mein Beileid der Famile, doch keiner wird wieder lebendig, trauer muss sein um zu verarbeiten, (an)klagen bringt da auch nichts. Wie der Name schon sagt „Rettungskräfte“ kommen um zu retten was zu retten ist, unter Einsatz ihres Lebens. Die Eltern sind mitverantwortlich, wenn die Kinder nicht gerettet werden konnten. Mir stellt sich die Frage, warum hat der Vater die Kinder nicht nach draußen gereicht und wieso liesen sich die Eltern zuerst retten.

  22. Der Brief ist wirklich toll geschrieben! Vorwürfe von Betroffenen sind nach Einsätzen jedoch sehr häufig und wir alle wissen, dass diese fast immer haltlos sind. Somit verlaufen sich solche Anklagen grundsätzlich. Bei einem derart ausgedehn
    ten Feuer wie in Saarbrücken hatte der Brand eine lange Entwicklungsphase. Die hochgiftigen Brandgase konnten sich lange verteilen und jeder weiß, dass man als Familie mit Kindern immer Rauchmelder in der Wohnung haben sollte. Die Bevölkerung allgemein ist heutzutage bestens durch Brandschutzaufklärung informiert und keine Rauchmelder installiert zu haben, ist unserer Meinung grob fahrlässig. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft werden wir weiter sehen was wirklich passiert ist. Der Anwalt will Geld verdienen und die Presse braucht auch erstmal ihre Schlagzeilen. Die haben nur ein €-Zeichen auf der Stirn. Wir wissen was wir können und in solchen Extremsituationen immer leisten. Darum strufen wir den rechtlichen Angriff der Eltern als haltlose und in ihrer grauenvollen Situation des Verlustes von 4 Kindern, als emotionale Überreaktion ein.

  23. Tiefe, treffende, bewegende Worte die man dort gefunden hat.

    Ich denke Feuerwehren müssen sich vermehrt mit solchen Nachfragen und Kritikäusserungen auseinander setzen. Es ist zunehmend in der Bevölkerung zu bemerken das die Feuerwehr kritisch beäugt wird, sehen wir es als Herausforderungen noch besser zu werden.

    Brände mit Verlust von Menschenleben sind immer hoch dramatisch und fordern die Einsatzkräfte ungemein. Es kann  sich kein „nicht Feuerwehrmann“ vorstellen wie es sein mag ein Kinderleben aus einem Haus zu retten, und es dann bei der medizinischen Versorgung zu verlieren. 

    Allen beteiligten Wünsche ich die Kraft zum bewältigen diesen Schicksalsschlages. Den Angehörigen mein Beileid. 

      

  24. als alt gedienter feuerwehrler kann ich mich nur für diese worte bedanken. sie sprechen mir aus tiefster seele.

  25. Sehr schön ausgedrückt, so bewegend das mir beim lesen die tränen in die Augen schossen…

  26. Sascha Edelkötter aus Hamm // 26. August 2012 um 13:22 // Antworten

    Wahre Worte, die selbst mich in Nordrhein-Westfalen berühren…….erst mal mein tiefstes Mitgefühl der Familie………aber auch den Kameraden, die sicherlich weit über ihre Leistungsgrenze gegangen sind……..ich bin mit sicher, dass jeder einzelne am Einsatz beteiligte Feuerwehrmann mehr wie 100% gegeben hat um die Kinder zu retten……..aus Erfahrung kann ich sagen, dass sicherlich bei dieser Lage nicht zuerst auf die Brandbekämpfung wert gelegt wurde……..so schlimm dieses Szenario auch ist, dass Feuer ist ein Element was auch uns Feuerwehrmännern Grenzen aufzeigt.

    Ich wünsche allen Kameraden viel Kraft und hoffe das sie eine gute Seelsorgerische Unterstützung erhalten, damit wir weiterhin eine gute Leistungsstarke Feuerwehr haben.

    Gut Wehr aus Hamm

    Sascha

  27. Ich bin selber Feuerwehrmann und Vater zweier Töchter. Der Brief ist sehr beeindruckend und geht mir sehr nahe.Diesen Brief sollte sich jeder zu Herzen nehmen. Besonders diejenigen sollten mal darüber nachdenken die immer schnell und unüberlegt mit irgent einer Kritik dabei sind. Ich bedanke mich für diese Worte sie sprechen mir aus dem Herzen

  28. sehr gutes schreiben, finde ich gut diesen öffentlichen Apell an die Familie und an sich die Reaktion seitens der Feuerwehr – denn wir geben immer das beste und mögliche im Einsatz – jeder von uns!

  29. Ein schöner Text…
    und dennoch kann man beide Seiten verstehen.
    Natürlich können Feuerwehrleute und Rettungskräfte nicht immer nur Menschenleben retten, auch wenn sie es gerne immer täten und ich auch wirklich glaube, das immer jeder sein Bestes gibt in so einem Beruf.

    Aber macht der Familie keinen Vorwurf… sie haben 4 Kinder verloren. Sie stehen unter schock, Trauer und Wut alles vermischt sich… sie suchen irgendwie einen Halt und haben ihn womöglich darin gefunden.
    Jeder Mensch mit einem so schlimmen Schicksal wird im ersten Moment nach irgend etwas greifen, was ihn auf den Beinen hält. Man kann doch nicht verlangen das einem direkt auf die schulter geklopft wird mit den Worten “ hey danke, wir haben zwar 4 Kinder verloren, aber herzlichen Dank, ihr habt euer Bestes getan!“

    Der Familie mein Beileid 🙁

  30. Ich kann beide Seiten verstehen – Die Seite der Eltern, aber auch die Seite der Feuerwehr leute.
    Ich bin Mutter – ich würde für meine Kinder mehr als nur ins Feuer gehen. Auch heute noch, wo sie „groß“ sind. Der Schmerz, den die Eltern erleiden, ist unermesslich. Im größten Schmerz sagt man oft Dinge, die einem selbst helfen, aber andere verletzen. Viel, viel später – manchmal auch nicht – wird es einem erst bewusst, was man gesagt hat. Wenn der Schmerz irgendwann vielleicht mal nach lässt.
    Ich bin aber auch Feuerwehrfrau. Wenn die Alarmierung kommt, renne ich. Ich weiss nicht, was auf mich zukommt, ich reagiere nur. Man gibt alles und noch viel mehr, um anderen Menschen zu helfen.Obwohl man sie gar nicht kennt! Man geht auch für andere Menschen ganz nah ans Feuer. Immer mit dem Bewusstsein, dass es vielleicht auch für einen selbst das letzte Mal sein kann. Und trotzdem…. man geht!
    Aber es muss auch den Eigenschutz gedacht werden, so schlimm es sich anhört.
    Welche unermessliche Kraft hat es die Kameradinnen und Kameraden gekostet, nicht weiter gehen zu können, den Kindern nicht mehr helfen zu können, diese Machtlosigkeit….
    Man weiss als aktiver Feurwehrangehöriger, dass so eine Situation eintreffen kann, aber man hofft auch immer, dass es nie passiert.
    Es ist schwer dann für die Kameraden dann das Gesehene und Erlebte zu verarbeiten, trotzdem wieder raus zu fahren, trotzdem immer wieder mehr als alles zu geben,… und dann noch Vorwürfe zu hören.
    Ich wünsche beiden Seiten alle erdenkliche Kraft, Beistand und Mut den sie brauchen.
    Ich bete für beide Seiten!

  31. Bernd Schönefeld aus Rüdersdorf bei Berlin // 26. August 2012 um 20:04 // Antworten

    Lieber Jan
    du sprichst uns aus tiefster Seele.Mein Sohn und auch ich sind selbst Mitglieder der Freiwilligen
    Feuerwehr.Aber einen solchen Einsatz mußten und wollen wir auch nicht durchstehen.
    Wenn uns schon beim Lesen die Tränen kullern,wie muß es erst den Kameraden vor Ort ergangen
    sein.
    Unser herzlichstes Beileid gilt natürlich den Eltern.Wer selber Kinder hat,kann auch nur ansatzweise
    diesen Schmerz verstehen.
    Darum sollte niemand die Reaktion der Eltern überbewerten oder gar verurteilen.Auch ich glaube,
    sie haben in einer Art Schockzustand gehandelt .

  32. Zuerst mal möchte ich mein tiefstes Beileid den Eltern gegenüber aussprechen.

    Der Brief ist wahnsinnig gut geschrieben und drückt das aus was in uns Einsatzkräften vorgeht

    Tode zu bergen ist etwas was niemand erleben möchte.
    Doch auch in meiner Wehr viel uns diese schwere Aufgabe zu, wenn auch „zum Glück nur“ Erwachsene. Kinder verletzt zu retten ist schlimm genug, doch die Vorstellung Kinder bergen zu müssen lässt es mir eiskalt den Rücken runterlaufen.

    Daher möchte auch ich die Eltern bitten die Anzeige zurück zu ziehen und einmal darüber nachzudenken was die Einsatzkräfte erlebt haben, das auch sie das Erlebte verarbeiten müssen und nicht einfach nach Hause gehen und alles einfach so vergessen.

    Noch einmal mein tiefstes Beileid den Eltern

  33. Zurerst möchte ich mein tiefstes Mitleid den Eltern gegenüber ausdrücken.
    Ich kann verstehen das im tiefsten Schmerz ungerechte Gedanken und Vorwürfe
    entstehen. Vielleicht liebe Eltern werdet ihr nach Verarbeitung und Trauer erst die große Tragweite dieses Unglücks erkennen und Euren Helfern den Ihr euer Leben zu verdanken habt, um Verzeihung bitten.Vielleicht ist ja auch die Frage mal zu gelassen : „Was haben wir falsch gemacht!!“ Ich glaube das würde den Feuerwehrleuten am besten helfen. Mein Dank gilt auch jenen Feuerwehrbeamten die unter Einsatz Ihres Lebens alles erdenkliche für die Rettung dieser Familie unternommen haben und ich glaube auch nicht an einen Handwerksfehler , der durchaus bei größeren Einsätzen passieren kann ,(wir sind alle , damit meine ich auch alle, nicht fehlerfrei)auch sowas kann passieren. Gut ist es aber auch, dass wir in einer Demokratie leben dürfen und uns täglich mit dem geltenden Recht auseinander setzen müssen. Hierzu gehört auch , (das wissen besonders die Beamten der Berufsfeuerwehr , es gehört leider zu ihrem Beruf) das Betroffene Anzeigen aufzugeben dürfen. Ich fest davon überzeugt , dass über die Auswertung des Notrufes und des Funkverkehrs , das befragen von Zeugen und auch der Feuerwehrbeamten vor Ort und den Eltern, sehr schnell eine Klärung erfolgt , ich glaube das Ergebnis ist doch schon klar (vielleicht noch nicht bei den verbitterten Eltern). Was wissen diese Eltern schon über die Arbeit der Feuerwehr, ihre Einschätzung wird sicher eine für Sie richtige Einschätzung sein, die allerdings wahrscheinlich nicht mit der Realität übereinstimmt.
    Ich wünsche mir für alle Betroffenen das Allerbeste wie auch immer das aussehen mag.
    Wichtig ist aber auch die Reflektion das der Feuerwehrmann, ob bei der Berufs- Freiwililgen, oder Werkfeuerwehr sich darüber im Klaren ist das dieser sehr gefährliche Beruf, oder Freiwilligendienst nicht nur eine große Herausforderung ist, sondern auch gleichzeitig bei Fehleintscheidungen oder Fehlern das Gesetz sein Attribut fordert.
    Trotzdem danke an alle Feuerwehrleute das Ihr jederzeit und immer uns den Bürger unter Einsatz Eures Leben für uns da seid !!!!!!!!!!!!!!!!!!! Die Arbeit bei Feuerwehr ist sicher der gefährlichste Beruf der Welt, denn es weiß niemand was als nächstes kommt.

    Eine letzte Bitte: Liebe Feuerwehrbeamte trotz der Anklage durch die Eltern nehmt Euch
    die Verbitterung der Eltern nicht so sehr zu Herzen, ich weiß Ihr habt auf jeden Fall alles menschenmöglich getan

  34. Liebe Mutter. Ich wünsche Ihnen die Kraft Ihren Schmerz zu verarbeiten. Ich denke wenn einige Zeit vergangen und der Schleier der (natürlichen) Wut sich gelegt hat, werden Sie erkennen das es nicht die Schuld der Kameraden, sondern der Wille Gottes, dem wir alle unterliegen, war das es LEIDER so ausging.
    Ich bin mir sicher, da ich aus eigener Erfahrung als Feuerwehrfrau und Mutter spreche, das die Kameraden und die übrigen Rettungskräfte ALLLES getan haben was nur ging um Ihre Kinder zu retten. Dennoch sind wir nur Menschen und KEINE Heiligen. ABER es nutzt nichts wenn ein Feuerwehrmann in denFlammen selbst umkommt oder zu Schaden kommt um einen anderen Menschen zu retten. Denn auch er hat eine Familie die dann einen Papa, Ehemann, Sohn, Onkel, Opa verliert. Bitte gehen Sie noch einmal in sich und freuen Sie sich, so blöd das klingt, das SIE am Leben sind und all Ihre Kraft und Liebe ihrem kleine Kind schenken können. Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute.
    Und den Kameraden: Ich hoffe das Ihr das Erlebte schnell und so gut wie möglich verarbeiten könnt und Ihr auch eine starke Schulter zum anlehnen habt…

  35. Rauchmelder retten Leben, leider nicht mehr das der 4 Kinder. Wäre im Saarland auch endlich eine Rauchmelderpflicht, hätte ggf. Schlimmeres verhindert werden können. Jede/r kann natürlich selber, so habe ich es getan, vor Einführung einer Pflicht sich Rauchmelder beschaffen. Hoffentlich führt dieser tragische Brand dazu, das die Verantwortlichen aufwachen und schnellstens die Rauchmelderpflicht einführen. Sonst sollten beim nächsten Feuer nicht die Hilfsorganisationen auf der Anklagebank sitzen, sondern die Politiker!

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