Alles ist genormt, sogar der Brand

Heutzutage ist ja fast alles genormt, da kommt nicht mal das kleine Feuerchen davon. So existiert auch der sogenannte Normbrand. Aber wenn das Wort auch etwas trocken und öde klingt, so ist es doch eine wichtige Größe um Feuerlöscher miteinander zu vergleichen.

Ehrlich gesagt, hat mir das bis vor einigen Monaten auch noch nix gesagt. Aber letztes Jahr im Sommer wurde ja sehr medienwirksam dieser neue Löschspray auf Stern TV angepriesen. Der ist gleich so toll, dass die Polizei ihre Feuerlöscher von den Fahrzeugen verbannt und nur noch mit den Spraydosen in der Gegend durch die Landen tingelt.

Kennzeichnung der Löschleistung auf einem Schaumlöscher

Kennzeichnung der Löschleistung auf einem Schaumlöscher

Obwohl auch der Deutsche Feuerwehrverband das Ding ganz toll findet, gibt es so wie mich einige Skeptiker, die von der Löschleistung nicht besonders begeistert sind. Jetzt tun sich aber nicht nur gestandene Feuerwehrler sondern auch Verbraucher schwer, einzuschätzen was das Ding denn nun kann. Und hier kommt der Normbrand ins Spiel. Um Feuerlöscher vergleichen zu können gibt ein standardisiertes Feuer. Das ist in der DIN EN 3-1 festgelegt und besteht aus einem Stapel Kiefernholzstäben. Dieser Stapel ist ungefähr 56 cm hoch und 50 cm tief. Spannend wird jetzt die Breite von diesem Normfeuer, da dieser Wert auf den Löscher angegeben wird. So bedeutet der Wert von 21 A (siehe Foto) auf dem Schaumlöscher, dass ich mit dem Gerät das oben beschriebene Normfeuer mit einber Breite von 210 cm löschen kann.

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Der zweite Wert der angegeben ist, bezieht sich auf einen Flüssigkeitsbrand, daher auch das Kennzeichen B für die Brandklasse. Der Wert gibt in Litern an, wieviel von einer brennenden Flüssigkeit gemischt mit Wasser abgelöscht werden kann. Im Beispiel vom Foto wären das 183 Liter. Wer das alles genau wissen möchte, kanns auch hier im Detail nachlesen.

Löschleistung bei Festbrennstoffen im Vergleich

So, ursprünglich bin ich ja auf dieses Thema über die Lösch-Spraydose gekommen. Her ist es nun interessant zu wissen, was die kleinen Dinger leisten. Der Universallöschspray kommt unter anderem auf 3A und 13B. Das heißt er kann einen Holzstapel mit 30 Zentimeter Breite und ein flüssiges brennbares Gemisch mit 130 Liter löschen. Ein 6 Liter Schaumlöscher bringts beispielsweise auf 34 A und 183 B. Wir Feuerwehrler turnen ja oft mit einem P12 an der Einsatzstelle rum und der bringts sogar auf 55 A und 233 B. D.h. hiermit könnte ich einen Holzstapel mit 5,5 Metern Breite ablöschen.

Hier die drei Werte zur Veranschaulichung mal grafisch dargestellt:

Das war jetzt mal ein kleiner Ausflug in die Welt der Feuerlöscher, aber ich denke als Feuerwehrler ist es gar nicht so schlecht mal grob zu wissen, was das Löschgerät in der Hand so alles aus bekommt.

Wie schauts bei Euch aus, ist der Begriff Normbrand schon ein alter Hut oder ist Euch das bisher auch nicht über den Weg gelaufen?

Ach und hier noch das Video von der Wunder-Löschdose mit dem Polizisten der die Feuerlösche von den Streifenwagen verbannt:

13 Kommentare zu Alles ist genormt, sogar der Brand

  1. Also ich habe bis jetzt noch nie was von einem Normbrand gehört.
    Meinen Meinung zu dem neuen Löschspray ist:
    – Für die Feuerwehr ist es nix. Es ist einfach zu klein und die Löschleistung ist zu schwach
    – Für die Polizei ist es vllt. eine Überlegung grad bei iwelchen Demos wenn eine Person Feuer fängt. Aber in den Autos von der Polizei hat es meiner Meinung nach nix zu suchen da sollten die Feuerlöscher drin bleiben wo drin waren.
    – Für den Hausbereich denke ich es mal ist es ne ganz gute Alternative. Es ist klein, Handlich, Leicht zu bedinen, aber eben auch nur für einen Entstehungs Brand geeignet.

    Chris

  2. Finde ich interessant, sollte aber vielleicht noch ein paar mehr unabhängige Test durgeführt werden. Z.B., wie lange eine solche Dose hält.

  3. leider zu Teuer um mal so auszuprobieren (25€ bei Amazon)

  4. Für den Entstehungsbrand zuhause z.B. in der Küche (fettbrandgeeignet!) sicherlich eine Alternative. Für den Christbaumbrand schon wieder zu klein!

    Zu beachten ist hier sicherlich auch: als Druckgasbehälter nicht zu großer Hitze aussetzen – also nur bedingt fürs Auto geeignet!

  5. Hm werde mir mal so ein Ding für zu Hause kaufen.
    Im Keller steht beim Ölkeller zwar auch nen ordentlicher großer aber bis ich denn im 1. Stock habe brennt die ganze Küche.
    So zum z.b unter die Spüle oder irgend wo in den Schrank zu stellen ist das Ding wahrscheinlich perfekt.

  6. Wieder ein interessanter Artikel hier, danke Flo 😉
    Über den Sinn oder unsinn solcher Löschdosen kann man sicher streiten, mir ist ein geprüfter (!) Feuerlöscher definitiv lieber.

    Manche Aussagen im Video finde ich teilweise schwer bedenklich. Fahrzeuge fangen also nach VUs sehr häufig an zu brennen??? Ahja…fehlt nur noch der Hinweis auf die direkt nach dem Unfall auftretende Explosion. Auch das Personen in Bett verbrennen ist eher selten. Wie jeder Feuerwehrangehörige weiß, ist der Rauchgasintox viel häufiger. Aber dann müßte man ja Rauchmelder bewerben, das hätte sicher nicht die entsprechende Werbewirkung für die Löschdose.

  7. Also ich halte von diesen Spraydosen nicht sehr viel..
    Ich sehe den Einsatzzweck höchstens im privaten Bereich aber nicht bei der Polizei oder ähnlichem. Sehr bedenklich fand ich auch die Aussage des Polizeidirektors (Jürgen Begere) Zitat:“Der Löscher ist einfach zu bedienen weil es eine Alltags übliche Spraydose ist und auch in Extremsituationen können die Kräfte sehr gut damit umgehen.“ ich finde man kann es von Polizisten durchaus erwarten auch in „Extremsituationen“ einen Feuerlöscher bedienen zu können, sollte dies die Polizisten wirklich überfordern sollte man sich über die Qualität der Ausbildung mal Gedanken machen…
    Auch das Argument das die Feuerlöscher sehr schwer waren finde ich nicht verständlich, wenn man als Polizist in einen Einsatz geht bei dem es erforderlich ist einen Feuerlöscher mitzunehmen sollte man sich über die körperlichen Anforderungen bewusst sein (und ich glaube dann ist der Feuerlöscher schon bald nebensächlich erst recht wenn man ihn auf dem Rücken trägt).
    Ebenfalls das Argument der zusätzlichen Gesundheitsgefahren halte ich nicht für sehr tragfähig, wenn ich brenne wärs mir egal ob mich einer mit pulver, Wasser, Schaum, CO2 oder einer löschdecke löscht, Hauptsache ich brenne nicht mehr (klar eine löschdecke oder Wasser wäre mir lieber 😉 ).
    Außerdem finde ich die Demonstration im Video mit dem Sessel nicht sehr überzeugend, das hat zwar schön gebrannt aber als der mit seiner Spraydose ankam waren die Flammen nicht mehr so wirklich bedrohlich 😉 das hätte man auch mit der zufällig für die Blumen rumstehenden Gießkanne geschaft 😉 .
    Weiterhin habe ich bereits Berichte über andere „Feuerlöschsprays“ gesehen welche ebenfalls für Fettbrände geeignet sein sollten jedoch die gleiche verehrende Wirkung wie Wasser hatten, ich finde auch das hätte man erwähnen sollen damit unwissende nicht zu Schaden kommen.
    Naja muss jeder für sich wissen ob es sinnvoll ist oder nicht, ich finde es nicht so überzeugend. (Was ist eigentlich mit Lebensdauer/Wartung??)

    Mfg
    Timo

  8. Also erst mal vielen Dank für den Beitrag dass mit den Angaben am Feurlöscher war mir nicht bekannt.
    Ich bin bisher eigentlich davon ausgegangen, dass die Spraydosen mit Mühe und Not eine Kerze ausblasen können. Etwas besser scheinen sie wohl doch zu sein.
    Trotzdem ziehe ich meinen immer noch recht leichten 2 l Feuerlöscher vor.

  9. Hab grad noch zwei Frage

    1)
    Bei uns im Betrieb habe ich zwei Typen von Feuerlöschern gefunden.
    Der 5 Kg Co2 Löscher hat einen Wert von B89
    Der 6 Kg Pulverlöscher hat einen Wert von B233

    Ist Co2 in der Löschkraft im Einsatz wirklich so unterlegen oder hat CO2 einfach Probleme mit dem Prüfverfahren.?
    Ps: Das CO2 weniger Sauerei macht weiß ich

    2)
    Sind die angegbenen Löschwerte realistisch, oder muß man schon Feuerwehrmann mit 80 Jahren Berufserfahrung sein und viel Zeit haben um einen solchen Normbrand mit dem Löscher zu bewältigen?

  10. Genau daran, dass CO2 keine Sauerei macht, liegt das Problem beim Löschverhalten.
    Es bleibt kein Löschmittel am brennenden Stoff „haften“. Beim Pulver- oder Schaumlöscher bleibt das Löschmittel auf dem Brandgut liegen und erstickt das Feuer und die Glut.
    Beim CO2-Löscher wird das Feuer zwar auch erstickt, das CO2 ist jedoch relativ schnell wieder weg und dann kann sich die Glut wieder entzünden und neue Flammen hochschlagen. Also brauch ich mehr CO2 um das Feuer entgültig zu ersticken.
    Wahrscheinlich werden die CO2-Löscher bei euch auch in Bereichen mit viel Elektronik hängen?

    Wir haben in der Speisekammer einen 2l-Schaumlöscher, klein handlich und man kommt schnell dran.
    Hab da mal die Löschleistung nachgeschaut: zwar nur 5A im gegensatz zu 3A aber schon 55B im Vergleich zu 13B

  11. @Jan
    Danke für die schnelle Antwort.
    Das mit viel Elektronik stimmt.
    im Zweifelsfall werde ich in Zukunft wohl eher zum Schaumlöscher greifen.
    ( über 1000 V haben wir nicht )

  12. @Ralf
    Ein weiterer Nachteil der CO2-Löscher ist aber natürlich auch die Nutzung in (un- oder schwach belüfteten) Räumen ohne Atemschutzausrüstung. Da kann der Löschversuch ganz schnell nach hinten losgehen zwecks Atemnot o.Ä.
    Aber das nur am Rande…

  13. Markus Schlicher // 5. November 2015 um 16:40 // Antworten

    Wenn es ein Löschspray sein sollte, dann aber bitte ein hochwertiges und kein Spray aus dem Baumarkt. Ich würde mir da lieber einen guten Schaumlöscher zulegen. Unter folgender Seite gibt es einen guten Feuerlöscher Test

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